An die artige Demoiselle W ---- im Nah- men des Duremonds

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Johann Georg Gressel: An die artige Demoiselle W ---- im Nah- men des Duremonds (1716)

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Ein Blatt voll Schaam und Furcht wirfft sich zu euren
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Füssen/
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Es scheut sich/ daß es soll die Hände rühren an/
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Die als der Unschuld Bild von keiner Falschheit wissen/
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Ach! daß ich mich des Ruhms nicht würdig schätzen kan.
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Zürnt nicht
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So euch mein falscher Mund mit Lieblichkeit versprach/
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Jhr seyd schon/ meine Lust/ genug an mich gerochen/
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Es brauchts nicht/ daß ihr mehr besinnet euch auf Rach’.
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Mein gütiges Geschick/ mein blühendes Gelücke
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Verehrte eure Gunst mir als ein Eigenthum/
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So bald ich euch ersah’ und eure holde Blicke/
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Da war mein freyer Sinn um seine Freyheit um.
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Ich starrete vor Lust/ ich fing euch an zu lieben/
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Und ihr erregetet ein Feur in meiner Brust/
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Allein die Linderung war nicht zu weit geblieben/
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Ein heisser
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Ich kunte euch/ mein Schatz/ da sehen und auch sprechen/
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Und unser Liebe-Grund ward bey dem
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Eur vordem hartes Hertz/ das fing da an zu brechen/
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Jhr wurdet so wie ich durch gleichen Trieb bewegt.
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Noch ferner bauten wir das Wohn-Haus unser Liebe/
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Als man durch Speiß und Tranck den matten Leib erhielt/
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Bald war eur Antlitz klahr/ bald wurd es wieder trübe/
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Von euren Augen wurd ein steter Blitz gespielt.
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Da fing nun jedes Hertz an gegen euch zu brennen/
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Die gantze
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Einjeder mühte sich euch zu gefallen können/
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Und nach dem Essen ward so manche Lust erdacht.
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Man sang/ man spielete vermischt mit einem Tantzen/
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Da wurde ich von euch zu euren Mann erklährt/
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Und drauf begunten wir den Lebens-Baum zu pflantzen/
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Eur Hertze wurde mir und meines euch verehrt.
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Darnach so machten wir versüßte Kalte-Schaalen/
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Erdbeeren/ Zucker/ Wein genossen wir darinn/
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Jhr waret gantz vergnügt mit solchen Liebes-Mahlen/
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Es zeigte Lustbarkeiteur angenehmer Sinn/
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Wie diese war verzehrt/ da fing man an zu trincken
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Den heissen
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Und als die Sonne schon am Himmel fing zu blincken/
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Da ward der matte Leib zur Ruhe erst gebracht.
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Als nun der süsse Schlaff die Augen-Burg verlassen/
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Da ging die Lustbarkeit von neuen wieder an/
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Man schenckte siedentheis den
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Und die Gesundheit war: Es leb die
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So bald wir nun hinweg vom Tisch und Tafel waren/
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So war schon neue Lust im Uberfluß erdacht/
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Es kahm ein Wage an darinnen auszufahren/
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Wie die Abrede man schon unter uns gemacht/
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Hin nach dem nächsten Dorff/ so vor der Stadt gelegen.
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Als nun die Kurtzweil da/ wie wir gewolt/ war aus/
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Da liessen nach der Stadt wir wieder uns bewegen/
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Da blieben wir vorm Thor in einem Schencke-Haus.
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Da mustet ihr die Nacht hin mit dem Tantzen bringen/
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Kein Schlaff der kahm uns nicht/ wir waren lustig da
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Bis daß der Vögel-Schaar anzeigte durch ihr Singen/
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Daß allbereits der Tag und güldne Sonne nah.
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Hier solt’ ich als ein Mann euch nun Geleite geben
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Da eure Reise fort/ und zu den Freunden ging;
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Allein es kahm damahls mir eine Reise eben/
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Daran der
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Drum koñte ich mein Wort/ mein Schatz und Kind nicht halten/
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Verzeihet eurem Mann/ was er/ mein Licht/ versehn;
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Und so ihr zornig seyd/ so laßt ihn leicht veralten/
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Sonst muß ich vor der Lust in schwartzen Trauren gehn.
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Mein Hertze lebt in euch/ ich bin mit euch verbunden/
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Eur süsses Hertze fließt alltäglich durch mein Hertz/
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Wenn ihr nun böse seyd schlagt ihr euch selber Wunden/
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Doch was? ihr zürnet nicht/ ihr treibt nur Spaaß und
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Schertz.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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