XcIX. Die zweyte Wach ums Bette Salo- mo, die Liebes-Helden

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XcIX. Die zweyte Wach ums Bette Salo- mo, die Liebes-Helden (1735)

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So ruhe denn, du zartes Hertz,
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In JEsu tieff versunckner Liebe:
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Es ist ein widerlicher Schmertz
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Zu leben ohne Liebes-Triebe.
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Er weiß ja, daß er mich vermag,
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Kan eine treue Seele sagen,
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Ob er sich gleich bey ihr beklag,
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Un
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Mein Heyland, hindre nur,
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Daß wir nicht auf die Spur
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Der leeren Phantasey gerathen,
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Wo man von Liebe spricht
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Bey einem falschen Licht,
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Und

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Was tauget aber unversucht!
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Drum finden eckelhaffte Seelen
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Kein wahres Wesen an der Frucht,
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Darnach sich
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Wer Christum eins geschmecket hat,
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Der kan ihn
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Ey
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Und hält uns auf dem Ruhe-Küssen
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So manchen süssen Safft
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Zum Munde (sonder Krafft)
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Da meynen wir uns satt zu lecken;
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Ach! aber was gedeyt
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Der faulen Lüsternheit?
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Nach Arbeit läst sichs besser schmecken.

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Darum
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In reinem Liebes-Eifer Flammen,
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Jhr gantzes Inneres das wallt
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Dem Bräutgam zu, das treibt zusammen.
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Wenns nun dem Feinde nicht gelingt,
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Uns
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Der Freund zu feurig an uns dringt,
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Und in zu lieblichen Gestalten;
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So pflegt er dann aus List,
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Wenn man erwecket ist,
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Ein Feur
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Das nicht bestehen kan,
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Weil ein geheimer Bann
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Der Eigenheit darinn zu finden.

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Jm Eifer geht die
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Die
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Sie eilet fort im Glaubens-Lauff,
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Wenns nun der Feind nicht hindern kan;
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So führt er solche treue Hertzen
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Auf eine
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Und
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Da geht ihr muntrer Sinn
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Zu Neben-Sachen hin,
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Und mühet sich daselbst vergeblich,
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Die andern
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Bald scheint die Pflicht zu
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Der Untreu,

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Wer rechte Treu beweisen will,
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Der muß auf Christi
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Die Liebe macht die Seele still,
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Den Laut der
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Allein, der Feind bemühet sich,
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Daß er den Seelen-Trieb verführe,
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Damit der Regung zarter Strich
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Das innere Gefühl nicht rühre;
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Sie wird ins Weite bracht,
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Und hat auf nichts mehr Acht;
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Geht das nicht, kan er Bilder mahlen,
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Dahin die Seele schielt,
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Und wenn sie Gnade fühlt,
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Vergafft sie sich in schönen Strahlen.

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Ein kurtzer Unterricht des Lichts
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Bey einer Seele, die sich fühlet,
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Macht klar, daß eine Seele nichts,
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Und daß die Gnade mit ihr spielet,
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Wenn sie ihr ein gut Zeugniß gibt.
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Kan nun der Feind das nicht erzwingen,
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Daß man sich in sich selbst verliebt,
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Und spiegelt sich in Neben-Dingen;
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So sieht er wie ers macht,
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Daß man sich selbst veracht,
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Nicht ausser Christo (wie es billig)
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Nein, sondern bey der Krafft,
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Die JEsus in uns schafft,
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Das Fleisch ist schwach, der Geist nicht willig.

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Damit die linde Gütigkeit
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Ein Haupt-Held in den Liebes-Sachen,
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Der Seele nicht Gelegenheit
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Zu treuen Wollen möge machen,
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Dient uns mit solcher Hertz-Bewegung,
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Daß ihn nicht lieben grausam scheint;)
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So härtet er der Seelen-Regung
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Daß sie nicht sieht noch fühlt,
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Nicht warm wird, noch verkühlt,
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Und etwas steinernes zu nennen,
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Versieht er sich hiebey,
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Verändert er die Treu
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Des Ringens in ein läppsches Flennen.

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Die Liebe giebt Gelegenheit,
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Weil wir so Noth als Gnade fühlen,
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Zur innigsten Barmhertzigkeit,
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Vor alle unsre Mit-Gefpielen.
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Kan nun der Feind der Brüder Noth,
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Nicht gar aus unsern Augen rücken,
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Es jammert uns der Seelen Tod,
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Und suchen Dürftge zu erqvicken;
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So kehrt ers wieder um,
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Daß unser Christenthum
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Sich in die Heuchel-Liebe setzet,
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Und zärtlet jederman,
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Das eins verderben kan,
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Eh man die Höflichkeit verletzet.

