XvII. Auszug aus einem Hochzeit-Gedich- te an den jungen Herrn Francken in Halle

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: XvII. Auszug aus einem Hochzeit-Gedich- te an den jungen Herrn Francken in Halle (1735)

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Nach vielen unbequemen Stunden,
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Nach jenes langen Winters Plag,
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Hast du ein lieblichs Loß gefunden,
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Und siehest einen Sommer-Tag;
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Nach Kranckheits-Noth
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Entweicht der Tod,
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Und durch der Auferstehung Krafft
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Empfängst du neuen Lebens-Safft.

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Wie süß ist doch des HErren Liebe!
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Wie unerforschlich ist sein Rath!
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Wie mächtig seines Zuges Triebe!
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Wie würcksam seiner Hände That!
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Dich stöst der HErr
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Nicht ferne von des Vaters Hauß
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In eine reiche Erndte aus.

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Nur mich, das ärmste seiner Kinder,
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Mich seinen matten Säugeling,
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Mich heist der holde Freund der Sünder
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Bey nah ein unbeqvemes Ding.
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Ich nahe kaum
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Zum engen Raum,
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Und auf die schmale Pforte zu,
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So unterbricht er mir die Ruh.

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Wohlan, es ist ja seine Weise,
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Er würckt, wir sind nur Handwercks-Zeug:
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Er zieh mich nur gemach und leise,
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Denn ich bin gar ein schwacher Zweig;
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Soll solch ein Reiß
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Zu seinem Preiß
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Mit Fruchten angefüllet seyn,
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So pfropf ers in sich selber ein.

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Wie komm ich nur auf solche Sachen?
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Was schreib ich öffentlich davon?
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Das ist ja nur der Welt ihr Lachen,
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Das lieset Jsmael mit Hohn.
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Ist wahr? Allein
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Jetzt kan es seyn,
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Daß man sich laut ergötzen mag;
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Dann heute ist ein Hochzeit-Tag.

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Stimmt aber auch der Freund der Seelen
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Mit diesem ihren Vorsatz ein,
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Daß sie sich anderwärts vermählen,
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Sie, die schon lange feine seyn?
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Es scheint fast nicht;
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Diß reine Licht
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Haßt alles frembden Feuers Pracht,
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Das sich zu seinem Altar macht.

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Und viele liebe GOttes-Kinder
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Vermeynen dieses eben auch,
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Der Liebe unserm Uberwinder
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Mißfalle dieser Welt-Gebrauch;
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Wo man sich noch
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Ein ander Joch,
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Zu ihrer Liebes-Bürd und Plag,
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Auf seine Schultern binden mag.

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Daß unsrer Seelen Hut und Wache
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Beym Ehestand verdoppelt wird,
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Ist eine ausgemachte Sache,
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Und wird darinnen sehr geirrt.
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Man machet sich
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Gemeiniglich
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Die Ehe gar zum leichten Ding,
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Und ihre Mühe scheint gering.

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Drum wenn man weißlich überleget,
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Wie Mangel, Creutz und mancher Dampf
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Sich mit der Eh zugleich erreget,
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Und wie, in diesem schweren Kampf,
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Manch lüstern Lamm
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Den Bräutigam
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Verschertzt mit samt der Jungfrauschafft,
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Indem es sich ins Fleisch vergafft:

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So möchte man sich wohl bedencken,
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Obs kein verwegner Handel sey,
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Sich also leichtlich wegzuschencken.
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Gewiß, ich stimme Paulo bey;
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Die beste Eh
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Halt ich vor Weh,
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Es sey der Mann denn Christi Braut,
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Und auch das Weib dem HErrn vertraut.

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Auf diese Weise laß ichs gelten,
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Daß du dir eine Braut erließt,
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Wenn Christus dir vor tausend Welten
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Und vor dir selbst am liebsten ist,
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Und ist dein Weib
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Ein Glied am Leib
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Des Bräutigams; so lieb es dann
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Allein in Jhm, denn Er ist Mann.

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So darffst du denn auch wenig sorgen,
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Wie lange sie bey dir verweilt;
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Vielmehr da heute oder morgen
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Die Ehgehülffin heimwarts eilt,
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So dringt dein Sinn,
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Zugleich dahin,
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Wo sie beym rechten Schatze ruht,
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Und hält es ihm und ihr zu gut.

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Sie läst sichs ebenfalls gefallen,
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Wenn JEsus ihr verlobter Freund,
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Mit dem sie, vor den andern allen,
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Es hertzlich gut und redlich meynt,
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Den lieben Mann,
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Der sie gewann,
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Aus dieses Lebens rauher Lufft
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In seine stille Hütte rufft.

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Nur will gar viel darzu gehören
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In dieser Fassung fest zu stehn:
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Man läst sich durch das Fleisch bethören
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In göldne Fesseln einzugehn,
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Man meynt dabey:
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Wie starck man sey?
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Und wann man sich verstricket hat;
111
So ist die Reue gern zu spat.

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Drum ists ein sonderlicher Seegen,
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Wen, in der Grund-verderbten Welt,
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Der HErr in seinen schlechten Wegen
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Und in dem rechten Gleiß erhält.
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Wenn einige
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In ihrer Eh
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So ehrlich sind und unbefleckt,
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Daß sie der Bräutgam einst nicht schreckt.

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Daß Ehen so bestehen können,
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Muß ewig eine Wahrheit seyn.
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Paul darff sie Ehrenwürdig nennen.
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Das stimmte ja nicht überein;
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Wenn einge Lust
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Gott unbewust,
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Und die nicht in sein Reich gehör,
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Jm Ehestand erlaubet wär.

