LxXXIX. Als dem itzigen Cron-Printzen, Friedrich zu Dennemarck, sein Hofmeister von Söhlenthal zugeordnet ward

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxXXIX. Als dem itzigen Cron-Printzen, Friedrich zu Dennemarck, sein Hofmeister von Söhlenthal zugeordnet ward (1735)

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Printz! der erstgebohrne Sohn,
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Des unendlichen Monarchen,
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Sitzt zur rechten Hand im Thron,
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Und ist Noah von den Archen,
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Wo die Menschen vor den Stürmen
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Dieses Welt-Laufs sicher ruhn;
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Und sein Arm hat Macht zu schirmen
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Alle, die sich zu ihm thun.

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War er gleich ein Potentat,
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Der dem
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Der im hohen Wächter Rath,
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Von Geburt den Zepter führte;
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Doch beschloß der Herr und er,
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Daß der Erb-Herr aller Seelen
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Nirgends anders König wär,
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Als bey denen, die ihn

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Freude war ihm zugedacht;
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Aber ihm gefiel das Leiden;
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Und des ewgen Felsen Pracht
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Setzt er dran im Thal zu weyden.
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Was ein Mensch erfahren kan,
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Daß auch einen Stein bewegte,
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Nahm er alles auf und an,
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Biß man ihn aufs Creutze legte.

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Erb-Printz von der Crone Dan, (Der die Cronen von den Reichen,
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Seit den Kindern Canaan
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Alters halb die Segel streichen:)
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Allzu neu und allzu enge;
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Seiner Stimme schwächster Thon,
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Bringt den Abgrund ins Gedränge.

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Christian, des Königs Sohn,
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Träget seinen schönen Nahmen:
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Und sein Hertze regt sich schon
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Zu dem unbekannten Saamen
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Dieses Königs, seines Herrn;
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Seine Majestätsche Sonne
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Neigt sich vor dem Morgen-Stern
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Jener Weisen grosser Wonne.

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Friedrich, wilst du mit der Zeit,
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Wenn dein Vater Christi Kriege
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Ausgeführt zur Ewigkeit,
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Und so manch Gericht zum Siege,
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Wilst du sein Vollender seyn,
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Und am Tempel GOttes bauen?
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Soll die heilige Gemein
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Gottes Wunder an dir schauen?

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Dencke deiner Hoheit nicht,
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Setz die Majestät ins Dunckle:
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Aber in dem wahren Licht
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Neuer Zeugung, brenn und funckle.
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Liebe nicht die Herrlichkeit,
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Die ein Harpax nach kan machen,
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Wenn er nicht die Kosten scheut,
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Drüber oft die Diener lachen.

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Setze deinen tapfern Muth
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Nicht in Alexanders Thaten,
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Nicht in abgedrungnes Gut
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Deines Volcks und fremder Staaten.
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Solcher Herrschaft kommt uns für
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Als ein stoltzer Gang auf Steltzen:
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Jener, eh er so regier,
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Wolt er lieber Fässer weltzen.

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Drum du grosser Steuer-Mann,
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Daß dein Schif zum Hafen fahre,
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Nimm die weise Ordnung an,
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Der Pythagoräer Jahre.
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Spricht ein solcher Printz wie du,
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Wird ein iedes Wort erhoben;
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Nimmt er in der Stille zu,
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Wird das Werck den Meister loben.

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Fasse den gewissen Schluß,
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Und vielleicht ist er gefasset,
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Daß ein Weiser lieben muß,
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Was ein Thor am meisten hasset,
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Daß er nichts vor würdig hält,
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Jhm nur reiflich nachzudencken,
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Als was nach dem Sinn der Welt
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Um ein leichtes wegzuschencken.

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Such
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Dich vermuthlich schon gefunden,
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Deiner Eltern Hertz gebunden,
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Sag ihm ohne Aufenthalt:
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Jeglicher hat sein Gefallen,
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Aber ich will alsobald,
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Herr! auf deinen Wegen wallen.

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Königs Kind! ich weiß gewiß,
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Wenn dich dieser Meister führet,
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Und als
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Auch dereinst mit Cronen zieret:
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Wirst du deiner Dienerschaft
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Selbst zum Schauspiel dienen können,
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Aber auch mit Helden-Kraft,
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Alle Feinde GOttes trennen.

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Der der Esthern Kämmrer ist,
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Die zur Gottheit Lust-Spiel dienen,
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Dem du übergeben bist,
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Seit du auf der Welt erschienen,
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Sey dein
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Und der andre,
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Gebe seinem Winck Gehör,
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Und formire deine Triebe.

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Wachse nun,
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Zu des
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Zier des
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Sey der
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Deiner Tugend freue sich
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Und

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Werd ein solches leeres Nichts,
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Das der Schöpfer könne füllen:
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Denn es führt der Rath des Lichts
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Den unwandelbaren Willen,
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Seiner Füsse Schemel ziere;
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Was sich aber selbst vergißt,
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Jhm an Hertz und Augen rühre.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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