Die künstliche Spinne mit ihren künstlichen Geweben

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Johann Justus Ebeling: Die künstliche Spinne mit ihren künstlichen Geweben (1747)

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Recht wunderbar ist es im Reiche der Na- tur,
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Daß die verächtliche, verworfne Krea-
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Die man mit Ekkel sieht, die größten
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Zum Zeugnis weiser Macht an allen Gliedern trä-
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Die Thiere, die man sonst, das Ungeziefer nennt,
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Weil man derselben Werth und Schönheit nicht
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Sehn wir als Greuel an, die Ekkel uns gebähren,
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Wenn wir von Ohngefehr, darauf die Augen keh-
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Und diese sind dennoch der Allmacht Meisterstük
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Und fordern billig auch, daß wir mit unsern Blik
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Und Andacht sie besehn; weil wir des Höchsten
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Nebst seiner weisen Macht, in allen forschen müssen.
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Die scheuche Zärtlichkeit, verdekket das Gesicht,
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Wenn eine Spinne läuft, und achtet solche nicht,
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Da doch dies Rennethier, recht wunderbar formi-
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Und nach des Schöpfers Zwek recht weislich ausge-
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Wollan! last uns sie sehn! und seid nicht Ekkelhaft:
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Es ist betrachtens werth, was unser Schöpfer schaft.
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Was er gemacht ist gut, und alle irrn und fehlen,
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Die der Insecten Art, mit zu dem Bösen zählen.
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Der Spinnen Wunderbau, ist zwiefach anzusehn,
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Weil sie aus Kopf und Brust am Vordertheil bestehn,
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Der mit dem Hintertheil wie durch ein Nez ver-
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Das wie ein dünner Drat recht zärtlich ist gewunden.
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Der Vordertheil ist hart, mit Schalen übersezt
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Damit er nicht so leicht, werd eingedrükt, verlezt,
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Wenn sie im schnellen Lauf, bald hie, bald da hin-
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An einen Gegenstand, den sie vorher nicht kennet.
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Das Hintertheil ist nur mit dünner Haut belegt,
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Den sie mit leichter Müh im Lauffe fort bewegt,
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Der schlüpfrig; aber rauh von überwachsnen Haaren,
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Wie jeder der sie sieht in Anblik kan erfahren.
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Der Kopf ist wunderbar, man seh die Augen nur;
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So sieht man alsobald des weisen Schöpfers Spur,
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Aus diesen häutigen durchsichtigen Cristallen,
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In ein gerührt Gemüt mit Lust zurükke prallen.
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Sie sind nicht zugedekt, dagegen wol verwahrt,
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Die Augenlieder fehln, drum sind die Augen hart
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Bestehn, wie man gleich sieht aus lauter glatten
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Dadurch genießt die Spinn des äusren Lichtes
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Sie bleiben unbewegt: doch dieses schadet nicht;
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Weil sie acht Augen hat, darin der Schein sich
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Zwei hinten, zwei sind vorn, gedoppelt an den
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Und diese all bestehn aus dünn gewebten Häuten.
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Durch dieser Augen Zahl, wird jeder Gegenstand,
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Von einer jeden Seit, der Spinne gleich bekannt.
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Wer merket hieraus nicht, zu ihres Schöpfers
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Daß der der sie gemacht, sey mächtig, herrlich,
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Am Vorderkopf wird man zwei Stacheln auch ge-
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Wie Sägen ausgehakt, die wie ein dünnes Haar,
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Und dennoch wol geschärft, als wie ein Mordge-
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Und wenn sie ausgestrekt, sind sie wie eine Scheere,
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An deren jeden Spiz sich eine Klaue zeigt,
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Die sich wie eine Kling an einem Messer beugt
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Wenns eingeschlagen wird. Und unter diesen Spiz-
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Zeigt eine Oefnung sich draus ihre Gifte sprizzen.
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Man siehet dieses zwar als Kleinigkeiten an,
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Allein wer nur bedenkt, der dieses schaffen kan
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Der muß ein Wesen seyn, das vieles überdenket,
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Wenns ein so kleines Werk so schön zusammen
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Der Füsse hat sie acht, damit sie sich stets schwenkt,
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Und diese sind auch schön, nach ihren Zwek gelenkt,
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Sie sind am Ende krum, woran dreifache Klauen,
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Die gleich beweglich sind, wie Nägel anzuschauen.