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Die eigne und der Brüder-Qvaal
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Hat uns so tief hinein geführet,
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Daß wir in diesem Jammerthal,
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Auch selbst der Feinde Pfad gespühret,
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Und über ihrem böse thun,
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In sanfften Sinn verharren können.
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Da reitzet uns die Sünde nun,
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Zu erst in Rache zu entbrennen,
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Wenn man uns was gethan;
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Und wenn sie das nicht kan,
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So wandelt sie den Grund der Ruhe,
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Daß man aus Furcht vergiebt,
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Damit wer uns geübt,
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Uns nicht noch etwas Aergers thue.

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Das Braut-Hertz kehrt in sich zurück,
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Und sieht sich vor bey seiner Liebe,
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Daß ja nicht durch des Feindes Tück,
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Was Fremdes an ihr hangen bliebe.
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Es heißt: Das Hertz bewahret sich,
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Vor allen Fleisch- und Augen-Lüsten,
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Die uns die Feinde listiglich
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Zur Schau und Kost entgegen rüsten.
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Allein nun ist es Zeit
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Auf die Unleidlichkeit
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Zu mercken, die sich so verkeidet,
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Biß sie nach ihrer Art,
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Wenn man sich nicht bewahrt,
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Uns Bös’ und Guts zugleich verleidet.

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Die Reinigkeit, das seelge Loß
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Der allerinnigsten Genossen,
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Ins Bräutgams reinem Liebes-Schooß,
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Entweicht der Sünde unverdrossen.
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Hat nun der Feind der Heiligkeit
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Nicht gnug gefährliche Gestalten
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In seiner Werckstat zubereit,
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Zum Aergerniß ihr vorzuhalten;
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So braucht er diese List,
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Daß sich der Mensch vermißt,
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Nichts mit den Blicken anzurühren
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Was noch so nöthig thut,
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Darüber wir den Muth.
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Zu aller unsrer Pflicht verlieren.

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Die Treue will, daß was man hat
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Mit Vorsatz hingegeben werde,
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Und daß man Christi Hertzens-Stadt
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Erwehl vor Himmel und vor Erde.
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Geräth es nun der Sünde nicht,
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Daß sie uns an uns selber heffte,
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An unser eignes Tugend-Licht,
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An unsre Ruh, an unsre Kräffte;
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So öffnet sie das Thor
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Vor Aug, und Hertz, und Ohr,
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Daß alle auch die guten Sachen,
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Uns aus dem Sinne gehn,
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Und wir nicht mehr verstehn,
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Wovon man sich soll ledig machen.

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Die Liebe will das Hertze gantz,
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Da muß man nicht nur alles missen.
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Denn spricht sichs erst vom Sieges-Crantz,
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Wenn wir das rauhe Creutze küssen,
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Und allen Schmertz, und alle Noth,
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In unsre offne Arme fassen,
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Und allem was zu Christi Tod
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Noch mitgehört uns überlassen.
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Wenn nun das Hertz durch List
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Nicht zu bereden ist
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Von Ausbedingen was zu sagen;
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Macht Er die Wege breit,
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Daß sich die Seelen weit
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Heraus aus ihrem Ziele wagen.

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Die Seele soll recht innig seyn,
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Und an den Liebes-Brüsten trincken;
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Sie soll zugleich der Lust und Pein,
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In eine sanffte Still entsincken,
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Wenn nun der Feind nicht machen kan,
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Daß wir uns an den schnöden Laffen,
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Die er dem schönsten Seelen-Mann
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Entgegen stellen kan, vergassen;
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So braucht er seine Macht,
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Wo möglich eine Nacht
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Vor unser Augen-Licht zu ziehen,
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Daß wir den Freund nicht sehn,
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Wie gut er ist, wie schön,
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Und uns mit düstern Schatten mühen.

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Wenn ihm nun alles mißgelingt,
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Uns von der Gnade abzuwehren,
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Zum unersättlichen Begehren,
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Worinnen sich ein Mensch bemüht,
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Biß daß ihm alle Lust vergangen,
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Und aus ermüdetem Gemüth,
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Nunmehr läßt Händ und Füße hangen,)
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So siegt der Helden-Krafft
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In Christi Riitterschafft,
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So sinckt schon in der Leibes-Höle
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Das Hertz in tiefe Ruh,
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Und thut die Sinnen zu,
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Vor reiner Wollust seiner Seele.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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