Das harte Mädchen

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Gottfried August Bürger: Das harte Mädchen (1778)

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Ich sah so frei und wonnereich
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Einst meine Tag’ entschlüpfen,
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Wie Vögelchen, von Zweig auf Zweig,
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Beim Morgenliede hüpfen.

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Fragt jeden Sommerwind, der hier
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Die Blumenau erfrischet:
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Ob je ein Seufzer sich von mir
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In seinen Hauch gemischet?

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Fragt nur den stillen Bach im Klee:
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Ob er mich klagen hörte?
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Und ob von mir ein Thränchen je
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Die kleinen Wellen mehrte?

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Mein Auge schaute falkenhell,
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Durch meilenlange Räume,
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Wie Gems und Eichhorn, sprang ich schnell
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Auf Felsen und auf Bäume.

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So bald ich auf mein Lager sank,
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Entschlief ich ungestöret.
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Des Wächters Horn und Nachtgesang
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Hat nie mein Ohr gehöret.

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Nun aber ist mir Lust und Scherz
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Und Mut und Kraft vergangen.
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Ein hartes Mädchen hält mein Herz,
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Mein armes Herz gefangen.

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Nun hauch’ ich meine Seele schier
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Erseufzend in die Winde,
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Und girre kläglich hin nach ihr,
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Gleich einem kranken Kinde.

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Nun müssen Bach und Klee genung
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Verliebter Zären saugen,
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Und graue Nebeldämmerung
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Umwölkt die muntern Augen.

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Nun härm’ ich ganze Nächte lang,
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Auf schlummerlosem Lager,
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Die leichten Glieder mat und krank,
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Die vollen Wangen hager.

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An meinem Leben nagt die Wut
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Grausamer Seelengeier;
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Nagt Eifersucht auf fremde Glut,
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Nagt mein verschmähtes Feuer.

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Das harte Mädchen sieht den Schmerz,
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Und mehrt ihn dennoch stündlich.
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O Liebe, kenst du noch ein Herz,
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Wie dieses, unempfindlich? —

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Ein einzig Lächeln voller Huld
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Würd’ allen Kummer lindern,
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Und ihre nicht erkante Schuld
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Flugs tilgen, oder mindern.

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Mich wekte wol ihr süsser Ton
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Noch aus dem Grabe wieder;
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Ja, wär’ ich auch im Himmel schon,
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Er lokte mich hernieder.

(Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Gottfried August Bürger
(17471794)

* 31.12.1747 in Molmerswende, † 08.06.1794 in Göttingen

männlich, geb. Bürger

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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