Das Lob Helenens

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Gottfried August Bürger: Das Lob Helenens (1778)

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O Bräutigam, welch' eine Braut
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Wird deinem Arm’ zur Beute!
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Bei meiner Leier schwör’ ich’s laut:
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Die Krone schöner Bräute!

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Wer zweifelt, wandre hin und her,
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Rings um die alten Gleichen!
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Kein schöner Fräulein findet er,
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In allen Königreichen. —

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Ihr Blik verheist ein Paradies;
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Die Wang’ ist Morgenröte;
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Und ihre Stimme tönt so süs,
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Wie König Friedrichs Flöte.

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Noch mehr! Des Dichters Fantasei
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Verräth es seiner Leier,
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Daß ihre Lippe süsser sey,
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Als Honig und Tokaier.

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Ihr schlanker Wuchs — Doch wie vermag
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Ich jeden Reiz zu singen?
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Kaum reicht’ ein langer Sommertag,
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Ihr Loblied zu volbringen.

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Sie weichet nicht in Griechenland
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Der schönen Namensschwester;
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Doch hält ihr Herz das güldne Band
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Der Liebestreu’ weit fester. —

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Einst hätten in der Wunderzeit
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Der Riesen und der Moren
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Die Paladine weit und breit
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Zur Dame sie erkoren.

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Ihr Namen hätt’ im Feldpanier
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Den Rittern Mut geschimmert,
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Und Schild’ und Lanzen im Turnier
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Zu tausenden zertrümmert.

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Wär’ sie geboren auf der Flur,
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In jenen goldnen Jahren,
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Als ritterliche Lanzen nur
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Noch Hirtenstäbe waren:

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So hätt’ um sie, in Flur und Hain,
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Ein jedes Lied geworben.
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Wol mancher wär’ in Liebespein,
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Nach Schäferart, gestorben. —

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Sieh, solche Braut zieht deine Hand
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Hinweg aus unsern Blicken.
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Wie neiden wir das fremde Land,
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Das Helena sol schmücken!

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Ach! welche Nachbarin ersezt
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Sie unsern Nachbarsöhnen?
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Und welche wird die Reigen jezt,
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Wie Helena, verschönen?

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Du müstest wol mit blankem Speer,
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O Man, sie erst erwerben,
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Und billig schäferlich vorher
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Ein paarmal für sie sterben! —

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Doch wirst du künftig, ohne Leid,
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Sie auf den Händen tragen,
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Und immer, nach Verdienst, wie heut,
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Ihr Honigwörtchen sagen:

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So sey es drum! Wir lassen sie
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In Frieden unsertwegen.
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Die Liebe segne dich und sie,
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Mit ihrem besten Segen!

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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