A n I smenen Zu einer Nacht-Lust

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Christian Friedrich Hunold: A n I smenen Zu einer Nacht-Lust (1702)

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Ismene meine Lust! Mein Leben/ mein Vergnügen!
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Die Zeilen lieffert dir ein treuer Diener ein/
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Von dem du ingeheim kanst mehre Nachricht kriegen/
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Was meine Seele plagt/ was meine Seufftzer seyn,
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Die Sonne will bereits zu Meer und Wellen rinnen/
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Und meine Sonne hat mein Auge nicht gesehn!
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Ach! Glaube! kan ich nicht das Glücke noch gewinnen/
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So wird mein Leben gar mit deinem Licht vergehn.
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Verdient ein plumper Kerrl denn so viel edle Blicke/
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Daß ihm der Tag zur Lust und mir zum Schmertzen dient?
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Ach jage doch einmahl den Hasen-Kopff zurücke/
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Vor dem nur Kraut und Kohl/ doch keine Rose grünt.
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Dein ausgeübter Geist wird schon die Mittel finden/
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Wie durch verstellte List der Stümper wird berückt.
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Der Liebe Sinnen Meer ist niemahls zu ergründen/
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Und wie die Schiffarth offt bey Sand und Felsen glückt.
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Du kanst - - Allein ich will nicht Stern' an Himmel setzen/
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Weil deiner Klugheit Thron schon mit Verwundrung blitzt.
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Nein/ winde du das Garn/ ich folge deinen Netzen/
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Nur schaue/ das uns nicht Gefahr im Wege sitzt.
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Doch schönste/ soll ich ja des Hertzens Sinn entdecken/
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So scheint dein Garten mir der beste Sammel-Platz:
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Denn wird ihn nun die Nacht in ihren Flor verstecken/
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So hüllt ihr Forhang mich und meinen liebsten Schatz.
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Kein Neider wird uns da wie bey der Sonn' ersehen/
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Weil Venus heller Stern vor die verliebten Wacht.
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Die Büsche werden still/ als wie Trabanten stehen/
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Indem ihr rauschen gleich die Schleicher lautbar macht.
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So soll uns Einsamkeit mit Zucker Manna speissen/
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Wodurch in uns entzückt sich Seel und Seele küßt.
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Die Götter werden uns an ihre Tafel Weisen/
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Wo Wollust aufgedeckt/ und Liebe Wirthin ist.
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Die Rosen sollen sich beschämt in Schatten hüllen/
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Wenn mir dein Nelcken-Strauß auf Purpur Lippen prangt:
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Und wird dein Blumen-Busch die frohen Hande füllen/
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So hat der Leib auch schon sein Paradieß erlangt.
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Aurora kan sich nicht so schön ins grüne strecken/
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Wenn sie bey früher Zeit auf feuchten Grasse sitzt/
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Als dein erhitzter Leib die Blumen wird bedecken/
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Wenn unser Perlen Thau auf Moß und Kräuter spritzt.
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Ismene/ schönstes Kind/ die dicksten Finsternüssen
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Sind nur der Liebe Licht/ wenn sie vollkommen wird.
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Diana will bey Nacht Endimionen Küssen/
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Denn Furcht und Scham wird offt durch Dunckelheit gekirt.
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Drum laß uns den Altar in schwartzen Schatten bauen/
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Zum Lichte blitzt dein Schooß mit Flammen ausgerüst.
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Vor Augen soll der Leib/ ja Hand und Lippen schauen/
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Weil sehen zwar beliebt/ doch fühlen süsser ist.
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Nun unvergleichliche !laß uns Vergnüget werden/
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Und lege deine Gunst zu meiner Sehnsucht hin.
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Mir deucht/ die starcke Lust erschüttert schon die Erden/
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Und daß ich selbst dafür wie Federflocken bin.
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Bedencke/ wie die Zeit die Rosen lästerbleichen/
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Wenn unsre Wollust Hand nicht auf den Bruch bedacht/
55
Und wie die Stunden sich der süssen Fluth vergleichen/
56
Die uns der Jahre Meer gar bald zu Saltze macht.
57
Ja dencke/ Liebe sey ein Schatz von allen Schätzen/
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Der uns den Uberfluß des Himmels aufgethan/
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Nur dencke/ daß ihr auch der Mangel beyzusetzen/
60
Das sie nicht Zeit genug zu Lieben geben kan.

(Hunold, Christian Friedrich: Die Edle Bemühung müssiger Stunden. Hamburg, 1702.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Christian Friedrich Hunold
(16811721)

* 29.09.1681 in Wandersleben, † 16.08.1721 in Halle (Saale)

männlich, geb. Hunold

natürliche Todesursache | Tuberkulose

deutscher Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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