LvIII. Uber das Krancken-Bette der Frau Fürstin von Rudelstadt, geb. Hertzogin zu Saalfeld. Ja ihrem Nahmen

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LvIII. Uber das Krancken-Bette der Frau Fürstin von Rudelstadt, geb. Hertzogin zu Saalfeld. Ja ihrem Nahmen (1735)

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Seelen-Freund! hier liegt ein Hertze,
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Das dich unter allem Schmertze
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Gerne frölich loben wolte,
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Wie ein treues Hertze solte.

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Wehethun ist bey der Liebe
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Einer der gewohntsten Triebe;
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Wer dem HErrn am Hertzen lieget,
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Wird nicht allezeit gewieget.

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Höchste Lust und Hertz-Vergnügen,
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Ich will dir zu Füssen liegen,
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Mag mich doch die Welt verhöhnen,
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Wie Marien Magdalenen.

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Ziehe mich, damit ich lauffe,
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Tauffe mich mit deiner Tauffe,
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Um den Sitz in deinen Reichen
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Wollen wir uns schon vergleichen.

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Schöner Bräutigam der Seele!
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Mich beschwert die Leibes-Höle,
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Und mein Geist, das freye Wesen,
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Wird im Sterben erst genesen.

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Christi Last ist leicht zu tragen,
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Der wird niemand gerne plagen:
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Die die Züchtigung erdulden,
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Mögen GOtt, als Vater, hulden.

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Unser Wandel ist im Himmel,
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Uber alles Welt-Getümmel:
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Der verderbten Erd entweichen,
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Wäre mir ein Gnaden-Zeichen.

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Schöpfer, hier ist dein Geschöpfe,
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Der geringste deiner Töpfe,
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Du magst brechen oder bauen,
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Laß mich nur dein Antlitz schauen.

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Führst du meinen Leibes-Schatten
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Rückwärts zu dem Ehegatten,
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Und zu meinen beyden Kindern,
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Will ichs eben auch nicht hindern.

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Zeige mir nur deinen Willen,
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Der soll meine Seele stillen:
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Denn in deinem Willen schweben,
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Das ist einer Seele Leben.

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Sieger über Tod und Hölle,
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Laß die krancke Lager-Stelle,
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Und die mancherley Beschwerden,
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Mir zu einer Schule werden!

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Ringe nur mit deinem Kinde,
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So doch, daß ich überwinde,
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So wird aus den bittern Quellen,
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Eine Fluth des Lebens schwellen!

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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