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Ein Nagel ist sehr klein, sieht aus, als wie ein Horn,
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Und wie am Hahnen Fuß ein krum gebogner Sporn,
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Damit hält sie sich fest, an ihren dünnen Kün-
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Ich meine an den Zart verworrenen Gespinsten.
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Die andren Klauen sind, mit Zakken stark ver-
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Durch deren Hülfe sie im Hängen leicht fortgehn,
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Die Spizzen können sie in glatte Körper schlagen
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Damit sie sich getrost so gar auf Spiegel wagen,
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Und lauffen hurtig fort, und hängen sich daran,
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Und lauffen ohne Fall, auf dieser glatten Bahn.
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Sie können sie so gar bei umgekehrten Rükken,
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Jm Hängen überall, auch wo sie sind eindrükken.
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Es sieht sehr künstlich aus, wenn man sie lauffen
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Vornemlich wenn ein Feind, den sie nachjägt weg-
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So eilt sie wie im Flug, und an dem glatten Hö-
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Kan sie im Augenblik sich vielmahl anders drehen.
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So zakkicht ihre Klaun, damit sie sich forträgt,
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So zart sind sie dabei, und wenn man dies erwegt;
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So schliesset man gar leicht, daß sie durch vieles
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Dieselben im Gebrauch, gar bald abnüzzen kön-
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Damit dies nicht gescheh; sind sie mit Balln ver-
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Die nah an Klauen sind, worauf sie öfters gehn,
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Und wie mit sanften Tritt ganz leise einher fahren,
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Dabei sie ihre Klaun einziehen und ersparen.
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Wenn man dies abermahl, mit stiller Lust erwegt,
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So sieht man welche Kunst, in dieses Thier gelegt,
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Und macht daraus den Schlus: Ein Meister der
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Zeigt seiner Hände Werk, an diesem Kunstgehäuse,
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Der es so klein formirt und doch dabei belebt,
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Daß es gar schnell fortrennt, am glättsten Flächen
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Doch last uns weiter gehn, die Spinne mehr be-
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So werden wir vielleicht, dieselben höher achten,
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Als sonsten nicht geschieht. Sie hat noch überdem
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Zwei Füsse, die zwar nicht zum Gehen sind bequem,
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Doch ebenfals sehr nüz, damit greift sie im Streite,
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Den Feind im Grimme an, damit faßt sie die
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Wornach sie hungrig ist, und sie so gierig sucht,
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Wornach sie eifrig strebt, wenn sie auf ihrer Flucht,
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Die sie im Raub erjagt, wenn es ihr ist geglükket,
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Daß sie in ihren Garn ein andres Thier bestrikket.
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So künstlich als dies Thier durch eine weise Macht,
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Nach seinen Zwek gelenkt, und gut herfürgebracht;
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So künstlich ist der Trieb, den wir an Spinnen
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Auch sich ein dünn Geweb, das schön geformmt,
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Wenn man ein Spinngeweb, mit Achtsamkeit an-
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Wie seine Fädgens gehn, wie es sich dreht und
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So sieht man eine Kunst, die warlich sonder glei-
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Und Menschen Hände nicht an Zärtlichkeit erreichen.
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Wer dieses überdenkt, daß ein so dummes Thier,
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Ein Regelmäßiges Gespinste bring herfür,
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Der muß Verwundrungs-voll dabei gleich einge-
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Er habe,
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Auf lasset uns mit Lust, darauf die Augen kehrn,
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Wie sie die Faden dreh, zum Ruhm des Schöpfers
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Wir wissen daß das Garn, was sie aus sich herspin-
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Maß aus dem Bauche gehn, und daraus gleichsam
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Man wird am Unterbauch der Spinnen Eiter sehn,
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Die fünffe an der Zahl, woraus viel kleine gehn,
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Die öfnen, schliessen sie nach ihren Lust und Willen,
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Daraus ein klebricht Naß und dikke Säfte quillen,
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Womit sie angefüllt. Gehn die Sprizlöcher auf,
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So rinnt daraus der Saft; dann eilt sie fort im Lauf
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Und zieht den Faden nach, der aus dem Saft entstehet,
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Denn sie erst fest gemacht, und immer länger drehet
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Bis sie die Eiter schliest. Ist diese wieder zu,
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So hat sie dennoch nicht von ihrer Arbeit Ruh;
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So bleibet sie dennoch an diesen Faden hängen,
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Steigt immer höher auf, bis sie durch das Ver-
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Ein dünn Gewebe macht, daß wie ein Räuber Nest,
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Wenn man es recht beschaut in unsern Augen läßt.