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Es wird zwar Fleisch vom Fleisch gebohren,
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Und das aus GOttes weisem Rath,
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Der, eh der Mensch sein Bild verlohren,
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Jhm schon ein Weib erbauet hat:
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Die Lüsternheit
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Drang nach der Zeit
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Auch auf die liebe Ehe an,
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Und machte sie ihr unterthan.

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In denen drauf gefolgten Tagen,
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Wards endlich so wie ietzt bestellt;
138
Da sich die Kinder GOttes wagen
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In das Gedränge dieser Welt.
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Sie trauen sich
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Gar sonderlich,
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Und gehen mit der Lust zum Tantz;
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So kommen sie um ihren Crantz.

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Da mengen sich die Kinder GOttes
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In allen Koth der Eitelkeit,
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Und schämen sich des kleinen Spottes
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In dieser kurtzen Prüfungs-Zeit.
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Das war nun auch
149
Vor Alters Brauch,
150
Da sah sich GOttes Eigenthum,
151
Nach Töchtern dieser Erden um.

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Allein, wie ist es abgelauffen?
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Das währte bis die Sünd-Fluth kam,
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Und diesen angesteckten Hauffen
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Jm Eifer von der Erde nahm.
156
Da sahe man
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Mit Schrecken an,
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Wie sich der Liebes-Geist erwieß,
159
Und seine Ehre niemand ließ.

160
Die Boßheit bricht zu unsern Zeiten,
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Als eine Sündfluth, da herein;
162
Die Welt ist voll von bösen Leuten;
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Weil viele unerfahren seyn,
164
Was Hurerey,
165
Was Ehe sey
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Und sich, als nach der Thiere Art,
167
Das eine mit dem andern paart.

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Drum, die ihr aus dem höchsten Wesen,
169
Und aus dem Geist gebohren seyd,
170
Die sich der HErr zur Braut erlesen,
171
Verbindet euch zu dieser Zeit;
172
Folgt nah und fern
173
Dem Jacobs-Stern;
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Und wie euch der beruffen hat,
175
So wandelt, nicht nach eurem Rath.

176
Seyd ihr, dem Lamme nachzueilen,
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Voll obenher entflammter Brunst,
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Und denckt euch nimmermehr zu theilen:
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So lernet diese edle Kunst,
180
Und lernt dabey.
181
Was Demuth sey,
182
Die richtet keinen frembden Knecht,
183
So werdet ihr dem Freunde recht.

184
Und ihr, die GOttes weiser Wille
185
Ins Eheband beschlossen hat,
186
Bestrebet euch nach wahrer Stille,
187
Und fragt des HErren Wort um Rath.
188
Ein Ehe-Mann
189
Ist übler dran,
190
Denn Christi Freygelassener,
191
Und eine Ehe-Frau hats schwer.

192
Das muß euch aber nicht verhindern
193
Jm keuschen Kampfe treu zu seyn:
194
Sprecht, gleich den wohlgezognen Kindern,
195
Fein offt ins Vaters Hause ein,
196
Und bittet ihn
197
Euch selbst zu ziehn,
198
Damit der Geist, trotz Fleisch und Welt,
199
Der Keuschheit Sieg und Crantz erhält.

200
Der Mann sey GOttes Bild und Ehre,
201
Das Weib des Mannes Ehren-Cron,
202
Der Mann erbaue, beßre, lehre.
203
Das Weib weiß offt vielmehr davon;
204
Allein ihr Sinn
205
Geht nur dahin,
206
Wie sie im sanfften stillen Geist
207
Sich ihrem Ruff gemäß erweist.

208
Das wäre, möchte einer sagen,
209
Wohl alles gut und wohl bestellt;
210
Alleine, wenn wir weiter fragen:
211
Wies um die Leibes-Früchte hält?
212
Das Fleisch ist todt,
213
Ein Greul vor GOtt.
214
Hört Paulum, der spricht freudig drein:
215
Daß unsre Kinder heilig seyn.

216
Giebt einem nun der Schöpffer Erben;
217
Die zieh man ihm, nicht Menschen auf,
218
Man lerne sie ihm leben, sterben,
219
Und zeig in seinem eignen Lauff:
220
Wie man die Zeit
221
Zur Ewigkeit
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Beschleunigen, und seinen Fuß
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Auf GOttes Wege richten muß.

224
Wenn viele so gesinnet wären,
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Verbliebe manches Aergerniß,
226
Damit die Menschen sich beschweren;
227
So siegeten wir gantz gewiß.
228
Der Welt Gebrauch
229
Ist immer auch:
230
Genau auff Jsrael zu schaun;
231
Wie würd’ ein solch Exempel baun?

232
Und die sich an die Ehe stossen,
233
Weil sie so wenig Ehen sehn,
234
Die, weil sie erst aus GOtt geflossen,
235
Auch wiederum zu GOtte gehn,
236
Die fiengen dann
237
Vermuthlich an,
238
Wenn es sich anders zeigete,
239
Und lobten solche keusche Eh.

240
Erlaube mir, hier abzubrechen,
241
Herr Bräutigam, und nur mit Dir,
242
Noch ein Ermuntrungs-Wort zu sprechen,
243
Du bist wohl gleiches Sinns mit mir?
244
Du wirst diß Band,
245
Das GOtt erkannt,
246
Euch beyden nutz und gut zu seyn,
247
Des Lammes süsser Liebe weyhn.

248
So wird des erstgebohrnen Nahme,
249
Auch über eurer Liebe ruhn,
250
Und euer ihm geweyhter Saame,
251
Wird nach des HErren Weise thun.
252
Dann werdet ihr,
253
So dort als hier,
254
In JEsu Liebe nimmer matt,
255
Und einst in reiner Wollust satt.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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