LxXV. Auf der Gräfin Louyse zu Solms Heimhohlung

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxXV. Auf der Gräfin Louyse zu Solms Heimhohlung (1735)

1
Die kleine Müh, das kurtze Streiten, bringt unaus- sprechlich süsse Ruh,
2
Die tiefste GOttes Heimlichkeiten aus Zion fliessen de- nen zu,
3
Die aller Dinge sich enthalten, auch nicht das Kleinste rühren an:
4
Läst man den Bräutigam nur walten, so sieht man, was die Liebe kan.

5
Die Liebe crönt des Lamms Jungfrauen, und führt sie vor des Vaters Thron,
6
Den nur ein reines Hertz darf schauen, die Liebe wird der Keuschheit Lohn.
7
Mir ists so neulich als von gestern. Jüngst tratest du in unser

8
Kaum, daß uns dein Gesicht erschienen, kaum daß dein Glaub
9
Die wir des Königs Willen dienen, (doch leider! noch nicht
10
So ward es wieder weggenommen,
11
In Bielitz auch zur Ruhe kommen. So wolte GOtt! so ists ge-

12
Wir sitzen gleich beym Abend-Essen,
13
Lonyse ist uns unvergessen, was kan uns angenehmer seyn?
14
Kommt zu uns, schreibst du, liebe Kinder! kan ich nicht kommen, so kommt ihr,
15
Der Liebe, meinem Uberwinder, ist auch das Bielitzer Revier.

16
Ich kan nicht mehr, so gern ich schriebe; so schlossest du das theure Blat, Gnug, daß mein Hertz euch in die Liebe die mich besitzt, ergeben hat.
17
Ich lieb euch aller End und Orten mit Schwesterlicher Zärtlichkeit.
18
Dein Vater endigt mit den Worten:

19
So ists! wir spielen mit dem Sterben. Die Hütte ist bald
20
Wenn nur das sündliche Verderben die Seele nicht mehr nie-
21
Bey täglich ausgestandnem Tode, hats mit dem Tode keine
22
Nach Josua und Calebs Mode frißt ihn ein GOttes-Mensch

23
Mein Hirt! wie komm ich doch hinüber. Das ist der Helden Glaubens-Wort,
24
Kaum ists geredt, so sind sie drüber. So gehts durchs gantze
25
Gewiß! wenn einem bey dem Schmertze die Zeit und Weile
26
So wird ihm gantz geraum ums Hertze, wenn er in eine Ohn-

27
So dachten wir, indem wir lasen:
28
Uns war zum Abendmahl geblasen, ihr zur

29
Verklärte! hier hat dein Geschwister gar hertzlich über dir gethan.
30
In unsrer Redlichen Register stehst du gewiß mit oben an.
31
Drum was ich,
32
Nach dieser Zeitung aufgeworffen, war

33
Ein theurer Knecht der grossen Liebe, ein Bild von Christi
34
Der grosse Mann, der, weil er lebte, auch die
35
Ein Jünger, der an JEsu klebte, der machte ihr den HErrn

36
Sein erster Antrag war nicht glücklich. Er warb sie vor den
37
Das dauchte ihr gar ungeschicklich. Die Niedrigkeit ist uns
38
So lang wir mit geborgten Federn, der unvernünftgen Stan-
39
Uns annoch suchen aufzublädern; so grauet uns für solcher Eh.

40
Der Werber sagte: Sie muß wissen, mein Principal ist auch ein
41
Die Liebe hat ihn hergerissen, ihn hat nach unserm Heyl gedürst.
42
Drum must er alle Hoheit meiden, itzt prangt er in der Herr-
43
Das mochte die Comtesse leiden, doch bliebs bey Worten noch

44
In mehrern Jahren kam er wieder, der Mann, der um die
45
Will sie, so sprach er, mit ihm ziehen. Jtzt ruhte Elieser nicht, 1. B. Mos. 14, 33. Louyse konte nicht entfliehen. Man weiß, wie JEsus See- len kriegt.

46
So giengs der Solmsischen Comtessen, die eine Erstgebohrne
47
Gleich andern, die sich selbst vergessen, und scheun nicht Schan-
48
Denn der Durchbrecher aller Klippen, drang vor ihr hin zu
49
Und in der Arche seiner Krippen durchschifte sie das wilde

50
Sie wuste nichts von Neben-Wegen. Es leben ja die Zeu-
51
Die sie gesehn, sich niederlegen, ans Creutz und unter JEsu
52
Nachdem sie alle Welt gewogen, und sie zu leicht befunden
53
So ist sie Christo nachgezogen durchs Jammerthal zur GOttes

54
Wie Paulus dort zu sagen wuste: Die Briefe hätten Geistes
55
Das wars, was man bekennen muste, so bald man etwas von
56
Viel Briefe werden aufgesammlet, und durch den Druck ge-
57
Die gegen ihren nur gestammlet,

58
Wer ihre Führung recht erweget, wie lieb ihr
59
Wie sie der Mutter so gepfleget; dem stellet sie ein Mu- ster dar
60
Von Seelen, die die Tieffe gründen, und doch den Anstoß
61
Den mehrentheils die andern finden, so gern ein heilig Leben

62
Nun,
63
Die Treue JEsu, die erfährst du; Vor unsern Reden wirst
64
Wir ruffen dir nicht deinetwegen, allein um andrer willen nach:

65
Du mühtest dich, bevor du ruhtest, drum thut dir nun der
66
Was Wunder! daß du itzt nicht blutest, du kämpftest ehmals
67
Petroni, Seneca,

68
Doch mag ein ungedrungner Treiber auch dasmal nach Ge-
69
Der letzten Reden JEsu Schreiber kan in so schönem Gleis
70
Jhr Jungfern, die ihr gleiche Fahne mit seliger
71
Hört, Caroline, Bibiane,

72
Jhr solt, so lieb euch eure Seelen, dem Bräutigam nicht un-
73
Jhr solt ihm eurer Tempel Hölen zugleich mit Leib und Seele
74
Jhr solt die Lust der Welt verleugnen, wir geben euch die Hän-
75
So wird euch GOttes Lamm bezeichnen, so ruhet ihr nach

76
Die ihr der Seligen Verwandte, und Vater oder Mutter seyd,
77
Geschwister oder sonst Bekandte, ermahnet euch zum Glau-
78
Jhr gantzes Hauß entsagt dem Teufel, und nimmt den Mann

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.