XxVII. An eines begabten Lehrers Nah- mens-Tage. Am 30. Novembr

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XxVII. An eines begabten Lehrers Nah- mens-Tage. Am 30. Novembr (1735)

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Du hochgebenedeyte Liebe,
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Man sagt in Bethel: Höre her.
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O daß der angeflammten Triebe
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Nur eine einge Flamme wär.
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Du hast uns alle angezündet,
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Auf dich sind wir allein gegründet,
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Der Prediger, und wer ihn hört,
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Wer als ein reiner Funck entglommen,
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Hat einen Hauch von dir bekommen,
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Der wieder in dein Feuer fährt.

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Was wollen wir so dunckel sprechen?
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Wir wallen in der Dunckelheit.
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Wilst du mit deinem Licht durchbrechen,
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Schenckst du uns deine Heiterkeit,
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So können wir es offenbaren,
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Was wir im Inneren bewahren,
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Und was so schwer zu deuten ist.
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Gieb doch an diesem Freuden-Tage,
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Daß jeder deutlich sing und sage,
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Was du vor eine Liebe bist.

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Du bist ein ewiger Regente,
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Allein du herrschest in der Zeit,
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Als deine Flamm in Ruhe brennte
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In jener tiefen Ewigkeit,
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Da wurdest du doch mit Verlangen
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Nach einer Creatur gefangen,
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Und diese Creatur sind wir,
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Wir und noch viele Millionen,
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Die nah und in der ferne wohnen,
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Wir alle schreiben uns von dir.

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Wir wissens wol, daß alle Lande
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Mit deiner Treu belehnet sind,
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Daß man in einem jeden Stande
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Gewisse GOttes Menschen findt,
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Und daß in Lausitz mehr Gemüther,
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Als wir, geniessen deiner Güter,
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Wir sind kein sonderlich Geschlecht.
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Wenn aber deine Vater-Augen
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Aufs Niedrige zu sehen taugen,
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So haben wir ein eignes Recht.

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Es ist dir Vater unentfallen,
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Was man von deinem Bethel hält,
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In was vor grosser Schmach wir wallen,
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Und wie man uns zurücke stellt.
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Der Ort ist an sich selbst nicht wichtig,
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Wir suchen dich, damit ists richtig.
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Wir sind der Welt ihr Gauckel-Spiel.
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Der HErr und seine Unterthanen,
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So viel dir ihre Hertze bahnen,
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Sind aller Lästerungen Ziel.

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Du hasts ja aber ausgesprochen:
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Jhr, die ihr leidet, seyd beglückt.
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Die ihr mir nach ans Creutz gekrochen,
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Jhr werdet mit hinauf gerückt.
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Wo ich verbleibe, bleibt mein Jünger,
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Sein schlechtes Thun ist nichts geringer,
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Als was ich in der Welt gethan.
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Freund! haben wir dich aufgenommen,
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Und wissen nirgends durchzukommen,
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So nimm du uns auch wieder an.

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Wir leiden ohne alles Murren,
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Wir geben gar der Welt die Macht
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Uns zu verläumden, anzuschnurren,
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Wir werden gern um dich verlacht.
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Man mag uns lose Brücken bauen,
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Uns soll vor alle dem nicht grauen,
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Nur nicht um einen bösen Schein,
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Dieweil wir uns ins Amt gedrungen,
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Dieweil wir übel umgesprungen.
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Nein! darum, weil wir Christen seyn.

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Weil aber du der Kinder Lallen,
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Du, treuer Vater, nie verschmäht:
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So laß dir itzo auch gefallen,
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Wenn die Gemeine zu dir fleht:
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Du wollest uns zusammen halten,
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Und über unsrer Liebe walten,
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Als über deinen Augen-Stern.
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Wir werden hin und her geschmissen;
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Es sey drum nur nichts abgerissen
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Von unserm Bunde für den HErrn.

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Und dürffen wir noch eines bitten,
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So wollst du unsers Rothens Geist
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Mit deinem Frieden überschütten,
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Der sich bereits in ihm erweist.
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Es bleiben er, und die ihn lieben,
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Dir zum Gedächtniß angeschrieben,
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Als solche, die dein Hertze hegt.
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Man seh in allem, was er handelt,
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Daß JEsus selber in ihm wandelt,
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Und alle seine Glieder trägt.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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