XxI. An seine Gemahlin an ihrem 22sten Jahr-Tage. Am 7. November

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XxI. An seine Gemahlin an ihrem 22sten Jahr-Tage. Am 7. November (1735)

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Gesegnete des HErrn! gedenck an unsern Bund,
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Und komm, den Lebens GOtt gantz kindlich anzubeten,
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Versencke dich gantz tief in seinen Liebes-Grund,
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Der ehmals auch vor dich so Höll als Tod zertreten!
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Er hat an Leib und Geist dich seeliglich geführt;
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Er hat dich vor der Bahn der Lästerer behütet;
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Dein annoch zartes Hertz hat er mit Ernst gerührt;
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Noch eh in deiner Brust was feindliches gewütet.
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Du fühltest, Wertheste! von deiner Jugend auf
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Ein Treiben zu der Welt; ein Licht von falschen Scheine;
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Erhellete die Bahn von deinem ersten Lauff,
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Und deines Willens Trieb war eben nicht so reine.
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Insonderheit bewarb sich eitele Vernunfft,
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Die mit der schönsten Art sich heilig weiß zu brennen,
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Um deine gantze Gunst, und lockte in die Zunft
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Derjenigen, die sich die weisen Christen nennen;
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Die Zunft, die überall den besten Preiß erjagt,
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Die Eitelkeit verschmäht, davon kein Ruhm zu hoffen.
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Der Hauffe, welcher viel von JEsu Liebe sagt,
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Und der den rechten Punct des Glaubens nie getroffen:
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Die Zunft, davon ich selbst bey nah ein Mitglied war,
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Die Einfalt JEsu wohl vor eine Tummheit hielte,
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Und ihr gesegnet Creutz vor furchtbare Gefahr,
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Dem Tantzen fluchete, und ohne Vortheil spielte:
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Die Schaar, die ohne Scheu der armen Christen lacht,
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Und ihres Helden-Fahn zu einer Jrr-Standarte,
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Den Ruhm der Niedrigkeit zu eignem Geiste macht,
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Und lästert, daß man nur auf Wunder-Züge warte;
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Die aber alles das so reiflich überlegt,
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Daß man gar oftermahl ihr Bitteres vor Süße,
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Jhr Spotten freundlich hält, und was sie böses hegt,
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Und was uns stürtzen will, sich immer träumen ließe.
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Die ist es, die dich bald, Geliebte! angelockt,
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Und die das Christenthum der Kraft verleiden wollen;
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So, daß du in dem Ernst bald hie, bald da gestockt,
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An statt, daß sich dein Fleiß und Eifer mehren sollen,
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Das weiß ich, liebstes Kind! aus dem, was deine Treu
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Mir als dem Nähesten in Liebe selbst vertrauet.
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Allein, wie preise ich den guten GOt
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Daß er bey alle dem dich gnädig angeschauet;
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In solchem Stande bin ich von der guten Hand
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Des lieben Vaters selbst hieher geleitet worden;
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Da knüpfte GOtt zuerst das innerliche Band,
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Da ward der Heyraths-Schluß gefaßt im Wächter-Orden.
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Doch wurde die Gedult und die Gelassenheit
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Nach jedes Nothdurft erst absonderlich probiret;
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Und nach verflossener geraumer Warte-Zeit,
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Der wunderbahre Rath der Weißheit ausgeführet.
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So können ewiglich sich ihres HErren freun,
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Die er gewürdigt hat gerecht in ihm zu machen;
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Wenn andre Menschen sich vor seinen Wegen scheun,
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So windet sie ihr Freund aus den verwirrt’sten Sachen.
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Sein Seegen breitet sich auf Kindes-Kinder aus,
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Ins weit entfernt’ste Glied verdoppelt sich die Gnade,
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Und endlich bringt Er die in ein beständigs Hauß,
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Die hier nicht wohneten. Denn Welt war ihnen Schade. Phil. 3.
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Wohlan, die Zeit ist kurtz, die Gnade sey mit dir!
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Ich wolte dir wohl sonst, mein Hertz! genauer sagen;
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Allein dis sey genug: Gehülfin! tragen wir
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Sein Joch; so werden wir auch seine Palmen tragen.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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