XxVI. Auf Herrn Heinrich des Drey und Zwantzigsten Entschlafen. Gedruckt zu Dreßden

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XxVI. Auf Herrn Heinrich des Drey und Zwantzigsten Entschlafen. Gedruckt zu Dreßden (1735)

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Du fragst: Jm Schluß dero letzten Briefes vom 10. Novembr. 1723. Wie gut wird sichs doch nach der Arbeit ruhn?
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Du rechtes Wittwen-Hertz, Die Frau Gräfin Reußin, geb. Freye von Söhlenth. d. z. Jh- ro Königl. Hoheit Prinzeßin Louyse von Dännemarck Hof- meisterin. Du fragst: Wie wohl wirds thun?
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Ich sage vor dem HErrn: So wohl, daß alle Wehen
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Der kurtzen Leidens-Zeit nun ewiglich vergehen.

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O Tage dieser Zeit, da unser Auge thränt, O Stunden, da der Geist sich nur nach Freyheit sehnt, Minuten, die den Sinn in tiefe Schwermuth stürtzen,
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Jhr

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Warum ist unser Aug auf euer
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Davon der meiste Theil bereits dahin gerannt?
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Wie, blickt es nicht vielmehr ins Innerste der Seelen,
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Wo mit der Ewigkeit die Blicke sich vermählen?

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Es ist wol eines Theils des trägen Fleisches Schuld,
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Das beuget seinen Hals nicht unter die Gedult,
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Die nach der Liebe Rath so selig ist, so süsse,
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Und machet, daß das Kind die Hand des Vaters küsse.

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Wie aber
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Genugsam eingesehn, gefühlt zu seiner Zeit;
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So dringt ihn alles diß zu hertzlichem Erbarmen:
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Die Schwachheit träget er auf seinen starcken Armen.

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Wie selig muß nicht oft die tiefste Trauer seyn!
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Es gehe nur das Hertz recht in den Zweck hinein;
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Sonst muß ein leichter Mensch uns mit dem Wandel sagen:
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Warum der grosse GOtt so tief, so wund geschlagen?

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Wenn so ein laues Hertz durch lange Heucheley
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Die Menschen glauben macht, als ob es redlich sey,
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Und dann die Crone erst vom Haupte abgefallen;
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So zeigt, so blösset sich der Larve Schmach vor allen.

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Sie, die ihr redlichs Hertz zu JEsu jedermann,
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So vor als nach der Eh’ in Christo kund gethan!
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Erlaube, (ob ich ihr die Trauer nicht verdencke,)
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Daß ich ihr einen

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Der ists:
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Und sättigt den nach ihm hier ausgespannten Sinn;
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Jhr nimmt er das hinweg, was ihre Augen lieben,
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Damit sie sich nur bloß an seiner Schönheit üben.

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Darf aber, oder soll vielmehr mein schwacher Kiel,
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In dieser kurtzen Schrift und enger Reime Ziel,
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Das Angedencken noch von ihrem Herrn berühren,
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Und wessenthalben mag ich ihn so späte führen?

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Gewiß,
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Von deren Ende schreibt und rühmet man mit Recht:
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Und weil man hier davon nicht allzuviel vernommen,
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So bin ich wohlgemeint auf dieses Denckmahl kommen.

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Der Drey und Zwantzigste, ein Mann, zu seiner Zeit,
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Tritt unter das Panier, wo Christus commandiret.

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Jhr Edle dieser Zeit! die ihr ihn sonst gekannt,
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Sagt, fehlt’ es ihm an Muth, Geschicklichkeit, Verstand?
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Was zwang ihn, euer Feld in einer Zeit zu räumen,
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Wo ihm das Krieges-Glück begonnt empor zu keimen?

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War unser lieber
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Und schenckt er einem was? Wer warf ihm etwas für,
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Wer trotzt’ und pochte ihn der Zeit aus eurem Orden?
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Wie aber ist er denn hernach zum Narren worden?

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Ists nicht? so bald er erst ein Jünger JEsu war,
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So setzte es vor euch auch weiter nicht Gefahr?
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Weil Kinder GOttes selbst die Schmach der Erden lieben,
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So habt ihr euren Spott fein ungestraft getrieben?

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Was sagt ihr, denen itzt das Hertz im Leibe sagt:
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Daß sich ihr Ubermuth an ihn und andre wagt,
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Und das absonderlich, wenn sie es weder hören,
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Noch, wegen des Befehls von ihrem Meister, wehren?

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O sclavisches Gemüth, o niederträchtger Geist!
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Der sich in jener Zunft der Jrrdischen beweist!
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Kommt, ändert euer Hertz, kommt, fallt zu JEsu Füssen:
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Dann werdet ihr von Muth und Hertz zu sagen wissen.

