LxXXVII. Auf der Frau von Meußbach 81. Geburts-Tag

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxXXVII. Auf der Frau von Meußbach 81. Geburts-Tag (1735)

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So sehr ich sonst Natur und Stand
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Auf immer zu verläugnen trachte;
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Und was mir irgends anverwandt,
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Nicht anders als durch Christum achte:
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So schleunig wacht die Regung auf
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Die Meinigen im HErrn zu segnen,
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Wenn ihnen in dem Lebens-Lauf
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Besondre Schickungen begegnen.
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Mein Trieb wird aufgebracht, die allgemeine Macht
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In Glaubens Freyheit aufzubieten,

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All eine,
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Wenn ich von
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So, daß es iederman erbau,
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So, daß ich nichts verschweigen wolte,
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Wie fest die Tugend sonderlich,
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Die Tugend der Erbarmung stehet,
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Mit welcher sie so mildiglich,
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Und ungewöhnlich übergehet:
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So find ich zweyerley, das mir im Wege sey;
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Jhr eignes Demuths-volles
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Weil, was sie Gutes thut, all ein auf ihr beruht,

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Doch dieser Trieb ist nicht so leicht
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Bey danckbarn Hertzen zu bezähmen.
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Der ehemals davon gezeugt:
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Der hielt die Zungen auch im Zaum,
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Die seine Thaten wolten sagen;
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Sie machten sich nicht minder Raum,
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Es all enthalben auszutragen.
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Was ihr zu statten kömmt, was meine Zunge hemmt,
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Mit dero Lobspruch auszubrechen,
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Ist ihrer Wohlthat Hand, und daß ich ihr verwandt:

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So will ich denn, nach meiner Art
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Mit wenig Worten vieles deuten;
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Ich lobe den, der sie bewahrt:
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Ich denck’ an jene Ewigkeiten.
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Sie überlebt schon
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Das ist ein Zeichen von der Gnade,
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Das
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Und
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Wie wenig sind ihr gleich, wie viel in einem Reich?
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Wes ist hie Schrift und Bild? Des Königs, der vergilt,
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Bey dem ihr Wohlthun unverloschen.

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Was ist an einem solchen Fest
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Vorerst zu sagen und zu singen?
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Das uns der HErr erscheinen läst,
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Jhm Preiß und Herrlichkeit zu bringen?
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Was vor ein Wunsch wird überbracht,
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Und hätten gerne ausgemacht,
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Weil ihnen diese Welt beschwerlich?
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Weil doch die Ruhe-Zeit ein müdes Hertz erfreut,
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So sich am Scheitel drehn, am liebsten schmeltzen sehn,
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Damit der Geist in Friede fahre.

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Was wünscht man sich? (aus Eigennutz:)
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Und Wohlthat mächtiglich bewege.
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Was aber würde besser seyn
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Für die, so uns mit Gut beschütten?
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Zur Aufnahm in die ew'gen Hütten.
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Ich hemme meinen Sinn, ich geh’ zu JEsu hin,
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Damit wir in der Zeit der Bahn der Ewigkeit
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Mit unserm Geiste näher rücken.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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