Danklied

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Gottfried August Bürger: Danklied (1778)

1
Algütiger, mein Hochgesang
2
Frohlocke dir mein Leben lang!
3
Dein Namen sey gebenedeit,
4
Von nun an bis in Ewigkeit!

5
O Gott, an meiner Mira Brust
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Durchschauert mich die fromme Lust.
7
Den du erschufst, der Traube Saft,
8
Giebt meinem Liede Schwung und Kraft.

9
Im Wonnetaumel thut mein Mund,
10
Du Geber, deine Gaben kund.
11
Kus, Freudenmal und Becherklang
12
Entweihen keinen frommen Sang. —

13
Dies füsse Mädchen, welches mir
14
Den Himmel küsset, danket dir,
15
Dir dankt es feurig mein Gesang!
16
Wie meine Liebe flamt mein Dank!

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Die Tenne zolt mir ihre Gift;
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Mir zinsen Garten, Forst und Trift;
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Von mancher edlen Kelter fleust
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Für mich der Traube Feuergeist.

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Auf Rebenbergen, fern und nah,
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Am hohen Kap, zu Malaga,
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Zu Hochheim, Cypern und Burgund
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Trof Nektar schon für meinen Mund.

25
Auch mir führt, unter Tausenden,
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Das reiche Schif aus Indien
27
Gewürz und edle Spezerei
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Und Saba’s Bonen mit herbei. —

29
Wer zält die Gaben alle? Wer?
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Zält Jemand auch den Sand am Meer?
31
Wer ist, der an dem Firmament
32
Die Summe der Gestirne nent? —

33
Von dieser Unzal weg der Blik!
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Zurük, mein Geist, in dich zurük!
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In diesem engumschränkten Bau,
36
Gott! welcher Gaben Wunderschau!

37
Du flössest Geist den Nerven ein,
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Mit Kraft erfülst du mein Gebein,
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Strömst in die Adern reines Blut,
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Und in die Brust gesunden Mut.

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Ich fühle deinen schönen Mai,
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Und Philomelens Melodei,
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Des Sommers wollustvolle Luft,
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Der Blumen Farbenglanz und Duft.

45
Vor Tausenden gab deine Gunst
46
Des Liedes und der Harfe Kunst
47
In meine Kehle, meine Hand;
48
Und nicht zur Schande für mein Land!

49
Daß meine Fantasei, vol Kraft,
50
Vernichtet Welten, Welten schaft,
51
Und höllenab, und himmelan,
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Sich senken und erheben kan;

53
Daß meines Geistes Auge hell
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Der Dinge Wirwar, leicht und schnell,
55
Wie nicht ein jeder Erdenman,
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Durchspähen und entwickeln kan;

57
Daß ich, von freiem Biedersin,
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Kein Bube nimmer war und bin,
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Nie werden kan mein Leben lang,
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Durch Schmeicheleien oder Zwang:

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Des freuet meine Seele sich,
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Und meine Lippe preiset dich!
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Dein Namen sey gebenedeit,
64
Von nun an bis in Ewigkeit!

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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