CxXVII. Auf eine Debora unter dem Volck des HErrn

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: CxXVII. Auf eine Debora unter dem Volck des HErrn (1735)

1
Du Oel Kind hör, ich preise meine Liebe
2
Die meine, deine und der Brüderschafft,
3
Vor ihre an dich angewandten Triebe,
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Vor ihren Blick der Gnade und der Krafft,
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Die Gnade macht dich weinen,
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Die Kräffte glühn und scheinen,
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Nun kommt das Oel dazu,
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Und will dein Ammt mit JEsu Christi seinen,
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Vereinigen, damit es Wunder thu.

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Der Heer-Fürst ist dein Mann, du Tochter GOttes,
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Wir haben billig Lieb und Furcht vor dich,
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Die Streiter tragen seinen Theil des Spottes,
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Die Braut zeigt ihren Blut- und Salbung-Strich,
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Der Freund, der ihr gewogen,
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Hat ihr den Strich gezogen,
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Indem er sie umfaßt,
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Indem sie an der Mutter-Brust gesogen,
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In dem ihr Hertz und Seines eingepaßt.

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Was soll ich dir zu deinem Tage sagen,
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Es wird mir schwer, die Worte fehlen mir,
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Denn erstlich weiß ichs nicht so vorzutragen,
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Als ichs in meinem Hertzen drinne spür.
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Zum andern, o du Dirne
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Mit der gesalbten Stirne!
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Wir sind bey nahe eins.
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Wir wachen beyde über Zions Thürne,
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Bald führest du mein Amt, bald führ ich deins.

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Nach dieser Pflicht und anbefohlnen Gnade,
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Geliebte Schwester, so ermahn ich dich,
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Zu wandeln auf dem gleichgemachten Pfade,
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Dem Haupt und der Gemeine würdiglich,
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Und keine Krafft zu spahren,
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Ob du gleich nach den Jahren
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Kaum Jünglings-mäßig bist,
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Da du gebohren warsdt
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Was Fleisch und Blut des Menschen Sohnes ist.

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Du köntest billig mehr von mir begehren,
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Als du biß jetzo noch an mir gesehn,
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Weil meine Tage schon so lange währen,
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Und mir so manche Gnade schon geschehn,
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Doch der mein Hertze kennet,
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Und mich zum Knecht ernennet,
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Der weiß wie schwer es geht,
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Und wie hingegen er mit dir gerennet,
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Und dich schon lange an sein Creutz erhöht.

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So gehe denn in dieser selgen Führung
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Das künfftge Jahr mit grossen Schritten fort,
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Erfahre seine wesentliche Rührung,
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Und blicke manchmahl nach dem Ruhe-Port,
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Doch laß es bey den Blicken,
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Und fleißigem Beschicken
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Der oberen Gemein,
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Du aber must dich nicht vom Ort verrücken,
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Und froh, und arbeitsam, und innig seyn.

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Wenn du einmahl wirst ausgewürcket haben,
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So wirst du zeit genug im Schooße ruhn,
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Das ist der Zweck von unsern Zeugen-Gaben,
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Daß wir, weils Tag ist, etwas sollen thun,
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Nun bete du:
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Hier ist mein Mardachai
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Und ich bin deine Magd,
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Wir wollens machen wie dein Knecht vor Ai,
63
Mach du es wie dein Knecht zu Gilgal sagt.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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