LxIV. An die theure Brüderschaft, die ihm GOtt in Jena sammlet, Von mir, der ich lieben kan, ob die Zunge gleich noch stammlet, Gnad und Friede von dem Vater, und von JEsu un- serm HErrn, Allen, die da nahe worden, angelockt von nah und fern

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LxIV. An die theure Brüderschaft, die ihm GOtt in Jena sammlet, Von mir, der ich lieben kan, ob die Zunge gleich noch stammlet, Gnad und Friede von dem Vater, und von JEsu un- serm HErrn, Allen, die da nahe worden, angelockt von nah und fern (1735)

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Theure Brüder! gönnet mir, daß ich in gebundner Rede
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Euer aller Angesicht zu gesegnen mich entblöde:
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Also gehets in der Schnelle etwa noch zum besten an,
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Daß ich meines Hertzens Meynung eurer Lieb entdecken kan.
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Jesus, unser ewiger und lebendiger Monarche,
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Der uns durch sein eigen Blut in die sichre Kirchen-Arche,
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Zur Befreyung vor dem Sturme der gemeinen Sündfluth,
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Und diß angeflochtne Schiflein noch unsichtbarlich bewacht;
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Jesus sey gebenedeyt, der im Nahmen GOttes kommen,
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Und den Nahmen offenbahrt allen, die ihn angenommen;
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Der noch itzo in den Höhen unaufhörlich selig spricht
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Alle, die den neuen Nahmen in der Zeugung weggekriegt.
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Seine Liebe lasse sich auf das theure Jena nieder,
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Und bereite ihm daselbst eine Hütte vieler Brüder.
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Jesus habe Lust zu wohnen ums Gebürge dort herum,
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Oefne Thüren, theile Zungen, daß der Widrige verstumm.
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Glaubets, wenn des Teufels Macht unter euch zertheilet würde,
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Und die Leute glaubeten, daß die Sünden eine Bürde,
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Daß die Welt nicht redlich handelt, sondern uns die Ruh nicht
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Würde JEsus Hertzen kriegen, die er selig machen könt.
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Unser schlechtes Herrenhut, welches GOtt gewiß erbauet,
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Weil man ihme selber nichts, und GOtt alles zugetrauet,
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Wimmelt in der That von Zeugen unsrer Ohnmacht seiner Kraft,
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Und ein Theil von dieser Wolcke hat diß Zeugniß angeschaft.
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Nehmts in wahrer Liebe hin, o ihr Weisen und Gelehrte,
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Die das wunderbahre Licht dieser Zeit daher Bekehrte,
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Die ihr eitel Wunder werdet, wenn ihr in der Gnade bleibt,
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Und euch dem Kraft-vollen Weinstock in der Einfalt einverleibt.
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Jena ist vor iederman albereit zum Wunder worden,
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Herrnhut steht geraume Zeit unter den geringen Horden,
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Die da klein sind und doch lieblich, da der HErr zu seyn er-
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Was ists Wunder, daß diß Hütlein sich zu jenem Hause zehlt.
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Lieben Seelen! bleibt bey ihm, achtet es vor eine Schande,
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Dem, d
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Um der Schmach und Schande willen, die auf Herrlichkeiten
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In der Welt seyn untreu worden,
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Ich Geringster, bete an, zu des Höchsten Gnaden-Throne:
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Daß sein Liebs-Panier und Hut über Jen’ und Herrnhut wohne.
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Jesu, meiner Seelen Hofnung, und der ewgen Herrlichkeit,
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Mache mich zu deinem Lauffer in der letzten Gnaden-Zeit!
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Gieb mir Bothschaft an die Welt, und die da heraus erwählet,
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Gieb mir Mund und Stimme mit, die dein grosses Heyl er-
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Dieser Welt, daß du gestorben, daß auch sie zu Gnaden käm,
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Deinen Jüngern, daß dein Lieben sie so gern zusammen nähm.
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Liebet, theure Prediger, dieser ewiglichen Gnaden,
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Lobet euren Bräutigam, alles zu ihm einzuladen,
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Und diß selige Geschäfte setzt nicht eher völlig aus;
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Biß ihr nach dem Kampf erreichet das von GOtt erbaute
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Lernt von unsrer Brüderschaft, daß GOtt nichts unmöglich
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Daß das Evangelium auch von Bauern aus erschalle.
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Und weil meine grosse Schwachheit nichts mehr von mir ler-
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Lernet, daß ihr nichts verliehret, wenn ihr euch um ihn ver-

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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