LxXXV. Auf des Jenaischen Theologi, D. Buddei Hingang

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxXXV. Auf des Jenaischen Theologi, D. Buddei Hingang (1735)

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Fleuch, Vater! fleuch! die Stätte hält nicht Stand.
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Des Kedars-Zelt läst deinen Fuß nicht ruhen:
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Bemühe dich ihn hurtig auszuschuhen:
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Die Stätte, da man ruht, ist heilig Land.
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Komm,
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Egypten ist zurück, die Wüsten aus.

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Die Lection ist starck vor einen Mann,
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Der sich nicht gut in GOttes Wege schicket,
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Warum der HErr dich itzt dahin gerücket?
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Es war ja nicht mehr weit nach Canaan.
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Allein ich bin gewiß, der HErr hat recht:
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Spricht er zum Knechte:

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Jhr Hauffen, die ihr unsern König kennt,
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Läst Juda sich nach allen seinen Stämmen,
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Durch Asahel im Lauf auf einmal hemmen,
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Weil er sich ihres Hertzogs Bruder nennt;
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Gewiß! Jhr hört so bald nicht das Gethön:

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Du sehend Aug, auf Christi Creutz gericht,
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Geöfnet und verklährt im Niederknien,
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Du am Altar vom heissen Kohlen sprühen,
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Gerührt, geheiligt, und entflammtes Licht!
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Dein Demuths-Blick gewann der Liebe Sinn,
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Der Rücken bückte sich zum Creutze hin.

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Wer um den Unterschied der Glieder weiß,
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Die sich an Christi Leibe brauchen lassen,
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Der kan dich bald in gröster Liebe fassen.
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Die Treu in deinem Theil treibt ihren Schweiß:
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Und daß du mit an Christi Creutz gehört’st,
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Zeigt, was du aus dem Hertzen schriebst und lehrt’st.

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Jhr alle, die ihr von ihm hergestammt,
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Auf!
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Auf! auf! Jhr Streiter in des HErren Kriege,
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Erkennet dieses eures Fürsten Amt.
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Jhr, die ihr Babel schleiffen
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Wann ihr nur Hirten-Knaben werden wolt!

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Hat nicht
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An einem Ort ein doppelt Gut vereinet,
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Das dieser Zeit kaum zu verbinden scheinet,
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Die so gar wenig Guts bey sammen kennt;
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Den Ruhm der orthodoxen Reinigkeit,
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Das Zeugniß, daß die Kirch um Beßrung schreyt.

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Das eben ists, was mich mit ihm verband,
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Der ich gantz kein Geheimniß daraus mache,
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Daß eine Kirch-Verwandlung keine Sache,
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Denn ohne Glieder hat sie nicht Bestand;
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Daß aber auch in ieglicher Gemein
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Ein Muster von der Kirche solte seyn.

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Wenn ein Student den Kopf mit Bildern füllt,
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Wie eine Kirchen-Republic zu tichten,
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Und will dereinst sein Kirchspiel darnach richten,
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Ists eben wie mit Doctor Luthers Bild:
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Doch wehe dem, der davon nichts versteht,
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Was mitten im Verderben gleichwol geht.

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Wer
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Nun hat uns Doctor
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Und zwar im Büchlein, das die Kinder fassen,
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Daß dieses erst die rechte Kirche sey:
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Und wo sich auch das Volck dadurch bekehrt.

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Die Lehre halt ich über Hof und Hauß.
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Zwar wagts die Welt mit unsers Meisters Lehren,
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Sie ihn und her zu wenden und zu kehren;
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Wo aber
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Und bleibet sie, (wie billig,) ewig wahr,
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Was fehlt uns noch am Attischen Altar?

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Der
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Er hofte zwar, es solte sich noch geben,
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Es würde sich die Hütte GOttes heben,
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Zu der er sein Geschenck mit dargereicht.
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Doch, langes Thun, und eine kurtze Zeit,
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Erfordert bey dem Fleiß Geschwindigkeit.

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Und hielte gleich des Mannes kluger Geist
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Nicht allzuviel auf weit-gesuchte Dinge,
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Damits dem Reich des HErrn nicht mißgelinge,
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So bleibt doch mir bey allem Sonnen-klar,
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Daß er des Reichs der Kraft Gehülffe war.

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Ein grosser Mann erfordert sonderlich
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Den Ursprung aller Sachen auszufragen;
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Ist diß, so kan man wohl mit Wahrheit sagen,
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Daß dieser nicht mehr einem Neuling glich:
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Denn
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So wird auch schon der Selige sein Zweck.

