LvI. Auf den grossen Evangelisten, August Hermann Francken

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: LvI. Auf den grossen Evangelisten, August Hermann Francken (1735)

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Hjer legt mein Sinn sich zu den Füssen nieder,
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Die ich vordem mit Thränen starck benetzt,
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Als sich der Geist mit dem Gesetz der Glieder,
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Und mit der Welt auf allezeit geletzt.
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Was war ich Stäublein; ich?
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Nicht nur allein
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Du wecktest auch viel Schlafende durch mich.

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Hier liegt das Amt, ich meyne
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Dort
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Wie komm ich doch zu einem solchen Lohne,
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Der ich schon dort ein Faß zu Ehren war?
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Ich habe wohl gestritten, ich habe was gelitten,
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Was ists? du
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Ein HErr, wie Du, darf nicht um Diener bitten:

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O Majestät! darf ich mich unterwinden,
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So zeig ich mich zuerst, als deine
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Der Knecht wird auch was zu erzehlen finden,
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Was du durch ihn
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Doch deine Bräutgams-Triebe, du
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Gehn allen andern vor.
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Was wärs, wenn mich mein Werck vor
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Und hätt’ an dir gehandelt, als ein Thor?

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Du hast mich zwar nicht
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Und von der Zeit blieb dir mein Hertze treu;
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Da deine Kraft
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Umarmte dich mein Glauben ohne Scheu.
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Und der getreue Hüter der himmlischen Gemüther,
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Verschloß vor mir die Welt und ihre Güter,
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Und that mir auf die Thür der Gnaden-Zeit.

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Ich hieß
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Der
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Doch das zerstob vor deines Geistes Wehen.
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Diß lehrte mich des Himmel-Reichs Gebrauch:
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Wo eigne Kraft begraben, und wo wir nichts mehr haben,
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Als aus des Königs Hand;
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Erzeigen sich zum Nutz besondre Gaben,
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Die werden mit dem Geist herab gesandt.

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Kaum brachte mich mein Hüter in die Kammer,
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So sah ich dich am Creutz,
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Mein Hertze ward auf diesen Blick voll Jammer;
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Denn ich verdiente ja den rauhen Stamm.
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Ey, dacht ich,
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Empfindst du neue Pein?
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Hinweg mit euch, ihr mörderischen Triebe,
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Ich will ein Knecht der heilgen Liebe seyn!

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So wolle nichts, erinnerte mein Meister, So werd ein Kind so thu die Augen zu,
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So wirf dich hin dem Vater aller Geister,
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Und eh er würckt, so bleib in stiller Ruh.
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Verlerne die Gelahrheit, und suche meine Klarheit, So 1726. So will ich dich erhöhn.
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Ich offenbahre mich dir, ich die Wahrheit,
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Und lehre deinen Fuß auf Felsen stehn.

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Ich thats. Und du gedachtest deiner Worte,
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Du sandtest mir
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Du zeigtest mir
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Die Hertz-Bewegungs-Kraft des Menschen Sohns.
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Als auf der
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Du öfnetest die
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Das war der Grund zu einem Wunder-Bau.

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Da ward ich nun in deinem Hause
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Ich predigte, was Wort und Geist gebot.
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Er sagts ins Ohr,
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Insonderheit erhub ich deinen Tod,
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Der alle Seelen ziehe, ich gab mir wenig Mühe
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Um die Philosophie.
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Ich zeigte nur,
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Wenns deine Lieb aus dem Verderben zieh.

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Das
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In
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Es bändigte die frechesten
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Der
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Es ward ein
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Der Welt ein
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Den
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Den

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Die
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Ein
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Das
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Man half dem Volck durch
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Die Wahrheits-Zeugen schritten hinüber zu den
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In
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Auch rissen sie ins Reich der
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Und endlich fuhren sie in

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Das
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Bald wird uns diß, bald jenes eingeraunt.
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Johannes ward den Augenblick
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Und bald darauf für
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Jtzt galt der Heyland wenig, in kurtzen hieß er König.
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So geht es in der Welt.
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Da heist es recht: Jtzt
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Wohl dem, der nichts auf alles beydes hält!

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Ans Creutz
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Hier bring ich dir die ausgestandne
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Der zarte Staub aus der verblichnen Klarheit,
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Der zieht sich nun der neuen Sonnen nach.
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Nur
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Und auf Pappier gestreut.
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Ja säh’ ich nicht dein Antlitz ohne Mittel,
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Sie irrten mich wohl in der Ewigkeit.

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Hier schmieg ich mich,
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Ich möchte gern in deinem Ruhm zerfliessen:
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Der Menschen Ruhm beut deiner Ehre Trutz.
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Du schweigtest meine
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Von meiner Ehren-Bahn?
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Was war ich denn?
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Du zündetest, und also brandt ich an.

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Beruhige, du grosser Ruhig-Macher,
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Wen mein Verlust zu sehr
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Sie hielten sich an
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Ich habe gnug gepredigt:
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Nichts sey ich, er seys gar;
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Ein
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Das zeuge mir einst meiner Kinder Schaar!

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So ruh ich nun, mein Heyl! in deinen
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Du selbst solt mir ein ew'ger Friede seyn.
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Dein
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Ich gehe nun in deinen
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Der Tod hat nichts zerbrochen, als ausgezehrte Knochen,
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Ich sehe dich, da
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Und trinck aus deinen Wunden dürstiglich.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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