LxIX. Auf seiner Gemahlin 28. Geburts- Tag

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxIX. Auf seiner Gemahlin 28. Geburts- Tag (1735)

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O Du Hüter Ephraim, Dieses Gedichte ist an dem Geburts-Fest der Gräfin, bey ei- ner vertrauten Gesellschaft oder Lotterie abgesungen wor- den, und ein iegliches Mitglied derselben dergestalt bedeu- tet, als es seine damalige Umstände mit sich gebracht. Des geringsten Theils der Heerde,
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Deiner Erde!
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Unser Häufl ein sieht mit Schmertz
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Niederwärts;
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Aber unsre Sinnen blicken,
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Mitten in dem Niederbücken,
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In dein hocherhabnes Hertz.

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Hertz der Göttlichen Natur,
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Hertz der offenbahrten Liebe,
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Hertz der Triebe,
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Unsre Hertzen opfern dir
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Liebe hier,
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Und in brennendem Verlangen,
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Deine Salbung zu empfangen,
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Oefnet sich des Geistes Thür.

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Hertz der Welt! belebe uns,
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Mehr als alles, was da lebet,
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In dir webet,
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Und sich HErr von deiner Macht,
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Wunder-Pracht
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Und Allgegenwart erschüttert.
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Gottheit, unsre Hütte zittert,
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Aber unser Hertze lacht!

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Hertz mit uns! wir schweren dir
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Ewige Gesellen-Treue,
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Als aufs neue.
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Dir ist unser Hertz bekannt;
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Nimm die Hand,
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Zur Verpfändung aller Triebe,
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Zur Vergeltung einer Liebe,
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Die ihr Blut an uns gewandt.

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Hertz der Kraft! durchdringe doch,
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Unsre Seel ist ja genesen,
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All ihr Wesen:
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Mach ihr alles, was da wahr,
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Sonnen-klar;
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Aber was dir nicht will taugen,
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Das verbirg vor unsern Augen,
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Hüter der verschloßnen Schaar!

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Hier ist eine Jüngerin,
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Gottheit von dem grossen Worte,
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Das die Pforte
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Und der Weg der Seelen ist
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Jesu Christ!
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Heute kam sie auf die Erde,
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Heute kam sie auch zur Heerde,
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Lamm! wo du der Hirte bist.

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Heute ist ihr Gnaden-Tag:
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König! dem sie zugehöret,
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Eingekehret,
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Neigt sie sich, und betet an,
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Wie sie kan,
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Und wir wolln uns mit ihr beugen,
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Licht, wir deine andre Zeugen,
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Jhr Geschwister und ihr Mann.

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Laß dein Leben ihren Geist
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Auf das kräftigste erheben,
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Laß sie leben,
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Jhre Seele werde dir
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Eine Zier
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Und ihr äusserlicher Wandel,
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Zeuge von dem innern Handel
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Deiner Lieblichkeit in ihr!

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Der ihr Allernächster ist,
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Findt sich nirgend wo geschwinder,
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Als beym Sünder,
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Der gerecht sein Hauß betrat,
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Weil er bat:
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O du ihm bekannte Liebe!
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Reinige, beleb und übe
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Seinen Sinn, sein Wort und That!

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Kräfte müssen von dir aus
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In ein junges Hertze gehen.
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Herr! wir flehen,
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Welches unsern Freund voran
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Zugethan;
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Wir gedencken seiner Regung
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Wiederhohleten Bewegung,
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Und erneu’rten Liebes-Bahn.

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Deine Absicht treffe doch
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Eines deiner nächsten Zwecke,
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An der Ecke,
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Wo es ihm recht nöthig thut,
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Höchstes Gut!
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Laß nicht ab in seinem Willen
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Alle den Genuß zu füllen,
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Den ein Kind braucht, eh’ es ruht.

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Nimm dich einer Seele an,
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Die wir itzt nicht bey uns haben,
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Voller Gaben,
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Deren Führung iederman
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Schrecken kan,
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Der sich nicht in Staub will legen,
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Denn du wandelst ihm den Segen
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In den allerstrengsten Bann.

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Habe acht auf ein Gemüth,
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Das du schon vor vielen Stunden
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Dir verbunden,
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Welches auch dein sanftes Joch
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Jmmer noch,
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Doch nicht nach der Absicht träget,
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Wie du ihm es aufgeleget,
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Als es aus den Banden kroch.

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Der du mit den Sündern pflegst,
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Biß zum Aergerniß zu speisen,
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Und zu weisen,
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Daß wir aus der Gnad allein,
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Alles seyn;
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Siege fort, du Uberwinder,
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In dem Grössesten der Sünder,
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Die sich deiner Zeugung freun!

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Der du die Natur bezwingst,
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Wenn du sie mit Liebe reitzest,
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Oder heitzest
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Deinen Elends-Ofen, so,
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Daß man froh,
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Wenn man dir zu Fusse fallen,
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Und bereit seyn kan zu allen:
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Bring dein Feur zur lichten Loh!

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Dem die Tugend nicht genug,
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Der ein neues Hertze fodert,
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Das da lodert
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Von den Flammen seiner Glut,
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Nimm den Muth,
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Jmmer mehr und mehr gefangen,
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Der bey redlichem Verlangen
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Noch so manchen Fehl-Tritt thut.

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Ach! was ist doch nur ein Mensch,
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Wenn sein Anfang noch so kräftig,
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Der nicht heftig
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Seinen Willen niederdrückt,
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Und erstickt.
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Herr! gedencke an ein Hertze,
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Das sich noch nicht ohne Schmertze
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Unter deine Tödtung bückt.

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Jesu! rette deine Kraft,
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Längst an einer Seel erwiesen,
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Die vor diesem
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Unsre grosse Hofnung war,
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Und nun gar,
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Obwol nicht dahin gegeben,
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Doch gar schwächlich scheint zu leben,
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Fällt doch ohne dich kein Haar.

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Der du Wunder-Wege gehst,
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Und aus Gifte Honig machest,
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Denn du wachest
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Uber aller Seelen Heyl,
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Die sich feil.
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Und bereit sind mit zu gehen,
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Wenn die Gnaden-Winde wehen:
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Halt die Braut

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Endlich, HErr, vollende doch
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Einen Geist nach deinem Sinne,
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Und gewinne,
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Noch mehr Raum und Bahn für ihn,
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Der da schien
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Ins Verderben hinzulauffen,
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Aber er ließ sich erkauffen,
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Und geht blindlings mit dir hin.

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Gnade bitten wir von dir:
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Gnade ist der Seelen Ancker,
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Und ein Krancker
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Findet in der Gnade Saft,
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Heilungs-Kraft.
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Gnade müsse unserm Hertzen
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Leidlich machen alle Schmertzen
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Der bestimmten Ritterschaft.

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Alle, die zugegen seyn,
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Laß in einem Geiste leben,
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Sich dir geben,
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Und nach dir der Brüderschaft:
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So geht Kraft
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Auch aus diesem Liebes-Grunde,
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Und zu einem solchen Bunde
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Wird noch mancher hingeraft.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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