Die beiden Liebenden

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Gottfried August Bürger: Die beiden Liebenden (1778)

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Ein Andrer werb' um Ehr' und Gold!
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Ich werb’ um Wollust bei Selinden.
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Mich kan nur süsser Minnesold
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An algetreue Dienste binden.
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Das Glük läst manchen Ehrenman
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In seinem Dienst’ umsonst verderben.
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Allein bei trauter Minne kan
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Der Hirt auch sichern Sold erwerben.

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Ich bin kein grosser reicher Herr,
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Und sie ist keine hohe Dame.
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Dagegen klingt viel reizender
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Ein kurzer schäferlicher Name.
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Dagegen herzen wir uns frei,
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Sind sicher vor Verrätertücken,
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Auch schielet keine Spötterei,
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Wann wir uns Knie und Hände drücken.

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Der Prunk der hochstaffirten Kunst,
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Selbst die Natur im Feierkleide,
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Erbulen selten meine Gunst;
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Denn sie beschämt an Reizen beide.
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Das tausendstimmige Konzert
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Der Lerchen und der Nachtigallen
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Ist mir kaum halb so lieb und wehrt,
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Wann ihre Solotriller schallen.

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Im Denken ist sie Pallas ganz,
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Und Juno ganz am edlen Gange,
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Terpsikore beim Freudentanz’,
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Euterpe neidet sie im Sange;
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Ihr weicht Aglaja, wann sie lacht,
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Melpomene bei sanfter Klage,
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Die Wollust ist sie in der Nacht,
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Die holde Sitsamkeit bei Tage.

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Des Morgens, welch ein Malerbild!
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Wallt sie hervor in leichtem Kleide,
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Noch ungeschnürt, und halb verhült
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Nur in ein Mäntelchen von Seide.
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Entringelt auf die Schulter sinkt
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Die Hälfte goldner Locken nieder.
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Wie dann ihr rasches Auge blinkt,
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So blinkt das Licht aus Quellen wieder.

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Natur und Einfalt helfen ihr,
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An ihrem kleinen Morgentischgen.
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Des Busens und des Hauptes Zier
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Sind Ros’ und Myrt’ in einem Büschgen.
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Zu ihren Wangen wurde nie
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Ein Pinsel in Karmin getauchet;
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Und doch, wie Rosen, blühen sie,
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Von Frühlingsodem aufgehauchet.

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Wann sie an ihrem Tischgen sizt,
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So werd’ ich scherzend hingewinket:
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„kom, schmücke selbst dein Mädchen izt,
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Wie deiner Laun’ am besten dünket!„
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Und mich beflügelt ihr Gebot,
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Sie unvermutet zu umfangen.
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Dann schminkt mit hohem Morgenrot
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Mein Kus die jugendlichen Wangen.

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Ihr Haar im Nacken reizet mich
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Zu hundert kleinen Thorenspielen.
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Fast nimmer müde läst es sich
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In diesen seidnen Locken wülen.
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Sie äugelt nach dem Spiegel hin,
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Und lauschet meinen Neckereien.
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Sie schilt, daß ich ein Tändler bin,
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Und freut sich doch der Tändeleien.

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Drauf leg’ ich ihr die Schnürbrust an.
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Vor Wonne beben mir die Hände.
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Das Band zerreist, so oft es kan,
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Damit die Arbeit später ende.
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Wie flink bin ich nicht stets bereit,
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So liebe Dienste zu verrichten!
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Doch flinker noch, zur Abendzeit,
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Das Werk des Morgens zu zernichten.

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Nun schlinget meine kühne Hand —
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O Liebe, Liebe, welche Gnade! —
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Ein sanftgeflamtes Rosenband
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Ihr zierlich zwischen Knie und Wade.
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Wie mir das Blut zu Herzen stürzt!
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Nicht schöner wies sie Atalante,
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Da sie um’s Jawort, hochgeschürzt,
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Mit ihren Freiern wetterante.

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Nun schwebt die Grazie vor mir,
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Schlägt mit den Silberfüschen Triller,
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Und tanzet hin an das Klavier,
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Und singt ein Lied, nach Weiß, von Miller.
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Mit welcher Wollustfülle schwelt
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Mein Herz der Zauber ihrer Kehle!
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Hinweg, aus aller Gotteswelt,
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Gen Himmel singt sie meine Seele.

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Der Morgen eilt, man weis nicht wie?
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Zur Malzeit ruft die Küchenschelle.
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Ihr gegen über, Knie an Knie,
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Und Fus an Fus, ist meine Stelle.
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Hier treiben wir’s, wie froh und frei!
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Uns fesselt kein verwünschter Dritter.
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Die beste Fürstenschmauserei
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Ist gegen solch ein Schmäuschen hitter.

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Selinde schenkt mir Nektar ein.
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Erst aber mus sie selber nippen.
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Hierauf kredenzet sie den Wein,
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Mit ihren süssen Purpurlippen.
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Der Pfirsich, dessen zarten Flaum
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Ihr reiner Perlenzahn verwundet,
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Wie lüstern macht er Zung’ und Gaum!
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Wie süs mir dieser Pfirsich mundet!

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Nach Tische läst auf ihrer Brust
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Mein hingesunknes Haupt sich wiegen.
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Von Wein berauschet und von Lust,
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Wil schier die Sprache mir versiegen.
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Ein volles Herz giebt wenig Klang;
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Das leere klingt aus allen Tönen.
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Sie fühlet dennoch seinen Drang;
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Und ach! versteht sein stummes Sehnen.

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Jezt wird Selinden bang’ um’s Herz.
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Ein Mädchen ist ein banges Wesen.
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Sie reichet mir, aus losem Scherz,
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Verwirten Zwirn, ihn aufzulösen.
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Zwar findet sie mich ungeschikt,
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Doch sucht sie mich nur hinzuleiern.
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O List! Indem sie her sich bükt,
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Mus sich ihr Busen selbst entschleiern.

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Ein schlauer Blik wird hingesandt;
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Allein der Dieb läst sich betreten.
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Ein Streich von ihrer weichen Hand
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Rächt auf der Stell’ ihr Schaamerröten.
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Dann rükt sie weg und spricht nicht mehr;
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Bedekt ihr Auge; macht die Blinde;
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Lauscht aber durch die Finger her:
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Ob ich die Kränkung wol empfinde?

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Dann spiel’ ich einen Augenblik,
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Doch nur verstelt, den Tiefbetrübten;
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Und sie, o Wonne! springt zurük,
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Versönt sich mit dem Vielgeliebten,
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Umhalset ihn, weis nicht genug
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Mit süssen Namen ihn zu nennen,
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Und Mund und Wange, die sie schlug,
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Fühlt er von tausend Küssen brennen.

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Wol hundert Launen, kraus und hold,
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Umflattern täglich meine Traute.
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Bald singt und lacht, bald weint und schmolt,
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Bald klimpert sie auf ihrer Laute,
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Tanzt hin und wieder, blizgeschwind,
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Bringt bald ein Büchelchen, bald Karten,
143
Bald streut sie alles in den Wind,
144
Und eilt hinunter in den Garten.

145
Ich hinterher, ereile sie
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In einer sichern stillen Grotte.
147
Freund Amor treibt, sie weis nicht wie?
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Sie tief ins Dunkel. Dank dem Gotte!
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Sie bebt, von meinem Arm umstrikt.
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Mein Kus erstikt ihr leztes Lallen.
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Sie sinkt. Ich halte sie entzükt,
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Und — halt! — und lasse sie nicht fallen.

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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