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Es ist dasselbige recht listig angeleget,
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Wenn man denn innren Theil allwo sie liegt, erweget.
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Wer hat ihr das gelehrt, daß sie so nach der Kunst,
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Den Faden drehen kan: damit der dünne Dunst
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So woll gestrikket sey? Wir müssen eingestehen,
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Daß dieses alles so durch die Natur geschehen.
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Allein was heist Natur, und ihr verborgner Zug,
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Der eine Spinne treibt, daß sie so listig klug?
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Mir deucht wir können hier ein ewig weises Wesen,
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Der ihr dies eingeprägt, in klaren Zügen lesen.
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Man sehe nur einmahl der Spinnen Handlung an,
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Die man nicht gnug besehn, nicht gnug bewundern
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Sie sieht den Plaz sich aus in dies und jene Ekken,
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Ein Raubnest aufzubaun, darin sich zu verstekken.
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Die Eiter öfnet sich, es fliest ein Tropfen fort,
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Der klebet sich so gleich an den bestimmten Ort,
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Dann geht sie weiter hin und läst das Sprüzloch
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So weit der Faden sich der Läng nach soll ergiessen,
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Da macht sie solchen auch mit ihren Safte fest;
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Spannt ihn hernachmahls aus, da sie ihn hängen
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Daneben klebet sie mit ihren Eitersäften
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Den andern wieder an, die sie so anzuheften,
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In freier Luft gelernt. Sind diese erst verknüft;
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So sieht man wie die Spinn auf diesen Seilen hüpft
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Und sie zusammen zieht, und von einander lenket,
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Wie sie es haben will, nach ihren Trieben denket.
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Sie zieht stets Faden aus, und hängt sie immer auf,
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Bey ihren hurtigen und nimmer müden Lauf,
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Und da ist denn ihr Garn am Weberstul gebunden,
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Und das Gerüst gespannt, daß weiter wird gewunden.
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Darauf ist sie bemüht, um des Gewebes Rand,
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Läst alle Eiter loß, und bringet ihn zum Stand,
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Befestiget ihn stark mit den gefloßnen Strikken,
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Die sie gar füglich weis in ein stark Seil zu rükken,
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Die Spinne ist recht klug; und weis auch dieses wol,
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Daß das verwahrt seyn muß, was feste halten sol,
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Drum macht sie es auch fest, daß es nicht kan verwehen
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Wenn etwa Luft und Wind durch seine Hölen ge-
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Wie wunderbahr ist nicht ein solches Nez gestrikt,
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Wenn man es aussenwerts nur obenhin erblikt;
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Man seh es aber auch wie es von innen scheinet,
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Wie jeder Faden sich zum Mittelpunct vereinet
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Allwo die Spinne liegt, die alsobald verspürt
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Wenn sich an dem Geweb der kleinste Faden rührt.
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Dann lauret sie auf Raub, und faßt es mit den
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Was als ein dummes Thier ist in ihr Garn gefal-
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Und davon lebet sie in ihrer stillen Ruh,
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Und sieht nur immer fort dem Spiel der Mükken zu
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Die ihre Beute sind, und die gar leichtlich fangen,
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Wenn sie erst in dem Nez mit ihren Flügeln hangen.
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Die Spinnen halten auch, wenn es will möglich
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Jhr zart gewebte Nest von allen Staube rein,
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Der durch die Menge schwer, es leicht so drükken
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Daß sich das fein Geweb aus seiner Ordnung
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Doch, wenn es ja zerreist, von Menschen wird zerstöhrt,
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Wie ihnen täglich fast in Zimmern wiederfährt;
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So sind sie gleich bereit nach solcher Art zu drehen,
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Wie wir vorhero schon, nicht ohne Lust gesehen.
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Gewis, wer dies bedenkt, der siehet daran klar,
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Daß
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Daß er ein dummes Thier, das wir mit Spott be-
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Könn durch verborgnen Trieb zu einen Künstler machen.
