Er entschuldiget sich bey dem Frauen-Zim- mer wegen seiner Unbeständigkeit

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Johann Georg Gressel: Er entschuldiget sich bey dem Frauen-Zim- mer wegen seiner Unbeständigkeit (1716)

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Hoch werthes Jungfern-Volck ihr Lust-Gebährerinnen/
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Jhr Kinder des Gelücks/ ihr Schmuck der gantzen
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Welt/
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Der/ welcher eure Pracht nicht recht kan Lieb-gewinnen/
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Vor eurem Sieges-Thron in höchster Demuth fällt.
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Er beichtet seine Schuld/ er schilt auf sein Verbrechen/
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Sein böses Wesen ist ihm übermässig leid/
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Doch kan er euch dabey nicht Besserung versprechen/
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Weil ihm in Wege steht die Unbeständigkeit.
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Mein Hertze wird zwar wol von euren Pracht gerühret/
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Es scheint als wäre ich in euren Schmuck verliebt/
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Doch wenn man mich alsdann zur lichten Sonnen führen
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So zeigt sich/ daß mein Hertz nur falsche Stellung giebt.
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Ich bin mir selbsten gramm ob diesen bösen Wesen/
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Ich fluche aufs Geschick/ das mich nicht lieben läst.
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Hat heute gleich mein Hertz was Liebes auserlesen/
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Das flieh ich morgen schon als wär es Gifft und Pest.
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Vertumnus kan sich nicht so bald und viel verkehren.
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Als mir mein Wanckelmuth was frisches lieben heist/
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Dieselbe/ die ich früh muß über göttlich ehren/
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Vor Abend offt mein Geist von ihrem Throne schmeist.
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Das Meer/ so stille ist/ und spielt mit sanfften Wellen/
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Erhebet nicht so bald die ungestühme Fluth/
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Als wie mein Wanckelmuth mein Lieben kan verstellen/
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Und setzen das in Pein/ was in der Lust geruht.
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Das Thier
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Ich schäme mich darum/ daß ich so schwermisch bin/
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Der Unbestand des Monds kan meiner Art nicht gleichen/
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Es überwieget ihn mein unbeständger Sinn.
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Des
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Auch meinem Wanckelmuth nicht im geringsten gleicht/
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Der bin ich jetzo hold/ und jene laß ich schlendern/
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Dem Augenblick schon dort mein Hertz die Seegel streicht.
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Dis ist Hochwertheste was meine Sinnen quählet/
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Was mich in Kummer setzt/ was meine Brust veracht.
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Macht doch Annehmlichste/ daß mich ein Stern beseelet
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Der gegen euren Schmuck mein Hertze brennen macht!
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Ich wünsche mir gar offt ein heiß verliebtes Hertze/
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Wenn eine schöne Hand mir meine Finger drückt/
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Doch dieses ist alsdann mein allergrößter Schmertze/
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Daß sich mein Stellen nicht zu ihren Flammen schickt.
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Ach Engels zürnet nicht/ verspahret eur Verdammen/
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Vielleichte ändert sich mein Hertze mit der Zeit/
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Und ich bequehme mich zu nehren
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Wenn meine Wanckelmuth wird zur Beständigkeit.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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