CxXI. Neu-Jahrs-Gedancken

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: CxXI. Neu-Jahrs-Gedancken (1735)

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Für uns gesalbtes Haupt,
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Für uns gezeugter Saame,
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Für uns genannter Nahme,
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Für jeden, der es glaubt:
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Du siehst vor deinen Thronen,
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Wo Majestäten wohnen;
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Du siehst diß kleine Heer.
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Ach! wenns das Grosse wär.

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Wir leben ja darum,
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Daß wir dem JEsu leben,
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Der sich für uns gegeben,
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Wir suchen um und um
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Jm Großen wie im Kleinen,
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Es treu mit Jhm zu meynen:
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Wir suchens: Aber ach!
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Das ist noch nicht die Sach.

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Dich lieben, lieber GOtt!
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Das ist zur Pflicht geworden
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Bey dem gefallnen Orden,
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Herr, dir und uns zum Spott.
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Dich lieben, dich umfassen,
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Sich deinen Händen lassen,
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War erst der Creatur
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Pur lautere Natur.

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Wir haben abermahl,
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Du Alter ausser Jahren,
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Ein Jahr daher erfahren
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Den Trieb der Gnaden-Wahl,
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Sie läst ihr Werck nicht schänden:
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Und wers nicht sehen kan,
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Der ist ein blinder Mann.

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Ja, Amen! du hast recht,
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Dein Ja ist Ja geblieben,
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Und Herrnhuth ist beklieben,
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Dein eigenes Geschlecht:
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Dein Nein wird Nein bedeuten,
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Durch alle Ewigkeiten.
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Sprichst du zu etwas Nein,
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Das fall uns nimmer ein.

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Wer ist nun noch bey GOtt?
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Jhr Brüder, wer kans sagen?
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Doch ists auch noth zu fragen?
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Solt ein gerechter Loth
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In Sodoms Sünden-Mauren
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Bey seinem GOtte dauren,
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Und wir bey Salems Schein
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Der Liebe untreu seyn.

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O nein! in unsrer Schul
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Lernt man zu Christi Füssen
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Von Gnad auf Treue schliessen,
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Vom Kampff auff Christi Stuhl,
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Wir lernen uns verkennen,
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Wir lernen JEsum nennen,
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Und jedes Wort das hafft,
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Und wird zu Geist und Krafft.

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Erscheine, grosser Freund!
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In deiner Creutz-Gemeine,
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In Herrlichkeit erscheine:
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Errette manchen Feind
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Zu diesen Gnaden-Stunden
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Jm Steinritz deiner Wunden,
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Biß er mit uns zugleich
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Liebt die Gedult am Reich.

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Uns aber segne du
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Mit einem neuen Seegen
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Auff unsern Gnaden-Wegen:
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Gieb der Gemeine Ruh,
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Den Aeltsten Liebes-Blicke,
69
Den Würckenden Geschicke,
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Den Wanderern ein Dach,
71
Den Müden dein Gemach.

72
Gieb Männern Muth zum Streit,
73
Den Weibern Sabbaths-Stille,
74
Den Wittwen deine Hülle,
75
Den Jungfraun Heiligkeit,
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Den Junggesellen Beugung,
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Den Schülern neue Zeugung,
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Sey unsrer Lämmer Hirt,
79
Und unsrer Gäste Wirth.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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