An die Hofnung

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Gottfried August Bürger: An die Hofnung (1778)

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Wolthätigste der Feen!
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Du, mit dem weichen Sin,
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Vom Himmel ausersehen,
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Zur Menschentrösterin!
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Schön, wie die Morgenstunde,
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Mit rosigem Gesicht,
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Und mit dem Purpurmunde,
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Der Honigrede spricht!

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Du, die mich oft erheitert,
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Vernim, o Hofnung, mich!
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Mein freies Herz erweitert
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Zu Lobgesängen sich.
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Sie lodern mit dem Feuer
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Des frommen Danks empor.
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O neig auf meine Leier
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Dein algefällig Ohr!

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Als, mit dem goldnen Alter,
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Der Unschuld Glük entwich,
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Da sandten die Erhalter
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Gequälter Menschen dich:
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Daß du das Unglük schwächtest,
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Des Lasters Riesensohn,
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Und Freuden wiederbrächtest,
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Die mit der Unschuld flohn.

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Nun wandelt im Geleite
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Dir ewig Ruhe nach.
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Im Aufruhr und im Streite
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Mit grausem Ungemach,
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Ertheilest du dem Müden,
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Eh gar sein Mut erschlaft,
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Erquickung oder Frieden,
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Und neue Heldenkraft.

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Du scheuchest von dem Krieger
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Das Grauen der Gefar,
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Und tröstest arme Pflüger,
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Im dürren Mangeljahr.
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Aus Wind und lauem Regen,
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Aus Sonnenschein und Thau,
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Verkündest du den Segen
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Der zartbesprosten Au.

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Von deinem Flügel düftet
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Ein Balsam für den Schmerz.
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Bei seinem Weben lüftet
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Sich das beklomne Herz.
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Dein Odem hauchet Kräfte
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Verwelktem Elend ein;
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Erstorbne kalte Säfte
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Belebt dein milder Schein.

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Du bist es, die dem Kranken
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Die Todesqualen stilt;
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Mit wonnigen Gedanken
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Von Zukunft ihn erfült;
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In seinen letzten Träumen
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Das Paradies ihm zeigt,
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Und unter grünen Bäumen
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Die Lebensschale reicht.

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Die du den armen Sklaven
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Im dunkeln Schacht erfreust;
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Von unverdienten Strafen
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Erlösung prophezeist;
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Dem im Tyrhenermeere
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Die Last des Ruders hebst,
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Und über der Galeere,
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Wie Frühlingswehen, schwebst;

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O Göttin! Deine Stimme
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Tönt der Verzweifelung,
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In ihrem tauben Grimme,
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Noch oft Beruhigung.
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Dein holder Blik entwinket
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Sie gieriger Gefar.
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Der Todesbecher sinket,
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Der schon am Munde war. —

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Und ach! — Verschmähte Liebe
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Bräch’ ihren Wanderstab
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Getrost entzwei, und grübe
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Sich vor der Zeit ihr Grab.
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Doch du hebst ihr im Leiden
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Das schlaffe Haupt empor,
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Und spiegelst ihr die Freuden
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Erhelter Zukunft vor.

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Das hat mein Herz erfahren! —
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Schon lange wäre wol
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Von meinen Trauerjahren
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Die kleine Summe vol.
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Dem Kummer hingegeben,
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Brach mir bereits der Blik.
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Du loktest mich ins Leben
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Mit Schmeichelei zurük. —

89
„vielleicht, daß deiner Zären
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Die lezte bald verschleicht.
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Wie lange wird es währen?
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So hauchest du vielleicht
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Den Seufzer ihr entgegen,
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Dem Lieb’ und Glük verliehn,
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Die Harte zu bewegen,
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Die unempfindlich schien.

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Und wählt sie auch hienieden
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Dich nie aus Sterblichen,
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So ist sie dir beschieden
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Vielleicht bei Seligen.
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Bei Seligen, wo Liebe
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Die Seelen alle fült,
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Und jede Brust die Triebe
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Der andern Brust vergilt.

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Wann, sonder Erdenmängel,
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Dein Reiz in Fülle blüht,
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Und Anmut holder Engel
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Dir aus dem Auge sieht;
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Wann sich zur Engelseele
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Die deinige verschönt,
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Und himlisch deine Kehle
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Zur Himmelsharfe tönt:

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Dann, süsser Lohn der Treue!
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Beschleicht die leere Brust
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Erbarmen oder Reue,
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Vol reiner Liebeslust.
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In Amaranthenlauben
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Beseliget sie dich. —
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O Paradiesesglauben,
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Erhalt und stärke mich!

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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