XxV. An seine Gemahlin, als sie 23. Jahr alt worden

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XxV. An seine Gemahlin, als sie 23. Jahr alt worden (1735)

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Gehülffin, die das Lamm mir selber angetraut,
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Die seine Liebes-Hand in meine Hand beschlossen,
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Und uns biß diesen Tag mit Gnaden-Thau begossen;
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Komm, bete mit mir an! komm, meines Königs Braut!

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Die Eh ist allerdings ein sehr geheimer Stand,
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Ein Stand, den unser HErr im Garten schon gesegnet,
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Dem JEsu Gegenwart, o hohe Gunst! begegnet,
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Ein in der Ewigkeit geknüpftes Liebes-Band.

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Zwar wenn man zu der Eh durch Welt-Lust angekiert,
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Dieselbige vollzieht, nach Art der Hochgebohrnen,
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Ach! aber auch dabey von GOtt nicht Auserkohrnen, (1. Cor. 1.)
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Was Wunder, daß die Reu gleich mit geehligt wird.

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Wie, spricht man, wilst du denn, daß sie beschaffen sey?
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Du lehrest uns vielleicht die Ehe der Phantasten,
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Die sich vor Aengstlichkeit und Harm zu Tode fasten?
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Nein! Freund, die Eh im HErrn ist von dem allen frey.

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Ein Knecht der Liebe ist im übrigen gefreyt,
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Ein Fürst der Herrlichkeit, des Vaters edle Pflantze,
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Und eine Magd des HErrn prangt in dem Glaubens-Crantze,
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Zu solchem Paare reimt sich wol kein Sclaven-Kleid.

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Wie sieht denn aber nun die rechte Ehe aus?
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So sieht sie aus: Die Braut, Jmmanuel verschrieben,
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Ist einem guten Freund im Angedencken blieben,
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Der liebt, der hütet sie, biß hin ans Hochzeit-Hauß.

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Und wie nicht Weib noch Mann in JEsu Christo ist,
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So sind sie beyderseits so Kämmerer, als Freunde
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Vom rechten Bräutigam, dem Schrecken unsrer Feinde,
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Da eins das andre denn zu schmücken nicht vergißt.

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Die Zeit des Lebens ist die Zubereitungs-Zeit,
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Die Monden, die der Fürst, seit dem er sie erkennet,
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Und sie als Jungfer selbst zum Ehe-Bett ernennet,
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Zur Salbung und Geschmuck der schönen Seelen leiht.

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Da muß die Frau den Mann, der Mann muß seine Frau,
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Die ihm der Bräutigam zur Pflege übergeben,
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Mit Ernst bemühet seyn zur Hochzeit aufzuheben;
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Der Zweck ist, daß man sich nur zier und auferbau.

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Ein Fleck, ein kleiner Staub, was sonst kein Auge kennt,
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Was sonderlich die Lieb am allerschwersten siehet,
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Das alles ist man hie genau zu sehn bemühet;
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Weil Stund und Augenblick zum Hochzeit-Tage rennt.

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Wenn man sich allemal nicht recht zu helffen weiß,
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So geht man eilends hin dem Bräutigam zu beichten,
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Der läßt von seinem Thron ins Hertz den Scepter leuchten,
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Und winckt der Seele denn zurück ins rechte Gleiß.

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Mein anvertrautes Pfand! ich könte, was ich hier
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Mit Redlichkeit gesagt, durchs Wort des HErrn beweisen:
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Doch der gewohnet ist, sich selbst an dir zu preisen,
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Der hats vor mich gethan, daran genüget dir.

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Wir giengen heute hin zum theuren Bräutigam,
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Wir banden unsre Last auf seinen breiten Rücken,
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Und liessen uns davor von ihm aufs beste schmücken,
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Der unser beyder Amt vor dißmal auf sich nahm.

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Nun gehts von neuen an, die Monden, die der HErr
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Zu unsrer Schmückungs-Pracht uns gnädig zugeleget,
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Biß er sein Bräut’gams-Bild uns recht ins Hertz gepräget,
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Die eilen, und der Tag der Hochzeit näher her.

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Die Monden laßt uns doch von heute, liebes Kind!
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Sie währen noch so lang, vor eintzle Tage halten;
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Damit wir in dem Ernst nicht säumen noch erkalten,
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Und uns das Braut-Geschrey mit heller Lampe find.

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Gelobet sey der HErr, der von dem Tage an,
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Da vor drey Jahren er dich krästig aufgewecket,
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Mit seiner Heiligkeit dich seliglich erschrecket,
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Und so ins Licht gestellt, viel Heyl an dir gethan.

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Diß
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Der Tag, Mariä Heyl, fand dich zu JEsu Füssen,
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Vor Liebes-Zärtlichkeit, und selger Reu zerfliessen;
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Drum bindt er dich auch an mit der Mariä Theil.

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Und solte er dir nicht nunmehr ein gantzes Hertz,
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Er hat es zugesagt, er wird daran gedencken,
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Gedencke du doch auch so fleißig Himmel-werts.

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An meiner Pflicht dabey will ich nicht säumig seyn;
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Der Heyland wolle nur den mir gegebnen Willen,
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Zu seiner Herrlichkeit, an meiner Statt erfüllen,
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Wir treten in den Bund vor seinen Augen ein.

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Was nun das Hertz gedacht, als unser beyder Mund,
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Einander wahre Treu und Liebe zugesaget,
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Und wir bereits auf ihn, in Einfalt loß gewaget,
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Und was im Ringe steht,

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Denn wird sich unser Geist, den er erlöset hat,
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Zur Treue gegen ihn mit Redlichkeit bequemen;
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So dürffen wir uns einst vor seinem Thron nicht schämen.
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O! liebten wir ihn nur im allerhöchsten Grad!

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Du Freund der Seelen! du, für uns erwürgtes Lamm!
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Komm! schreib uns in die Zahl, (nicht derer Königinnen,)
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Nein! Einer, die du liebst, daß wir dich gantz gewinnen,
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Und endlich hohle uns zur Braut, o Bräutigam!

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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