Ode oder Gesang/ Von Vberschönen augen

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Georg Rodolf Weckherlin: Ode oder Gesang/ Von Vberschönen augen (1641)

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Oder Lieb wahrer hort vnd port/
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Jhr meiner schönen Myrten augen/
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Wan anderst ein so schlechtes wort
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Kan euch zu nennen gnugsam taugen!
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Zwar augen kan man euch/ weil jhrem angesicht
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Jhr klare augen seit/ zu sein verläugnen nicht:
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Doch darff man euch kaum augen nennen/
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Weil jhr so schön vnd tugenthafft/
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Sondern von wegen ewrer krafft
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Muß man euch himmelisch bekennen.

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Zwar mit so wunderreichem pracht/
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Damit sich diese augen zieren/
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Kan (es sey gleich tag oder nacht)
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Der himmel selbs niemahls prachtieren:
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Wan schon dem himmel gleich jhr haitter glatte stirn
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Erleuchtet dise welt durch Euch/ als ein gestirn:
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So ist jedoch in euch vermischet
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Das braun vnd liecht mit solchem schein/
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Daß es ja muß ein wunder sein/
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Wie jhrer jedes Vns erfrischet.

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So darff auch mein warhaffter mund
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Euch mit der Sonnen nicht vergleichen/
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Weil jhr glantz (wie dem Vmbkraiß kund)
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Muß ewerm glantz vnd würckung weichen:
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Vnd zwayer Sonnen schein bedeutet krieg vnd layd/
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Da ewer Zwilling liecht erwöcket frid vnd frayd;
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Die Sonn durch jhre brunst beschweret/
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Die sie anschawen/ mit verdruß:
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Da jhr mit süssem lusts einguß
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Durch das gesicht das hertz versehret.

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Wer sich (glickseelig) kan in Euch
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Besehen/ wirt reichlich gesegnet/
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Dan jhr gantz wunderlich liebreich
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Sein hertz mit frewden vberregnet.
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Die strahlen ewers liechts/ vnd ewers anblicks glantz
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Seind zugleich der Lieb pfeil/ vnd auch der keuschheit
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schantz;
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Dan Sie mit lieb vnd lust entleben/
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Vnd dan mit süsser forcht vnd ehr
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Widrumb belebend/ Vns die lehr/
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Den Engeln gleich zu leben/ geben.

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Daher/ O augen braun vnd klar/
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Schwartzlecht vnd hell/ wie plitz vnd dunder;
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Der Schönheit vnd Lieb wieg vnd bahr/
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Der Natur schatz vnd gröstes wunder/
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Gantz vbermenschlich schön muß ich mit layd vnd
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wohn
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Bekennen Euch zugleich der Götter straff vnd lohn:
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Dan jhr könt ja mit ewern blicken
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(der Schönheit/ Lieb vnd Tugent sitz)
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Wie durch geschütz/ hitz/ spitz vnd plitz
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Das hertz zerstücken vnd erquicken.

(Weckherlin, Georg Rodolf: Gaistliche und Weltliche Gedichte. Amsterdam, 1641.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Georg Rudolf Weckherlin
(15841653)

* 15.09.1584 in Stuttgart, † 23.02.1653 in London

männlich

deutscher Lyriker

(Aus: Wikidata.org)

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