LxV. Auf Herrn Johann Andreas Ro- thens 40. Jahrs-Tag

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxV. Auf Herrn Johann Andreas Ro- thens 40. Jahrs-Tag (1735)

1
Der du der Hertzen-König bist,
2
Und aller Kräfte jener Welten,
3
Dem unser Hertz gereget ist;
4
Laß seine Regung vor dir gelten:
5
Dir opfert auf der
6
Ein Hauffe deiner Unterthanen
7
Den
8
Und die vom Feind erkämpfte
9
Uns ist zwar wohl bekannt,
10
Wie diß Geschenck bewandt.
11
Du pflegst nichts halbes anzunehmen.
12
Biß daß wir
13
Die theure
14
Muß sich der treue Theil noch schämen.

15
Doch werde dir ein Lob
16
Was sich an diesem Tage findet.
17
Es lobet dich diß
18
Am
19
Schon
20
Und biß daher in guter Ruh
21
Dein Evangelium bedienen;
22
Zu einer Zions-Zier
23
Nun vor
24
Vor manche Nation,
25
Ja in den Banden schon,
26
Zum Theil gebraucht, theils zubereitet.

27
Das
28
Ward auch den Tag mit uns verknüpfet.
29
Doch diß ist das geringste Heyl,
30
Darüber unser Hertze hüpfet.
31
Die allergröste Gnade war
32
Daß eben heute gleich ein Jahr
33
Sich alles unter dich gebeuget,
34
Da man das freye Volck
35
Von dieser Zeugen-Wolck
36
Bemühet war in
37
Und zu der Einigkeit,
38
Die dein Befehl gebeut,
39
Sich jederman bereden lassen.

40
Gewiß, wer um die Kirche weiß,
41
Und ums Geheimniß deiner Heerde,
42
Der kennt auch deiner Knechte Schweiß,
43
Und was dabey erlitten werde:
44
Der weiß zu allem Uberfluß,
45
Wovon wir hier nur wenig stammlen,
46
Was einer da erfahren muß,
47
Wo sich viel Kinder GOttes sammlen.
48
Und wer das Lied vernimmt,
49
Das Paulus angestimmt:
50
Der siehet einen Plan
51
Halb vor ein Wunder an,
52
Wo sich die Brüder

53
Die Welt, die noch im Argen liegt
54
Und in der Tiefe des Verderbens,
55
Wird in dem Todes-Schlaf gewiegt:
56
Da braucht es keines neuen Sterbens,
57
All ein, so bald die Stunde blickt,
58
Daß JEsu Wort in einer Kürtze,
59
Den Grund des Hertzens überstürtze,
60
Wenns alle Aeste bricht,
61
Durch Bätt und Furchen sticht,
62
Um sich den Acker aufzureissen,
63
Und biß aufs Leben trift:
64
Da braust der alte Gift,
65
Und all es hebet an zu kreissen.

66
Der Hirte, deß die Schafe sind,
67
Der will sie auf die Achseln nehmen:
68
Doch, daß sich da kein Zwang befindt,
69
Es muß sich alles selbst bequemen.
70
Auch hat der Seelen-Feind noch Macht
71
Die Ungegründten zu verwirren:
72
Da werden Meynungen gebracht;
73
Daran sich theure Seelen irren.
74
Hier spricht ein treuer Knecht:
75
Mit Beten ringst du recht,
76
Der Heyland muß sich dein erbarmen.
77
Dort heists:
78
Die Seele mühet sich,
79
Und rückt sich aus den Gnaden-Armen.

80
Damit ist Christi Schaar gezweyt:
81
Ein iedes Theil will JEsum haben.
82
Der spricht:
83
Ich werde mich zu tode traben,
84
Wenn ich mir selber helffen will,
85
Er muß mir erst die Kräfte geben,
86
Und eh' ich sein Gebot erfüll,
87
Muß ich vor allen Dingen leben.
88
Da spricht der andre nun:
89
So wird er mir den Lohn nicht rauben,
90
Die Welt hat keinen Streit;
91
Denn sie ist gleich so weit
92
Von

93
Den Schafen, die des Hirten Hand
94
Selbst auf die Weide hingeführet,
95
Ist sie gesund und wohl bekannt:
96
Die andern werden matt gespühret.
97
Sie mercken, daß es so nicht geht,
98
Der HErr muß ihnen
99
Wo etwan ein Erkänntniß steht
100
Vom neuen Himmel oder Erden,
101
Da greiffen sie bald zu,
102
Da suchen sie sich Ruh!
103
Jhr Anfang ist der andern Ende.
104
Da lauffen sie sich tumm,
105
Und kehren doch wohl um
106
In ihres Hirten treue Hände.

107
Inzwischen hat die Welt gelacht,
108
Die uns den Holtz-Weg lauffen sehen.
109
Die Seelen, die es recht gemacht,
110
Sind da, die Jrrenden zu schmähen,
111
Daß einer, der herum geirrt,
112
Und will sich nun zu rechte fragen,
113
Von einem Theil entblösset wird,
114
Vom andern aber wund geschlagen.
115
Darüber denn entbrennt,
116
Wer Christi Treue kennt,
117
Und muß auf beyden Seiten rechten.
118
Was denckt ein Fremder dann,
119
Der das nicht fassen kan,
120
Von JEsu Reich und seinen Knechten?

121
Und, JEsu! wer erzittert nicht
122
Vor einem solchen Schwarm der Secten,
123
Die alle, so sie angericht,
124
Auf einer Streu von Wahrheit heckten.
125
Da jede gute Seelen hat,
126
Die ohne ihren Vorsatz schwermen.
127
Wer wolte sich um deine Stadt
128
Nicht immer schon zum voraus hermen.
129
Spricht Luther:
130
So fährt der Pöbel zu,
131
Und glaubts, und bleibt in seinen Sünden,
132
Wer weiß, wenns Spinnen trift,
133
Ob sie nicht eben Gift
134
In diesem unsern Honig finden.

135
Inzwischen sey gebenedeyt,
136
Anbetungs-würdiger Gebieter,
137
Daß du uns biß auf diese Zeit,
138
Die reine Quelle deiner Güter,
139
Die lautre Gnaden-Bothschaft giebst,
140
Und Ernst zur Heiligung erweckest,
141
Auch unsre kleine Leuchte liebst,
142
Und unter keinen Scheffel steckest,
143
Noch von der Stäte rückst,
144
Vielmehr auf alle blickst,
145
Die eigentlich ins Hauß gehören,
146
Ja, wie du immer pflegst,
147
Wohl andre mit erregst,
148
Daß sie sich nach dem Lichte kehren.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.