CxI. Neu-Jahrs Gedancken über des Hey- lands Nahmen

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: CxI. Neu-Jahrs Gedancken über des Hey- lands Nahmen (1735)

1
Brüder, last uns Jhn erheben,
2
Den ihr ohne Nahmen kennt;
3
Aber er muß selber geben,
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Wie man Jhn am besten nennt.

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Nahme über alle Nahmen!
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Unsre Knie beugen sich.
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Gieb uns, wesentliches Amen,
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Dir zu knien würdiglich.

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Gott! du unbeschriebnes Wesen,
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Bliebst verschwiegen fort und fort,
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Niemand hätte was gelesen
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Von dir ohne

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Erstgeburt der Creaturen!
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Fang in uns zu leben an.
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Schaff, o
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Uns zum Werck in GOtt gethan.

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Mensch, du einger Mensch in Gnaden,
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Mache uns zu dir ein Hertz:

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Bild des unsichtbaren GOttes,
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Mach uns deinem Bilde gleich,
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Mach uns hart, wir sind zu weich.

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Vater derer Ewigkeiten,
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Baue uns ein bleibend Hauß,
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Kauffe uns die Stunden aus.

25
Kind, in deine Wiegen-Bande
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Wickle unsre Großheit ein,
27
Und laß sie zur ew’gen Schande
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Vor dir aufgehencket seyn.

29
Saame, fall ins Hertzens Höhlen,
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Wenn sie recht erwärmet seyn,
31
Zur Empfängniß vieler Seelen,
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Fruchtbar und empfindlich ein.

33
Laß dich inniglich umfangen,
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Theure
35
Dein
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Zieht die Seelen ohne Zahl.

37
Schönster, deiner Augen Blitzen
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Schmeltzt die Unempfindlichkeit,
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Unsre Armuth gehet weit.

40
Guter
41
Jmmerdar ein leises Ohr,
42
Und bring alle unsre Plagen
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Deinem GOtt beweglich vor.

44
Führst du gleich das Steuer-Ruder
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Der gestirnten Monarchie,
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Bist du dennoch unser
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Fleisch und Blut verkennt sich nie.

48
Wärst du nicht, du liebe
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Was du bist, du würdst es erst.
50
Liebe riß dich noch vom Stuhle,
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Weil du unter uns gehörst.

52
Hat sich nicht dein Hertz betrübet,
53
Als es schien, du kämst ums
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Denn du warst darein verliebet
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Treuer als kein

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Nun du dann mit blutgen Kämpfen
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Unsre Seel erstritten hast,
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Soll den Lobes-Schall nichts dämpffen,
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Keine inn-noch äußre Last.

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Aufgestiegnes
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Wer versetzet uns in dich,
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Uberfüllt uns mildiglich.

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Süsser
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Deiner Wurtzel übergehn,
65
Und in uns als Reben Kräffte
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Von der künfftgen Welt entstehn.

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Myrrhen Büschel, bleibe hangen
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In der aufgethanen Brust,
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Und mach unserm Haupt und Wangen
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Deine Bitterkeit zur Lust.

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Bäum des Lebens, laß uns schmecken
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Deiner
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Und uns den Geschmack erwecken
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Aus der Hingesunckenheit.

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Bild der Unverweßlichkeiten,
76
Unumspannter
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Sey uns Kirchen-Zimmerleuten
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Gut vor allen Wurm und Schwamm.

79
Liege unsern Geists-Pallästen
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Da zum
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Sey der
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Ohne den noch nichts bestund.

83
Wärst du nur auch selbst der
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Da man anzubeten käm,
85
Und des
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Der dem Vater angenehm.

87
Wenn wir uns zum Opffer stellen,
88
So sey du der
89
Sey die
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Und mach alles licht und klar.

91
In die unersenckten Gründe
92
Eingeworffnes
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Du erklaffterst alle Schlünde,
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Werde deinem Schiff zum

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Sonne, leuchte deinem düstern
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Und verschlaffnen armen Volck,
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Werd ihm unter den Philistern,
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Nachts zum

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Hundertfach
100
Unsre Siege zieren dich,
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Dich, den Blut-besprützten Reuter,
102
Ritterlich, ja königlich.

