XxXVIII. Uber des Heylands Treue

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XxXVIII. Uber des Heylands Treue (1735)

1
Oliebe, die in fremde Noth
2
Sich selbst hinein gestürtzt,
3
Und die damit dem ewgen Tod
4
Den Stachel abgekürtzt.

5
Wir sehen deine Herrlichkeit
6
Jm Thal der Demuth blühn,
7
Und uns durch dein empfindlich Leid
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Aus allem Leiden ziehn.

9
Daß du nun unser Bürge bist,
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Das heist man wohl gethan,
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Und nimmt den Menschen JEsum Christ
12
Zum Sünden-Tilger an.

13
Allein, wie wenig wird man sehn,
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Die zu bereden seyn,
15
Daß niemand kan ins Leben gehn,
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Als durch die Creutzes-Pein.

17
So gieb denn deinem Wort vom Creutz
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In denen Seelen Kraft,
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Daß es dieselben allerseits
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Mithin zum Creutze raft.

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Denn das ist einmal gantz gewiß,
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Du bist zu gleicher Zeit
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Ein Gegen-Gift vors Todes-Biß,
24
Und unsre Heiligkeit.

25
Drum, der du angekommen bist,
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In Knechts-Gestalt zu gehn,
27
Des Weise nie gewesen ist,
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Sich selber zu erhöhn.

29
Komm! wincke unsrer stoltzen Art
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Ins edle Nichts hinein,
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Darinn sich erstlich offenbahrt,
32
Daß wir GOtt Etwas seyn.

33
Der du noch in der letzten Nacht,
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Eh dich der Feind gefaßt,
35
Den Deinen von der Liebe Macht
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So schön gepredigt hast.

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Erinnre deine kleine Schaar,
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Die sich so leichte zweyt,
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Was deine letzte Sorge war:
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Der Glieder Einigkeit.

41
Du opferst deine Jünger noch
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Dem Vater im Gebet.
43
O! würden unsre Sinnen doch
44
Oft im Gebet erhöht.

45
Der du um unsre Seligkeit
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Mit blut’gem Schweisse rangst,
47
Und durch der Thränen bangen Streit
48
Des Grimmes Macht verdrangst.

49
Erschüttre doch den trägen Sinn,
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Der nichts von Arbeit weiß,
51
Und reiß ihn aus der Faulheit hin
52
Zu deinem Kampf und Schweiß.

53
Der du dich deines Vaters Zorn
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Zum Pfande eingethan,
55
Nimm uns, aus deinem Geist gebohrn,
56
Zum Gegen-Pfande an.

57
War zu der Herrlichkeit die Schmach
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Dein ordentlicher Weg;
59
So geht dir deine Heerde nach
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Auch über diesen Steg.

61
Und da dich deine Niedrigkeit
62
An Pfähle binden kan;
63
So hefte unsre Eigenheit
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An deinen Creutz-Pfahl an.

65
Gecreutzigter, den seine Lieb
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Biß in den Tod geführt,
67
Ach! würd’ auch unser Liebes-Trien
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Zum Tode treu verspührt.

69
Drum leit’ auf deiner Leidens-Bahn
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Uns selber bey der Hand,
71
Weil dort nur mit regieren kan,
72
Wer hier mit überwand.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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