Ix. Morgen-Gedancken. Jm May zu Berlin

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Nicolaus Ludwig von Zinzendorf: Ix. Morgen-Gedancken. Jm May zu Berlin (1735)

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Glantz der Ewigkeit,
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Gott und HErr der Zeit!
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Sey von allen Creaturen
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Vor die neu erregte Spuren
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Deiner Gütigkeit
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Hoch gebenedeyt.

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Diese finstre Nacht
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Ist zum Schluß gebracht,
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Und die Strahlen heitrer Sonne
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Brechen, zur gemeinen Wonne,
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Durch die dunckle Macht
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Der vergangnen Nacht.

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Sehen wir denn nicht
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In dem Morgen-Licht
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Einen Strahl von grössern Kräfften,
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Und durchdringendern Geschäfften?
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Sehen wir dich nicht,
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Zions Sonnen-Licht?

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Ach! du blinckest zwar;
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Aber unser Staar,
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Unsre Blindheit muß mit Schrecken
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Sich vor deinem Blitz verstecken:
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Unsrer Augen-Staar
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Wird dich nicht gewahr.

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Eile doch herbey,
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Mit der Artzeney:
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Räume weg die dicken Felle,
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Mache unsre Augen helle,
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Sonst ist unsre Noth
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Aerger als der Tod.

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Und weil in der Zeit
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Nacht und Dunckelheit
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Unser Licht so hefftig schwächen,
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Und so offte unterbrechen;
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Voller Dunckelheit:

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So verkläre bald
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Deines Lichts-Gestalt:
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Oeffne die verschloßne Siegel,
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Brich den unvollkommnen Spiegel,
40
Und verkläre bald
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Unsere Gestalt.

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Doch wenn dirs gefällt,
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Daß wir auf der Welt
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Länger noch mit lahmen Füssen
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Unsre Strasse wandeln müssen;
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O so zeig uns nur
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Die gerade Spur.

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Richte unser Hertz
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Zeitlich Himmel-wärts,
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Daß die Zeichen dieser Zeiten
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Uns zur letzten Zeit bereiten,
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Richte unsern Sinn
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Auf das Ende hin.

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Gibt es in der Zeit
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Schein-Vergnüglichkeit:
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So verleide uns ein Leben,
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Das kein wahres Wohlseyn geben,
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Noch den letzten Tag
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Uns versüssen mag.

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Solls uns harte gehn,
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Laß uns feste stehn,
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Und so gar in schweren Tagen
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Niemahls über Lasten klagen;
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Denn das ist der Weg,
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Zu der Sternen-Steg.

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Kracht der Hütten Thor,
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Zeuch den Geist hervor,
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Laß ihn zu den frohen Schaaren,
69
Der erlößten Geister fahren,
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Jmmer sehen mag.

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Dann ists mit dem Graus
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Aller Nächte aus
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Denn ein unverrückter Schimmer
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Deckt der Auserwählten Zimmer;
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Dieses Tages-Pracht
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Scheuchet keine Nacht.

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Hilff uns dahinan
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Auf der Bundes-Bahn,
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Laß uns durch dein nächtlich Leiden
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Aus der Nacht der Erden scheiden;
81
Und durch deinen Krieg,
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Jesu, gib uns Sieg.

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Eilt ihr Tage fort,
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Nähert euch dem Port:
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Zeiten, möcht ihr doch verschleichen,
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Und aus unsern Augen weichen,
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Aber seyd
88
In der Ewigkeit.

(Zinzendorf, Nicolaus Ludwig von: Teutscher Gedichte Erster Theil. Herrnhuth, 1735.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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