103
Wagenburg vor unsre Rüstung,
104
Drinnen unsre Seele hangt,
105
Du bist eine Wehr- und Brüstung,
106
Die mit tausend Schilden prangt.

107
Schutz, umzingle unsre Mauren,

108
Siegs-Schwerdt, haue alle Kräffte
109
Finstrer Geisterschafft entzwey,
110
Und brich durch zum Lichts-Geschäffte,
111
Biß des Kriegs ein Ende sey.

112
Zeuch einher zum Dienst der Wahrheit,
113
Als ein
114
Dessen Weißheit, Krafft und Klarheit
115
Stehen bleibt wenn alles fällt.

116
Rath uns, die wir irre gehen,
117
Niemahls
118
Und damit wir wohl bestehen,
119
Unterstütz es mit der That.

120
Wir mißgönnen auf der Reise
121
Jsrael sein Manna nicht,
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Wenn nur uns die Geister-Speise,

123
Schneller
124
Steig hernieder aus der Höh,
125
Uber die Crystallne See.

126
Aber, weil du auch so niedrig,
127
Als du hoch erhaben bist,
128
Gieng es dir vor dem so widrig
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Als es uns gegangen ist.

130
Denn der Feinde Mörder-Hände
131
Haben sich an dich gemacht,
132
Dich gleich einem

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Ernste Glut der Tauben-Augen,
134
Dring in unsre Augen ein,
135
Daß sie nichts zu sehen taugen,
136
Als was dir gerecht mag seyn.

137
Kämpffender und nach der Ruhe
138
Nun um so viel muntrer
139
Lege dich daher und thue
140
Wunder, und beweise Treu.

141
Zieh an uns, sind wir doch Knaben,
142
Und hilff unserm Unverstand,
143
Wenn wir Unflath an uns haben,

144
Kommst du denn, uns ab zuschweiffen,
145
Und das Wasser thut nicht gut,
146
Werde uns zur
147
Ja, ists noth, zur

148
Freund und Schmeltzer, du thust treulich,
149
Und probirst das Gold zur Cron,
150
Denn so bald wir rein und heilig
151
Wirst du gerne unser

152
Menschen-Freund, du bist so brünstig,
153
Laß uns wieder hertzlich seyn,
154
Und nimm uns ins Hauß hinein.

155
Haupt, regiere deine Hütte, Hüter, mache, daß wir ruhn, Meister, lehr uns grosse Schritte
156
Loß auf die Vollendung thun.

157
Lehrer, laß es uns erreichen.
158
Daß dein Zeugniß Wahrheit ist,
159
Und dem
160
Der vor andre sich vergißt.

161
Werde unsrer Thür zum
162
Gegen allen fremden Schwarm,
163
Und ein unauflößlich
164
Auf der Brust und auf dem Arm.

165
Richte unser Hertz in Zeiten,
166
Eh du unser
167
Und sey in den Ewigkeiten
168
Unser wohlgewogner

169
Hast du können der
170
Deiner argen Feinde seyn,
171
Bleibst du wohl ein treuer
172
Deiner eigenen Gemein.

173
Sey du
174
Du der
175
Du der
176
Du

177
Gnaden-Stuhl, gieb einen Regen, Krafft-Gesalbter, theile aus, An 1733.
178
An das Creutz geheffter
179
Uberschatte unser Hauß.

180
Salomo, dein Zepter-Stecken
181
Winck uns gnädiglich herbey,
182
Mach uns von der Sünde frey.

183
Hochgebohrner
184
Heilger Fürst,
185
Trage alle unsre Nahmen
186
Auf dem Hohen-Priester-Blech.

187
Du von Millionen Wagen
188
In die
189
Und zu deinem Stuhl
190
Und zur Krafft

191
Hier blieb mir die Zunge kleben,
192
Weil sie noch nicht himmlisch war,
193
JeSUS,
194
Welch ein Nahme!

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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