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Es ist nicht Leugnens werth,
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Nachdem er sich bekehrt, verwarf den eiteln Preiß,
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Man sahe ihn nicht mehr von Rach-Begierde brennen;
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Wol aber Christi Creutz mit Löwen-Muth bekennen.

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Ja, sprichst du, eben das wird wol sein Fehler seyn;
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Er eiferte zu sehr, er gieng ins Feuer ein;
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Wohlan! so hatte er mit etwas Kampf zu wagen,

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Jhr aber, deren Gescht nach Ehr und Rache schäumt,
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Und die ihr GOtt den Grund von euren Hefen räumt!
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Was wollt ihr einen Held, erkannt an seinen Früchten,
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Mit seiner Redlichkeit und tapfern Geiste richten?

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Euch sey mit wenigem und jederman gesagt:
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Wer was in dieser Zeit zu GOttes Ehren wagt,
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Da seine Lieb und Furcht nichts mehr auf Erden gelten,
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Den kan der treue Zeug’ unmöglich drüber schelten.

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Wenn alle Herrliche in dieser gantzen Welt,
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Wenn auch der meiste Theil sich JEsu zugesellt,
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Und schämete sich nicht sein Zeugniß darzugeben;
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So möchte man, (und gern,) in größrer Stille leben.

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Da aber Christum nicht mit einem Wort bezeugt,
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Wer sich ein wenig nur von gutem Schrote deucht,
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Und der zu Schmach und Hohn sich wissentlich bequemet,
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Wer sich des Heylands nicht vor denen Leuten schämet:

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Da sage mir ein Mensch, so klug er ist, er sag:
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Ob ich, und wer noch sonst den HErrn bekennen mag,
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Die Grossen dieser Welt und andre mehr verdrengen,
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Wenn

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Nicht so? der heisset doch ein Ehr-vergeßner Mann,
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Der einem Fürsten dient, und nimmt sich sein nicht an?
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Ob man ihm gleich mit Schwerdt und Stahl nicht mördlich
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Jhn aber schändlich höhnt und in die Augen speyet?

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Der aber kan ein Christ nach allen Formen seyn,
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Der viele Tage geht, und fället ihm nicht ein,
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An diesen seinen HErrn bey andern zu gedencken,
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Geschweige ihre Gunst um seine zu verschencken.

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Wer bist denn du, o Mensch! da, wenn du ungescheut,
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Auf deinem Kirchen-Stand, zu GOtt-geweyhter Zeit,
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Daß der dein König ist, mit vollem Hals erthönest,
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Den du den Abend noch mit Werck und Worten höhnest?

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Der Lehrer auf dem Holtz, wo man alleine spricht,
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Der rede. Denckest du, er treffe mich nur nicht;
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Mir aber, den ein Brief von sechzehn Ahnen crönet,
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Gebühret dieses nicht: Wie würd’ ich sonst gehöhnet!

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O Welt! man schenckte dir die Tändeleyen gern!
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Der aufgeschwungne Geist ist von dem allen fern:
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Doch soll man Zeit und Zwang in ihren Würden lassen;
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Was hindert einen das, um Christi Creutz zu fassen?

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Der Adel dieser Welt ist etwas; aber still!
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Die gute liebe Welt weiß selbst nicht, was sie will:
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Der Knecht spielt einen Herrn; ein Herr kan ja nicht leben,
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Er muß sich irgendswo in einen Dienst begeben.

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So aber steht es nicht um Christi Adel-Brief,
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Da der die Seele erst zum Priesterthum berief,
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Und zu der Crone selbst: Da ward sie freygebohren,
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Und war zu keinem Zwang des Sclaven-Stands erkohren.

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Der König, welchem wir als Knechte eigen sind,
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Der nennt uns anders nicht, als Bruder, Freund und Kind,
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Es heißt: Wir dienen ihm; Er aber dient uns besser:
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Er macht durch seinen Dienst uns alle Tage grösser.

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Und wir, wir solten uns
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Und
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Vor dem geringen Schwarm der Unterthanen schämen,
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Und nicht fein öffentlich uns diese Ehre nehmen?

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O Vater! schencke uns den königlichen Sinn,
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Der alles hinten läßt, auf daß er dich gewinn,
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Und gönne mehreren, die itzo furchtsam schweigen,
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Den Ruhm, den hohen Ruhm, der treuen Lammes-Zeugen.

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Gieb Weißheit, leite uns dir nach, untadelich,
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Und deinem Gnaden-Ruf zu wandeln würdiglich:
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Gieb Liebe, alles dieß mit Sanftmuth zu ertragen,
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Was man von unserm Thun will dencken oder sagen!

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Du aber, treuer Knecht! geh eilends ein zur Ruh:
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Der süsse Bräutigam schließt selbst die Cammer zu:
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Dring auf, erlöster Geist! zu dem, den du bekennet,
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Und der dich dermaleinst vor seinem Vater nennet.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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