XlII. Auf seiner Gemahlin 25. Jahrs- Tag. Gedruckt zu Dresden

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XlII. Auf seiner Gemahlin 25. Jahrs- Tag. Gedruckt zu Dresden (1735)

1
Geht! werft euch vor die Majestät
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Des Königes der Liebe,
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Die euch bereits entgegen geht,
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Jhr, meiner Seelen Triebe;
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Blickt mit des Glaubens Augen an!

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Du bist, o Seelen-Bräutigam!
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Ein allgemeines Wesen:
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Wer kranck auf Erden zu dir kam,
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Den liessest du genesen.
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Und deine Wunder-Kraft gespürt.

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Ich bins versichert, daß du mich
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Zu deinem Volck gezehlet;
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Mit deinem Hertzen ewiglich
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Verbunden und vermählet;
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Auch mit vor meine Seele flehst.

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Ich mache mich im Geist bereit,
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Beym Thone stiller Lieder,
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Und werffe deiner Würdigkeit,
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Mich vor die Füsse nieder.
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Und bete meiner Seele vor.

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Gib, daß ich spreche, was dein Mund
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Dem Vater sagen wolte,
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Wann er ihn an den Liebes-Bund
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Mit mir erinnern solte.
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So lall ihm auch das andre nach.

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Mein Abba! deine Gnaden-Wahl
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An mir zu offenbahren,
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Hast du mich in das Jammer-Thal,
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Vor fünf und zwantzig Jahren,
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Durch eine, dir gemässe, Macht,
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Aus Mutter Leib hervor gebracht.

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Die Welt bekam ich ins Gesicht,
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Sie hat mir wohl gefallen;
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Bey nahe hätt ich Lust gekriegt,
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Mit ihr dahin zu wallen.
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Du weist es Hertzens-Kündiger.

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Die gröste Ungelegenheit
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Der Nachfolg unsers Lammes,
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Die angebohrne Herrlichkeit,
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Des weltlich hohen Stammes,
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Die noch so manches Hertz verstockt,
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Die hatte mich auch angelockt.

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Bey dieser steten Demmerung,
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Wo Tag und Nacht vorhanden,
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Und weder Finsterniß genung,
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Nach wahres Licht entstanden,
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Des Weges zu der Seligkeit.

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Da wird man ehrbar und gerecht;
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Da fürchtet man die Hölle,
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Und ist sein Lebenlang ein Knecht,
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Un kommt nicht von der Stelle.
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Macht, daß die Sünde schändlich ist.

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Das Hertz nimmt Christi Sinn nicht an,
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Die Leidenschaften leben,
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Und müssen sich nur dann und wann
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In den Gehorsam geben;
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Ein Satanas dem andern weicht.

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Von einer solchen Sclaverey,
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Ward ich in diesen Stunden,
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Durch meines Königs Liebe frey:
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Ich hab ihn heute funden;
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Vor mein Geburts-Fest rechnen mag.

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Hier ist das sehr geringe Hertz,
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Das JEsu Hertz gebrochen;
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Als ers, durch unverdienten Schmertz,
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An Höll und Tod gerochen.
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Jm Hertzen auf, komm Bräutigam!

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Danck, Ehrerbietung, Schuldigkeit
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Kan man zuwege bringen;
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Allein die Liebs-Ergebenheit,
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Die kan kein Mensch erzwingen.
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Und wird doch keine Liebe draus.

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Die Sorge vor der Höllen-Pein,
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Kan nicht zur Liebe treiben;
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Auch wird des Himmels Sonnen-Schein,
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Hier ohne Würckung bleiben.
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Braucht nicht zu sehn, warum sie liebt.

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Man liebet, was man nie gesehn:
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Man hats kaum hören nennen,
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Wohin noch keine Sinnen gehn,
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Da kan das Hertz nach brennen.
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Hat meine Seele JEsum lieb.

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Mein Salomo! vermähle dich
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Mit meinen innern Sinnen:
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Beherrsche mehr, als Königlich,
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Mein sämtliches Beginnen;
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Wann heute wiederum erscheint.

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Indessen soll auf deinen Ruf,
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Mein Hertz dir willig dienen:
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Und deiner Gnade zum Behuf,
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Soll auch die Hütte grünen.
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Ich bin der Lieb ihr Unterhan.

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Der an dem Creutz geschändet ward:
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Den itzt sein Volck verläugnet,
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Und der nach seines Reiches Art,
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Mit Schmach die Seinen zeichnet,
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An welchen unsre Seele glaubt.

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Da, wo er seine Helden-Zunft,
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Durch Höll und Tod geführet,
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Da sey der Wille der Vernunft,
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Auf ewig, angeschnüret.
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Wir haben sonst ein Vater Land.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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