XiX. Eigene Hochzeit-Gedancken. Am 7. Septemb

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XiX. Eigene Hochzeit-Gedancken. Am 7. Septemb (1735)

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Cron und Lohn behertzter Ringer,
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Der Seeligkeit Herwiederbringer,
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HeRR JESU, HERR der Herrlichkeit,
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Schau vor deines Thrones Stuffen,
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Zwey Seelen, welche zu dir ruffen,
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Sie wären gerne benedeyt.
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Du seegnest ja so gern, Geseegneter des HErrn,
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Wir begehrens,
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So komm herein, wir sind ja dein,
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Und laß uns recht geseegnet seyn!

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Brunnquell aller Seeligkeiten,
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Ach! fahre fort uns zu bereiten
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So, wie es dir gefällig ist:
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Wir als von Natur verdorben,
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Wir sind dem Leben abgestorben,
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Darinnen du zu finden bist.
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So tödte doch den Feind, der uns zu stürtzen meynt,
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Vollbringe nun, uns abzuthun,
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Daß wir in deinem Tode ruhn.

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Seelig sind die Geistlich Armen,
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Sie finden leichtlich dein Erbarmen,
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Da im Gegentheil die Reichen,
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Und die gar satt sind, ferne weichen
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Von deines Königreiches Zier.
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Ach! mach uns Arme reich, doch deiner Armuth gleich.
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Gib uns, JESU,
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Den reichen Muth! dem irrdisch Guth
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Recht weh, und Armuth sanffte thut!

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Seelig sind, die leide tragen,
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Sie sollen Trosts genug erjagen;
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Jhr Hertzog gieng den Weg voran:
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Stieg Er auf durch Creutz und Leiden:
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So will Er uns den Kelch bescheiden,
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Der Jhm hienieden gut gethan,
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Uns ist in dieser Zeit kein Feyertag bereit;
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Hier gilts Weinen:
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Beym Lammes-Mahl ist keine Quaal;
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Wir aber gehn durchs Jammerthal.

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Seelig sind die sanfften Geister,
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Sie sind auf Erden Herrn und Meister;
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Und niemand sieht es ihnen an;
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Da sie doch durch stillen Wandel
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In allerley Geschäfft und Handel
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Jhr Lammes-Wesen dargethan.
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Es ist ihr Bräutigam, das erstgebohrne Lamm,
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Lamm und Löwe,
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Gar sanfft und weich, doch starck zugleich;
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So sind auch die aus seinem Reich.

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Wenn der Feinde stoltze Rotten
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Der armen Einfalt JESU spotten,
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Und seiner sanfften Lämmerlein;
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Und unverrückt am Cörper hangen,)
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So müssen sie offt schrecklich seyn.
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Scheint einem Goliath der kleine David matt,
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Will er höhnen;
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So fährt ein Stein zur Stirn hinein,
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Dem, der ein Riese wolte seyn.

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Seelig (gleich dem Lebens Fürsten,) Sind alle, welche sehnlich dürsten,
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Und hungern nach Gerechtigkeit,
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Sollen auch gesättigt werden;
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So, wie ihr Goel hier auf Erden,
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Zur vorbestimmten Leidens-Zeit,
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Den Durst in seinem Theil nach unsrer Seelen Heyl
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Wohl empfunden:
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Wer in der That, so Hunger hat,
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Und also dürstet, der wird satt.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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