1
Und du wirst weggerückt, des Vaters Augen-Weide,
3
Wer richtet ihn wol auf bey einem solchen Leide,
4
Und wie bezeigen wir, was treue Brüder sind?
5
Hier, schreibet mir ein Freund, soll sich dein Kiel bemühn:
6
Das ists auch, was ich kan,
7
Nur möcht’ ein andrer Kopf den Plan dazu entwerffen,
8
Ein Kopf, der ein Gemüth von zärtrer Neigung führt:
9
Der meine hat die Art dem Leser einzuschärffen,
10
Daß einen Christen leicht kein zeitlich Leiden rührt,
11
Auch hat er Grund dazu; weil Petrus ungescheut,
12
Beym Leiden froh zu seyn, den Gläubigen gebeut.
14
Verschrieb ich mich vielleicht, und spräche von
15
Wenn auch ein Vater-Hertz vor Schmertzen brechen wolte,
16
Ich fragte dennoch wohl: Wo mit den Kindern hin?
17
Sie sollen mit der Zeit vor GOttes Throne stehn,
18
Ists nöthig, daß sie erst der Sünd ins Netze gehn?
19
O seliger Verlust! So will ich stets verliehren,
20
Wenn dadurch, daß mirs fehlt, die Liebe Zugang kriegt;
21
Ein solcher Sieg ist werth darum zu triumphiren,
22
Wo man den Feind zugleich gesehen und besiegt.
23
Pflegt bey dergleichen Fall der Lust was abzugehn;
24
So kan uns auch daraus nicht so viel Streit entstehn.
25
Allein, wem wolte ich hiebey den Argwohn wehren,
26
Daß dieser Ausspruch nur ein Eigenwille sey?
27
Vielleicht beschweret es, die Kinder zu ernähren?
28
Sie binden heftig an, man ist wohl lieber frey;
29
Sie brauchen Sorg und Müh, man mühet sich nicht gern,
30
Drum überläst man sie aus Trägheit an den HErrn?
31
Wohlan! ich suche nicht dem Vorwurf auszuweichen:
32
Ich halte, GOtt sey Danck! nichts auf Entschuldigung,
33
Um aber meinen Zweck im Haupt-Punct zu erreichen;
34
So ist diß eine Wort vielleicht Beweiß genung.
35
Es setze sich ein Kind vergeblich aus der Ruh,
36
So bald es Kummer hat, was doch der Vater thu.
38
Daß sich Jmmanuels schon lange nicht mehr schämt,
39
Diß eben sammlet dir die ausgeschweiften Triebe;
40
Diß macht, daß dein Gemüth sich heute nicht mehr grämt;
41
Die Sorge presset dir kein banges Stehnen aus,
42
Wer einen Vater hat, dem hält der Vater hauß.
43
Du lässest deinen Sohn in allzu guten Händen,
44
Die Schule, die er hier nur angefangen hat,
45
Die mag er auf dem Schooß der Liebe vollends enden;
46
Wo lernt man hurtiger? als in der neuen Stadt.
47
Dein Auge, das bißher vor diesen Sohn gewacht,
48
Das gebe führohin allein auf JEsum acht.
49
Ich habe schon gesagt, wenn meine Säyten klingen,
50
Gescheh’ es blosserdings die Freundschaft darzuthun:
51
Bedarfst du aber Trost, den soll die Liebe bringen;
52
Allein ich seh dich schon in ihrem Willen ruhn.
53
Drum mache dieser Schrift, die ich verkürtzen muß,
54
Nur dieser hertzliche und treue Wunsch den Schluß:
55
Dein Erdman ist ins Reich der Himmel eingedrungen,
57
Da sie beym letzten Kampf ihr Schwanen-Lied gesungen,
58
Aus mütterlicher Macht, im Glauben anbefahl.
59
Du Tochter bleibe nun des HErren JEsu Lamm,
60
Und du, mein Bruder! bleib ein Freund vom Bräutigam.