Das Dörfchen

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Gottfried August Bürger: Das Dörfchen (1778)

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Ich rühme mir
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Mein Dörfchen hier!
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Denn schönre Auen,
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Als rings umher
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Die Blicke schauen,
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Sind nirgends mehr.
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Welch ein Gefilde,
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Zum schönsten Bilde
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Für Dietrichs Hand!
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Hier Felsenwand,
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Dort Aehrenfelder,
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Und Wiesengrün,
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Dem blaue Wälder
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Die Gränze ziehn!
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An jener Höhe
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Die Schäferei,
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Und in der Nähe
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Mein Sorgenfrei!
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So nenn’ ich meine
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Geliebte, kleine
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Einsiedelei,
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Worin ich lebe,
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Zur Lust verstekt,
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Die ein Gewebe
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Von Ulm und Rebe,
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Grün überdekt.

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Dort kränzen Schlehen
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Die braune Kluft,
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Und Pappeln wehen
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In blauer Luft.
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Mit sanftem Rieseln
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Schleicht hier gemach
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Auf Silberkieseln
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Ein heller Bach;
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Fliest unter Zweigen,
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Die über ihn
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Sich wölbend neigen,
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Bald schüchtern hin;
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Läst bald im Spiegel
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Den grünen Hügel,
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Wo Lämmer gehn,
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Des Ufers Büschgen
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Und alle Fischgen
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Im Grunde sehn.
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Da gleiten Schmerlen
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Und blasen Perlen.
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Ihr schneller Lauf
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Geht bald hernieder
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Und bald herauf
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Zur Fläche wieder.

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Schön ist die Flur;
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Allein Elise
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Macht sie mir nur
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Zum Paradiese.

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Der erste Blik
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Des Morgens wecket
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Auch unser Glük.
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Nur leicht bedecket
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Führt sie mich hin,
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Wo Florens Beete
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Die Königin
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Der Morgenröte
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Mit Thränen näst,
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Und Perlen blizen
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Von allen Spizen
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Des Grases läst.
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Die Knospe spaltet
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Die volle Brust;
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Die Blume faltet
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Sich auf zur Lust.
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Sie blüht, und blühet
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Doch schöner nicht,
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Als das Gesicht
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Elisens glühet.

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Wanns heisser wird
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Geht man selbander
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Zu dem Mäander,
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Der unten irt.
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Da sinkt zum Bade
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Der Schäferin,
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An das Gestade,
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Das Rökchen hin.
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Sol ich nicht eilen,
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Die Lust zu theilen? —
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Der Tag ist schwül,
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Geheim die Stelle,
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Und klar und kühl
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Die Badequelle.

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Ein leichtes Mal
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Mehrt dann die Zal
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Von unsern Freuden.
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In weichem Gras,
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An Pappelweiden,
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Steht zwischen Beiden,
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Das volle Glas.
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Vom Trunk erweitert
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Wird bald das Herz,
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Und Wiz erheitert
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Den sanften Scherz.
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Sie kömt, und winket,
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Und schenkt mir ein,
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Doch lachend trinket
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Sie selbst den Wein;
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Flieht dann und dünket
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Sich gut verstekt,
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Doch bald entdekt,
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Mus sie mit Küssen
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Den Frevel büssen.

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Drauf mischet sie
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Die Melodie
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Der süssen Kehle
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In das Ahi
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Der Philomele,
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Die so vol Seele
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Nie sang, wie sie.

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So zirkelt immer
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Lust und Genus,
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Und Ueberdrus
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Befält uns nimmer.

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O Seligkeit!
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Daß doch die Zeit
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Dich nie zerstöre!
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Mir frisches Blut,
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Ihr treuen Mut
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Und Reiz gewähre!
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Das Glük mag dann,
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Mit vollen Händen,
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An Jederman,
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Der schleppen kan,
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Sich arm verschwenden.
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Ich seh es an,
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Entfernt vom Neide,
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Und stimme dann
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Mein Liedchen an,
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Zum Tanz der Freude:
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Ich rühme mir
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Mein Dörfchen hier!

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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