7.

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Friedrich Rückert: 7. (1837)

1
In einer Höle hochgewölbt und tiefgegraben
2
Sind träge Wohner, die dort feste Sitze haben.

3
Wie angefesselt sind sie an dem Sitz von Stein,
4
Und sitzen auswerts nicht gewendet, sondern ein.

5
In ihrem Rücken ist von oben eine Kluft
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Gesprengt, durch welche dringt des Himmels Licht und Luft.

7
Vor ihrem Angesicht der Höle finstre Wand
8
Dient ihrem Augenmerk zum einz'gen Gegenstand.

9
Sie halten zugewandt den Rücken jenem Licht,
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Und nur auf diese Wand gewendet ihr Gesicht.

11
Was werden sie da sehn? die Schatten, die entstehn
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Der Dinge, die vorbei in ihrem Rücken gehn;

13
Die Schatten, welche wirft der Sonne Glanz vom Rücken,
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Um auch mit einem Bild das dunkle Haus zu schmücken.

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Die Leute drinnen sehn die Dinge nicht, und halten
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Das Schattenbild davon für wirkliche Gestalten.

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Sie freuen mäßig sich am bunten Schattenspiel,
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Und wissen doch davon den Grund nicht noch das Ziel.

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Nun aber ist ein Geist zu einem hergekommen,
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Der hat die Fesseln ihm, die Trägheit abgenommen.

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Geblieben sind geschnürt die andern unberührt,
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Ihn aber hat der Geist befreiet und entführt.

23
Sein Angesicht zum Licht wandt' er mit schneller Wendung,
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Da traf sein Angesicht vom Licht zuerst die Blendung.

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Doch aufwerts zog er ihn die hehre schwere Kluft,
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Und ihm entgegen kam zur Stärkung Himmelsluft.

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Und als er draußen war, erstaunt' er nicht geringe,
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Daß er nun offenbar statt Schatten sah die Dinge.

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Sein Auge war noch schwach für die Gewalt des Schönen,
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Er mußte nach und nach sich an den Glanz gewöhnen.

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Er sah der Sonne Bild zuerst im Spiegelteich;
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Sie war noch nicht sie selbst, doch schon sich selber gleich.

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Dann aber konnt' er ihr ins Auge blicken frei,
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Beseligt, daß ihr Blick in seinem Auge sei.

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Nun aber durchs Geschick ist er zurückgekommen
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Zur Höl', und hat den Sitz dort wieder eingenommen.

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Dort sitzen noch, die sich am Schattenbild erbaun,
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Denselben wollt' er nun, was er geschaut, vertraun.

39
Viel Mühe gab er sich, in Bildern zu erklären,
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Daß dis die Bilder nur, und nicht die Dinge wären.

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Doch sie verstanden's nicht, und glaubten's nicht, und lachten,
42
Und fuhren ruhig fort die Schatten zu betrachten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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