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In
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Um
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Er gab ihm was von den gelehrten Briefen,
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Da war ein Satz von Plato angeregt,
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Und Zweiffels-frey gehörig widerlegt.

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Herr
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Wie daß in GOtt kein Intellect vorhanden,
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Er werde auch von gar niemand verstanden,
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Recht! dieses hat auf hohen Schulen Platz,
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Spricht
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Buddeus denckt, daß ihn der Donner streift.

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Er eilt zurück nach seinem Saal-Athen,
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Läuft aber gleich dem
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Der in der Zeit dem Bräutigam gewogen,
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Sich Mühe gab ihm Seelen zu bestehn;
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Und als er auch von dar nach Coburg wich,
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Rief

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Ein so gehetzt und umgetriebnes Reh
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Sucht Ruh und Rast, und eine Wasser-Quelle.
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In Halle war das Wasser gut und helle.
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Das Gnaden-Licht entdeckt ihm diese Höh,
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Da ward sein Geist von einem Mann erquickt,
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Der immer denckt, daß er nur Netze flickt.

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Hier brach er aus, und zeigte munter an,
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Er mache sich nunmehr das Creutz zur Ehre,
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Drum brachte er der Böhmen Märtrer Heere,
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Und ihre Zucht, gleich Luthern, auf die Bahn.
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Er sagte frey: So
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Und

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So gehe, sprach der heilge Wächter Rath,
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Und thue nun an deinem Ort deßgleichen,
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Nach Jena hin: Du wirst den Zweck erreichen,
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Du wünschest viel, bereite dich zur That.
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Du kömmst zurecht; denn der getreue
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Ist bald vorbey: Nimm seinen Dienst und Sold.

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Buddeus trat, auf seines Meisters Wort,
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In Jena auf, und zeugte vom Catheder,
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Der
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Nur band er sich an keine Zeit und Ort:
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Und da er sah’, man wäre seiner satt,
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So gieng er dann in eine andre Stadt.

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Buddeus blieb des Himmel-Reichs Agent
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Bey einem Volck, dem unsers Königs Fahnen
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Nicht anders sind, als Feindes Unterthanen,
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Da ist man gern nicht sonderlich gekennt,
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Man öfnet sich den Wohlgesinnten bloß,
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Und würckt indeß aufs Königs Nutzen loß.

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Hört
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Herr
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Den dritten Mann kan uns Herr
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Die lieben:
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Die zeugen ja dem

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Wer giebet doch den Thoren Unterricht,
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Ich meyne hier dieselbigen Gelehrten,
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Die Christi Stuhl gern überall zerstöhrten,
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Und krümmen ihm doch keinen Nagel nicht;
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Daß ihre Einigkeit sich gerne zanckt,
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Und unsre sich des Widerspruchs bedanckt.

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Begreift ihrs nicht, ihr Academici!
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Jhr, da der Spruch des Plato eingetroffen,
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Daß ich noch was kan von
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Ja, daß ich ihn nicht ins Gerichte zieh,
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Noch mehr! daß mich des Mannes Tüchtigkeit,
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Am Dienst des HErrn, noch diesen Tag erfreut.

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So sag ich euch vor dem, der alles kennt,
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Ich kan ihn nicht aus meinem Hertzen schliessen,
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Mich kan es nur allein auf die verdriessen,
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Die mein getreuer Heyland Feinde nennt.
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Blieb Petro nicht der Apostolsche Grund,
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Ob Paulus ihm; Er Paulo widerstund?

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Der Richter-Spruch war zwar nicht wohl gefällt,
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Der, was vom
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In einer Schrift zur Nachbarschaft verdammte:
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Allein, es sey der Liebe heimgestellt.
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Sein Nahm ist da; Ich kenne seinen Sinn,
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Sein letzter Brief

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Geh hin, du Knecht des HErrn in deiner Art
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Darinnen du nicht deines gleichen hattest!
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Geh hin! daß du dich mit den Seelen gattest,
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Vor welche du ein treues Hertz bewahrt!
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Ich weiß, wenn einst mein Geist zu Ruhe zieht,
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Daß ihn dein Hertz mit Freuden kommen sieht!

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Du aber steh,
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Ich meyne dich,
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Dein Grund ist auch der Bau-Herr deiner Steine,
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Laß sehen! wen du bey dir drinnen hast,
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Denn fällst du hin, so spricht man: Das war Bel,
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Und stehest du: Hier ist Jmmanuel!

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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