XcI. Auf des Mannes GOttes, Paul An- tonii zu Halle, Auflosung

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XcI. Auf des Mannes GOttes, Paul An- tonii zu Halle, Auflosung (1735)

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Vater! Paulus Antonius, Theol. D. P. P. O. und Inspector des Saal-Creyses, war ein gebohrner Ober-Lausitzer von Hirsch- felde bey Zittau, ein gantz ungemeiner Geist, der in der Kraft besessen, was so viele mystische Lehrer beschrieben haben. Seine von GOtt beschiedene Gabe war, nach- drücklich und kurtz zu reden. Er war ein sehr unpartheyi- scher Mann. Er lobte das Gute an denen, so er sonst nicht loben konte. ey wohin,
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Mit so sanftem Sinn?
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Zum Genuß der sieben Bitten,
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Und des Theils des Stamms,
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Und des gantzen Lamms.

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Heute geht mit mir
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Etwas Grosses für:
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Denn ein Theil von meiner Seele
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Zeucht dahin aus dieser Höhle;
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Aber wo dann hin?
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Wo ich auch schon bin.

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Wer beschreibt den Fleiß,
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Unbefleckter Greiß!
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Deinen Fleiß vor Christi Schule,
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Wider die vons Satans Stuhle?
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Wer dich recht gehört,
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Wurde tief gelehrt.

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Hätt’st du nichts gethan,
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Als der Glaubens Bahn,
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Unsers
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So natürlich abzudancken,
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Und so eigentlich;
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So besang ich dich.

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Fahre hin, o Licht!
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Dessen gleichen nicht!
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Licht, das nie umsonst geschienen,
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Fahre hin, dem Stuhl zu dienen,
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Wo der Fackeln Pracht
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In die Sonne lacht.

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Mosis Angesicht, (Und er wust es nicht,)
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Gläntzete biß zum Verblenden.
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Seiner Thaten, an:

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Paul Antonius,
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Dieser Uberfluß
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Der verheißnen Lebens-Wasser,
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Nach dem Zeugniß unsrer Hasser:
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Setzts in guten Stand.

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Kriegt er Widerspruch,
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Daß ja der Geruch
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Von in GOtt geschehnen Wercken,
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Allenthalben zu vermercken;
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Gab er bald zurück:
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Daß er Netze flick.

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Du beschreibest dich
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Unverbesserlich,
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Tausend Böses zu verriegeln,
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Tausend Gutes zu versiegeln,
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Das war deine Stärck,
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Und dein Tage-Werck.

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Ausgestreckte Hand!
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Die das Liebes-Band
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Mein und meiner Mitgenossen,
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Die im HErrn zusammen flossen,
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Vor die Liebe trug,
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Und zusammen schlug.

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Ich bewundre dich,
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Wie so meisterlich
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Du die Tiefen kontest deuten,
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Und zum rechten Sinne leiten;
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Und dein Finger-Zeig
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Uberzeugte gleich.

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Als ich dir zuletzt
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Sehnlich zugesetzt,
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Wie doch unsre Creutz-Gemeine
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Andern so bedencklich scheine,
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Die nur JEsum nennt.)

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Suchen sie die Spur,
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Gideons und seines Knaben,
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Midian im Schlaf begraben;
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Träumt vom Gersten-Brod,
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Das den Zelten droht.

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Als erinnert ward,
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In der Gegenwart
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Eines gar getreuen Zeugen,
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Soll man reden oder schweigen?
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Sprachst du,
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Man

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Sage deinen Sinn:
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Ist es auch Gewinn,
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Was in deinem Vaterlande
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Christus wirckt durch Ehr und Schande?
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Ich bin, sprachst du, Knecht,

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O so siegle zu
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In der stillen Ruh,
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Das Geschäfte unsrer Glieder,
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Und erkenne sie vor Brüder;
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Plötzlich hielt’st du Stand:

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Wer sich matt geredt,
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Den verlangt ins Bett,
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Und mich in die Felsen-Ritzen,
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Da die müden Tauben sitzen.
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Ja, ich eil der Ruh,

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Laß mir deinen Geist,
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Der so köstlich heist,
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Daß ich ohne Worte spreche,
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Daß ich ohne Sturm zerbreche,
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Daß ich Sorgen frey,
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Und doch sorgsam sey.

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Du warst ja gewohnt,
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Den, der droben thront
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Auch vor Könige zu fassen:
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Kaum, daß du den Platz verlassen,
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Oefnet seine Bahn
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König

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Sag ichs, oder nicht,
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Aufgefahrnes Licht!
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Daß wir deiner Seufzer Rauchen,
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Auch vor diese Seele brauchen;
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Ich verschone dich,
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Jesus höret mich.

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Drum gerade zu
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Auf die stoltze Ruh,
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Schlaf, nach unterbrochner Stille,
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Das ist GOttes guter Wille,
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Lieb, (es ist erlaubt,)
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Was an JEsum glaubt.

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König Christian,
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Gottes Unterthan,
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Der auch seine Last geladen,
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Lebe nun von GOttes Gnaden!
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Seine Majestät
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Wird ans Creutz erhöht.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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