1
Die alte Burg zu Wien umgab ein grauer Hayn,
3
Jüngst giengen etliche vor grossem Alter ein,
4
Die von dem jungen Busch schon überdecket waren.
5
Der Stamm von Zinzendorf, Einer von den Zwölffen. aus welchem Ehren-
hold, Der erste
bekannte Dynasta des Zinzendorffischen Hauses, nach welchen
22. Dynastä in absteigender Linie gezehlet worden.
6
Der hochberühmte Herr, so manchen Ast getrieben,
7
So dem Ertz-Hertzogthum belebtes Laub gezollt,
8
Der wurde, biß auf Zwey, vom Alter aufgerieben.
10
Und überwuchs daselbst die allerhöchsten Eichen,
11
Von dannen gieng sein Trieb in zweyen Sprossen aus,
12
Die biß ins Mähren-Land
15
Er war zu seiner Zeit ein Schatten-reicher Baum,
16
Die Reiser deckten drey
19
Um an demselben Ort, wo seine Raute blüht,
20
Jhr schwebend es Gewicht mit Macht zu unterstützen.
22
Er machte seinem Plan ein prächtiges Gesichte,
24
Doch, diesen Ast zerbrach sein eigenes Gewichte.
26
Sein wohlbelebtes Holtz gewann viel neue Sprossen,
27
Und barg sich unverhoft
31
Allein, er hatte da die Augen kaum ergötzt,
32
So muste man ihn schon aus dem Gesicht verlieren.
33
Zwey Reiser waren noch die ausgeschlagne Bluth,
34
Des mit dem Seculo verdorrten Asts in Sachsen,
35
Auf deren Triebe nun der Eiche Schicksal ruht,
36
Dieselbigen sind auch zu
38
Er treibet liebliche und wohlbelaubte Reiser;
39
Er baut diß in der Welt berühmte Herren-Hauß,
40
Und überschattet noch viel andre hohe Häuser.
41
Ich baue seine Pracht diß
42
Und wohl mit meiner Hand von dieser Art das
43
Ich bau es diesen Tag, daran du Bräutgam bist,
45
Der Wahlspruch unsers Stamms von Graf Alberto
47
Ich zeih es der Natur: das Weichen wird uns schwer;
48
Vor einem aber ist mein Muth dahin gefallen.
49
Der JEsus, der einmal an einem Holtze hieng,
50
Mit dem das Alterthum so schnöden Spott getrieben,
51
Zu dem nicht lange drauf der Erd-Kreiß übergieng,
52
Des Zeichen Königen am Halse hängen blieben,
53
Der hat von Kindheit auf nach meiner Brust gezielt,
54
Sein unbezwungner Zug hat sich davon bemeistert:
55
Mein Hertz hat seine Kraft gar dringende gefühlt,
56
Als sie die Kraft und Trieb der Eigen-Ehr entgeistert.
58
Wenn sie ihr Leben nicht zu rechten Sachen brauchen:
59
Drum hat die Sorge mich bey nahe gantz verzehrt,
60
Zu früh, und ohne Nutz der Erden, auszurauchen. Matth. 5.
62
Die Christen dürffen nicht verbrennen ohne Leuchten;
63
Der Glaube, der nichts thut, ist ein verdammt Ge-
schwätz,
64
Und muß Vernünftigen sehr unvernünftig deuchten.
65
Drum nahm ich diesen Schluß fast von der Wiegen an:
66
Mit JEsu, den man itzt den Ehren-König nennet,
67
Zuförderst aus dem Buch der Ehren ausgerhan,
68
Darnach vor aller Welt für seinen Knecht bekennet!
70
Vor deren Herrlichkeit wir itzt die Segel streichen:
71
Es müsse dir an Ruhm, mit Fruchtbarkeit bethaut,
72
Jm Vor- und Nach-Gesicht der Zeiten keine gleichen!
73
Was ich und mein Gemahl dir wünschend zugedacht,
74
Das kröne deinen Lauf und wohl bestandne Tugend.
75
Und wie du deinem Herrn vom Höchsten zugebracht,
76
So weyht demselben auch: Euch selber und die Jugend.
79
Der lasse dermaleinst, wenn diese Welt vorbey
80
Die Zweige mit dem Stamm ins neue Erdreich kommen!