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Wenn wir die Spinnen so, als sein Geschöpf an-
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So werden wir in ihr auch seinen Ruhm erhöhn:
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Und in der Kreatur, und ihren Kunstgeweben,
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Den Meister jeder Kunst, der droben wohnt, erheben.
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Wie selten das geschicht, ist leider gnug bekannt,
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Weil man dieselbigen als einen Greul verbannt.
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Ich gebe gerne zu, daß wir die Spinnen fliehen,
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Daß wir von ihnen auch gar keinen Nuzzen ziehen;
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Weil ihr Geweb nichts taugt, und alle ihre Kunst,
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Ist wenn mans recht besieht ein zart gestrikter
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Allein wir könten auch von denen Spinnen lernen,
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Die wir als giftig scheun, davon wir uns entfer-
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Die Menschen sind oft selbst den Spinnen würklich
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Jhr Thun ist eitles Nichts; ob es an Kunst schon
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Man seh Gelehrte an, ihr fleißiges Bestreben,
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Bringt öfters nichts hervor als schöne Spinneweben,
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Wenn sie bey Tag und Nacht durch forschendes
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Aus ihren feuchten Hirn, so zarte Grillen ziehn,
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Die keiner nutzen kan, da sie doch ängstlich kreißen,
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Bei einer Misgeburth, die leichtlich zu zerreissen.
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Diejenigen die nichts als Torheit ausgedacht,
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Und sich darüber doch so viele Müh gemacht,
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Sind denen Spinnen gleich, die schön doch nichts
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So kommen mir die vor, die Lehren ausgesonnen,
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Die weiter zu nichts nuz, als daß man sie vergißt,
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Wenn man aus Neubegier, ihr leeres Räthsel ließt.
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Die Spinne macht Geweb, die Mükken zu bestrik-
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Da sie mit ihrer List die Einfalt auch berükken.
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So machen es die auch, die mit Spizfindigkeit,
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Als Spötter voller Gift Lehrsäzze ausgestreut,
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Die durch die falsche Kunst des aufgeblähten Wissen,
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Durch blendende Vernunft und durch verwirrtes
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Die Einfalt oft bethörn. Die so die Welt verführn,
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Und sich mit einem Lob der starken Geister ziern,
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Die rühmen ihre Kunst und des Verstandes Gaben,
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Die sie vor anderen von
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Sie sagen: wer darf sich, wie wir woll unterstehn,
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Ein solches Lehr-Gebäu so künstlich auszusehn?
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Die GOttes-Lehrer seyn, das sind nur dumme Köpfe:
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Wir aber sind allein recht wizzige Geschöpfe.
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Jhr Spötter prahlet nicht, seht eine Spinne an,
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Die eben das auch so, ja noch woll besser kan.
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Der Spinnen Eigenschaft ist daß sie sich bemühen,
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Auch aus der schönsten Blum, aus Rosen Gift zu
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Und dieses thut ihr auch, wenn ihr die Schrift be-
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Und bei den klärsten Licht, doch über Schatten klagt;
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Jhr könnt die Heilge Schrift und ihre Warheits-
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Als einen süssen Saft in bittres Gift verkehren;
245
Die Schuld die liegt an euch, weil in euch böses stekt,
246
Was Wunder daß eur Gift auch
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Der Spinnen Art ist es, daß sie Gewebe drehen,
248
Woran viel arge List und zarte Kunst zu sehen:
249
Das trift auch bey euch ein, ihr seid auch warlich klug,
250
Allein zum Bösen nur, zur Schalkheit und Betrug:
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Wer euch aus Einfalt folgt, der wird gar oft be-
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Und in ein Labirinth verkehrter Lehr gezogen.
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Die Welt die listig ist, vor Spinnen sich verwahrt,
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Zeigt leider oft genug an Menschen Spinnen-Art;
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Der Wizzigen Geschäft ist, wie sie Nezze stellen,
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Damit die Redlichkeit und Einfalt zu beschnellen:
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Jedoch man sieht auch oft, das Spinnen Faden
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Darin sie wie bestrikt, in ihrem Nez vergehn:
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So gehts den Bösen auch, die sich damit berükken,
260
Was sie nur aufgestellt, die Einfalt zu bestrikken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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