LxXII. In der Gemeine Nahmen

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxXII. In der Gemeine Nahmen (1735)

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O du Seelen-Bräutigam!
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Solten Seelen, die dich nennen,
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Die dich kennen,
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Folgen einem andern Stern?
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Das sey fern!
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Das Geschöpf ist viel zu wenig,
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Unser Geist begehrt den König,
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Und die Seelen sind des HErrn.

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Ist ein Mann nicht liebens-werth,
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Der uns über andre zehlet,
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Auserwehlet,
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Und ein täglich Zeugniß übt,
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Daß er liebt.
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Fordert solch ein Weib nicht Liebe,
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Die aus ungezwungnem Triebe
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Sich uns zur Gehülffin giebt?

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Jesus ist der Seelen Mann,
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Dieses bleibt in GOttes Klarheit
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Eine Wahrheit;
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Aber bey der Creatur
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Ist die Spur
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Sämtlich und zu gleichen Theilen
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Seiner Ehe nachzueilen.
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Von derselben lallt man nur.

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Sind wir nicht so Fleisch als Geist?
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Ist das Fleisch gleich überwunden,
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Und gebunden,
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Wird nicht dennoch seine Art
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Offenbahrt,
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In vermengeten Geschäften;
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Ob man sich mit Geistes-Kräften
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Noch so ritterlich verwahrt.

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Menschen sind wol auf die Welt
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Hingesetzt, sie anzuschauen.
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Und zu bauen,
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Nicht allein durch Müh und Fleiß,
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Angst und Schweiß,
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Sondern auch bey guten Tagen,
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Da man nichts von Noth zu sagen,
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Sondern sich zu freuen weiß.

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Christen aber sind nicht hier,
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Daß sie sich daselbst erfreuen,
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Und gedeyen;
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Jhr Beruf heist: JEsu nach,
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Durch die Schmach,
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Durchs Gedräng von aus und innen
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Das Geraume zu gewinnen,
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Dessen Pforte JEsus brach.

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Kinder stammlen nur davon,
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Wenn ihr Hertz zu GOtt erhoben:
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Warten auf die
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Die sich rafft,
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Jhre Feinde zu zerschmeissen,
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Und durchs Lager hinzureissen,
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Biß zur theuren Vaterschaft.

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Mein Erlöser! kennest du,
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Kennst du diese arme Sünder?
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Deine Kinder
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Lieben sie gantz brüderlich,
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Gleich als sich.
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Wilt du deinen Gnaden-Segen
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Nicht auf ihre Ehe legen?
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Gnaden-Strom errege dich!

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Dein sind Bräutigam und Braut.
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Deine Lieb ist unermeßlich,
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Sind sie heßlich
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In der alten Creatur:
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Deine Cur,
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Die mit ihnen vorgegangen,
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Machet sie als Bilder prangen,
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Von der Göttlichen Natur.

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Du bist ewiglich ihr Mann:
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Und sie beyde sind zum Streite
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Nur auf heute,
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Und ein kurtzes Nun gedingt.
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Kinder ringt
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Euch im Glauben anzufassen,
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Und nicht eher loß zu lassen,
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Biß es einem Theil gelingt!

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Gehe hin, du liebes-Paar,
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Werde starck in JEsu Gnade;
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Eure Grade
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Nehmen unversehens zu,
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Biß zur Ruh.
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Und in eurer Eh erscheine
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Christi Bild und der Gemeine,
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Herr, wir segnen, mache du!

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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