105.

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Friedrich Rückert: 105. (1837)

1
Nicht von der Sprache will ich sprechen, noch vom Licht
2
Des Himmels, welches aus des Menschen Auge spricht;

3
Noch will ich sprechen von der sprechenden Geberde,
4
Der herrschenden, die sich weiß unterthan die Erde;

5
Bezeichnen will ich dir vier kleinre Menschheitszeichen,
6
Lächeln und Weinen nur, Erröthen und Erbleichen.

7
Ein flücht'ger Sonnenblick, ein Thau aus Wolken sprühend,
8
Ein leises Morgenroth anglimmend und verblühend.

9
Von Farben der Natur an Erd' und Himmelsflur
10
Verblieb im Angesicht des Menschen nur die Spur.

11
Die Farben selber sind der niedern Welt gewährt,
12
In seinem Angesicht sind sie zu Duft verklärt.

13
Der Himmel selber hat ihm aufgedrückt die Zeichen,
14
Lächeln und Weinen und Erröthen und Erbleichen.

15
Drum stehen diese vier nicht in des Menschen Macht;
16
Kein rechter Mensch ist, wer weint wenn er will und lacht.

17
Und wer nicht, weil er will, erbleicht mehr und erröthet,
18
Der hat die Menschlichkeit mit Meuchelkunst getödtet;

19
Der hat zerrissen selbst mit thörichtem Verrath
20
Sein adliches Diplom, ein schlechter Diplomat.

21
Heiß' er ein Weiser nur, beherrschend die Natur,
22
Sich und die Welt, er ist ein großer Affe nur;

23
Statt lächeln grinsen kann der Aff, statt weinen heulen,
24
Zeigt statt Erbleichen und Erröthen farbige Beulen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Rückert
(17881866)

* 16.05.1788 in Schweinfurt, † 31.01.1866 in Neuses

männlich, geb. Rückert

deutscher Dichter, Übersetzer und Orientalist (1788–1866)

(Aus: Wikidata.org)

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