S chertzhaffte G edancken bey den Nahmens-Tag eines guten Freundes

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Christian Friedrich Hunold: S chertzhaffte G edancken bey den Nahmens-Tag eines guten Freundes (1702)

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Geliebter Hertzens Freund! Mein gestriges Versprechen
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Heist meinen schlechten Kiel dir heute dienstbar seyn;
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Doch deine wehrte Hand wird hier nichts kluges brechen/
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Denn unsre Losung hieß: Sauff aus/ schenck wieder ein/
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Der edle Reben-Safft will noch nicht Abschied haben/
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Und wischt in dem Gehirn die klugen Grillen aus/
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Es lieget die Vernunfft im Magen mit begraben/
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Und was ich gestern soff/ will heute wieder raus.
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Juch hey sa klinget mir noch stets vor meinen Ohren/
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Wie ruffte doch so schön das Echo wieder drauf.
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Man frißt und säuffet gleich/ so bald man wird gebohren/
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Drum wartet uns zur Lust auch gestern Bachus auf.
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Dein froher Nahmens-Tag ist nützlicher begangen/
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Als mancher Käyser ihn in seinen Land bestellt.
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Es darf den edlen Wein des Pöbels Durst nicht fangen/
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Weil die Verschwendung nicht bey dir die Hof-Stadt hält.
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Nein dieser theure Tranck/ den uns der Rhein gegeben/
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Fleißt lieblicher in uns als in die tolle Brut/
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Es bleibet doch der Wein die Qvintessentz im Leben/
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Er stärckt die Mutter wol/ und ist dem Vater gut.
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So schön als nun der Wein im Glase hat gesehen/
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So delicat er dir in deine Kehle floß/
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So schön wird heute dir auch die Vergnügung stehen/
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Ich weiß die Farbe gibt sich an der Stirne bloß.
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Jedoch ich wil den
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Hier ist ein treuer Wunsch aus der getreuen Brust:
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Halt was? Es will mir gar kein netter Reim gelücken/
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Drum Prosit nur einmahl/ mich deucht/ du hast gehust.
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Halt Prosit bringt den Kopff noch endlich in die Falten/
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Nun kömmt die Poesie gestolpert auf das Blat/
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Der gestrige Discurs/ den wir dabey gehalten/
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Der ist/ der meiner Noth noch ausgeholffen hat/
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Ich darff es dem Papier/ so wol als dir vertrauen/
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Es ist so stumm wie du/ und dein verschwiegner Mund/
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Und solt es unverhofft ein fremdes Auge schauen/
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So weiß es doch so viel als unser Butel-Hund.
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Nimm denn getreuer Freund! Den Wunsch aus treuen Hertzen
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Der Galgen werde dir in rechten zu erkandt.
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Deiu Nahme heisset mich/ Herr Müller mit dir schertzen/
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Ich habe/ nenn' ich dich schon einen Dieb genandt/
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Ein Dieb/ der neulich nur was kostbares gestohlen/
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Und zur Verwegenheit es allen lässet sehn.
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Wenn die aus Leipzig kommt/ und will es wieder holen/
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(du weist wohl/ was es ist/) wie wirst du da bestehn?
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Dir muß die Facultät das Hängen zu erkennen/
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Du hast den Strang darzu/ so knüpffe dich nur an:
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Den Galgen wil ich auch/ die schöne - - nennen/
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So hänge weil ich dich Herr Müller heissen kan.
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Doch ein gehangner Dieb ist zu anatomiren;
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Ach! armer Müller ach! wie würde dirs ergehn?
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Ich seh' im Geiste schon das schöne Werck vollführen/
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Und eine Legion von Jungfern üm dich stehn.
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Viel wollen sich das Maul zum Zeitvertreibe nehmen/
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Und stecken zum Voraus die Zungen gar hinein/
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Du weist wol/ daß sich jetzt die Mädgen nicht mehr schämen/
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Die - - doch der Kiel wil mehr als alle züchtig seyn.
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Diß wil in - - - mir die Erfahrung lehren/
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Die Meisten in der Stadt sind von der schönen Art/
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Welch tugendhaffter Geist erstaunet nicht zu hören/
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Daß sich das Geile Volck wie Mann und Weibchen paart.
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Die Eine wil sich gleich mit deinem Haar staffieren/
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Es läst dein reiner Kopff kein kleines Thierlein sehn/
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Doch manche/ die sich wil mit Favoritgen zieren/
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Läst/ den/ so es beliebt/ in reiffe Nüsse gehn.
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Die Andre wil sofort nach deiner Nase reichen/
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Denn hier ist Reinlichkeit/ kein Dreck noch Schnaub-Toback/
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Doch ihre könte sich dem Nacht-Stuhl wol vergleichen/
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Und trieffet ärger noch als wie ein Laugen-Sack.
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Die blauen Augen sind der Dritten ausgesetzet/
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Die so wie eine Ganß bey Wetterleuchten schielt/
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Der man die Butter recht nach dem Gewichte schätzet/
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Die sie des Morgens früh in beyden Augen fühlt.
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Die weissen Zähne hat die vierdte sich ersehen/
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Der schon das gantze Maul durch Scharbock faulen muß.
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Der Fünfften pflegen denn die Lippen anzustehen/
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Warum? Ihr Rüssel kriegt gar selten einen Kuß.
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Die Sechste lässet sich den süssen Halß verschreiben/
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Die vor Ziebeth ein Aaß in ihren Athem legt/
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Bey der man nicht so wol kan vor Geruche bleiben/
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Als wenn die saubre Hand Gemächer ausgefegt.
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Zu den geraden Leib wil sich nun auch beqvemen
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Ein dickes Kiebel-Faß/ die so am Hüften hinckt.
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Den wol gemachten Fuß wil eine Lahme nehmen/
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Und deren krummes Bein wie Bothen-Füsse stinckt.
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Die Waden/ die vorlängst/ wer weiß es/ abgestossen/
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Gehn itzo einen Tausch mit deinen Schenckeln ein:
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Die Mädgen meistentheils gedencken drum zu losen/
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Denn wenige sind nur von d
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Das hinterste Castel sol Jungfer Gretgen zieren/
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Die ihre Lufft/ wie du/ so gut nicht halten kan/
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Die unsre Nasen pflegt so offt zu bombardiren/
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Die solche Seufftzer gar im Tempel hat gethan.
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So viel kan nur ein Mann den armen Dingern schencken/
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Die doch bey jeden Schritt wie Pfauen-Schwäntze gehn/
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Die auff den besten Kerl mit Stichel-Reden dencken/
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Und ihre Fehler nie in einen Spiegel sehn.
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Die dich mein werther Freund! so wol bestehlen würden/
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Wenn sich die Wirckung nur nach meinen Wunsch erklärt.
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Doch nein/ denn ihnen thuns wol grobe Kühe-Hirten/
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Und deine Glieder sind noch mehr als ihrer werth.
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Indessen müsse dich das Glück so vielmahls küssen/
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Als wol die Männer Noth die lieben Mädgen qvält/
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Und als sie selbsten sich die Lust zu büssen wissen/
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So weiß ich/ daß man es mit Millionen zehlt.

(Hunold, Christian Friedrich: Die Edle Bemühung müssiger Stunden. Hamburg, 1702.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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