1
Du Wunder-schönes Land/ und Kleinod gantzer Erden!
2
Wo die Glückseligkeit mit jeden Tag erwacht.
3
Du ird'sches Paradies/ wo Menschen Engel werden/
4
Wo Adams süsse Kost uns zum Vergnügen lacht.
5
Du Himmel voller Glantz der angenehmsten Sonnen/
6
Und deren Schönheits-Strahl in alle Länder dringt.
7
Du Meer/ in deren Schaum Saturnus Krafft geronnen/
8
Worinnen Venus offt in einem Jahr entspringt.
9
Beglückter Teutschen Sitz! Du Sammel-Platz der Schönen!
10
Wo Himmel und Natur verschwendrisch worden ist.
11
Wo sich der Städte Pracht mit Myrthen kan bekrönen/
12
Und wo ein Menschen Mund nur Götter Lippen küßt.
13
Des güldnen Apfels-Streit/ den Paris beygeleget/
14
Und dessen Kostbarkeit der Venus zuerkand/
15
Wird durch den Ehrgeitz noch bey deiner Zeit erreget/
16
Und manches nennet sich vor dir das schönste Land.
17
Du Wunder-Theil der Welt! Paris tritt in die Schrancken/
18
Die Venus/ Juno sich und Pallas sonst ersehn/
19
Und wil sich üm den Preiß des Apffels mit dir zancken/
20
Sein Frauenzimmer soll in ersten Paare gehn.
21
Nun Engelland wil gar mit lauter Engeln prahlen/
22
Franckreich soll neben dir der Palmen Zinsman seyn.
23
Ach Teutschland könte dich ein Paris noch bestrahlen/
24
Und stell'te die Vernunfft sich hier zum Richter ein!
25
So würde deine Pracht und seltne Schätzbarkeiten
26
Sein kluger Augen-Raht noch mehr als vor besehn/
27
Und liese sich sein Blick auff andre Länder leiten/
28
So würde Paris Mund auff diesen Spruch bestehn:
29
Franckreich ist zwar ein Land mit Klugheit angefüllet/
30
Und in Galanterie des Frauenzimmers Welt.
31
Ja wo Geistreicher Schertz gemein wie Wasser quillet.
32
Wo witziger Verstand die hohe Schule hält.
33
Allein daß Schüler offt die besten Meister werden/
34
Kan Teutschland sonder Ruhm mit Sachsen Zeuge seyn.
35
Man pflantzet erst geschickt die Liljen frembder Erden/
36
Denn kömmt Natur und Kunst verwundrend überein.
37
Du schöne Linden-Stadt! (so würde Paris sagen.)
38
So bald mein Auge dich/ du Kleinod Meissens sieht/
39
Seh' ich die Pallas auch auff ihren Sieges-Wagen
40
Die mich/ so wie Paris zu ihren Schätzen zieht.
41
Die Göttin kan allhier die klügsten Töchter zeigen/
42
Wo Witz/ Verstand und List sehr schöne Proben weißt;
43
Durch die allein der Ruhm muß biß zum Sternen steigen/
44
Daß die galantste Stadt anitzo Leipzig heist.
45
Ja Dreßden kan sich auch mit gleichen Lorbern krönen/
46
Wo die Gefälligkeit sehr artge Leute macht.
47
Und Halle darff den Schmuck von keinen Frembden lehnen/
48
Weil diese Seltenheit bey ihren Schönen lacht.
49
Das kleine Weissenfelß hat Klugheit groß geschätzet/
50
Ob Einfalt gleich daselbst auch offt gemeistert wird/
51
Des Gartens-Schönheit ist darüm nicht gar verletzet/
52
Wenn sich das Unkraut gleich bey Rosen hat verirrt.
53
Noch andre Städte mehr und prächtigen Palläste
54
Hat Pallas Wunder-Hand mit Töchtern angebaut/
55
Sie locket mich entzückt zu ihren Hochzeit-Feste/
56
Und spricht: Die Klugheit macht die allerbeste Braut.
57
Doch (würde Paris mehr den edlen Sinn entdecken/)
58
Weil Schönheit ein Magnet der meisten Hertzen ist:
59
Und sich ein jeder denckt das süsse Ziel zu stecken/
60
Daß ihn auff Erden schon des Himmels Vorschmack küsst.
61
So kan sich Engeland zwar einen Spiegel gleichen/
62
Der mir den Gegenstand stets wunderschöne weist/
63
Wo Wangen-Purpur nicht geschminckte Farben streichen/
64
Und wo Annehmlichkeit der Sinnen Meister heist.
65
Allein wie Sonnen-Glantz die Sternen übersteiget/
66
So muß Britannien bey Teutschlands Strahlen stehn.
67
Denn ob die Venus dort ihr Ebenbild gezeiget/
68
So lässt sie sich doch selbst auff Preussens Throne sehn.
69
Du Venus Wunderreich! Du Pallas Teutscher Erden!
70
Wo Juno sich den Thron von Gold und Perlen baut.
71
Soll dir des Apffels Preiß nicht zu erkennet werden/
72
Da man dein Wesen gantz/ bey andern Stückwerck schaut?
73
Nimm hin/ Germanien! Was du vorlängst genommen/
74
Und laß dein Eigenthum dir ein Geschencke seyn.
75
Der Apffel ist ja selbst auff deinen Baume kommen
76
Wer nun die Früchte pflantzt/ nimmt sie auch wieder ein.
77
So würde Pariß Schluß auf Weißheits-Grund bestehen/
78
Und sein gerechter Spruch hing dieses Bitten an:
79
Soll mir/ du schönes Reich! durch deine Gunst geschehen/
80
Was Venus ehmahls mir in Griechenland gethan:
81
So gib mir eine Frau nach deinen Wunder-Schätzen/
82
Wo Schönheit einen Geist/ wie Gold die Perle hält.
83
Wo Eulen von Vernunfft sich nicht in Purpur setzen/
84
Und wo kein Schatten Werck von einem Cörper fällt.
85
Wo kein Pigmalion nur stumme Götzen machet/
86
Nicht/ wo Apelles Kunst sich bloß mit Farben ziert/
87
Nicht/ wo ein Affe nur in Gold und Seyde lachet/
88
Nein/ wo ein schöner Leib die Seele bey sich führt.
89
Ja wo die Kostbarkeit wie auff dem Götter Throne
90
Der Himmel die Gestalt/ der Geist die Sonne heist.
91
Wo edler Tugend Glantz und Pallas Lorber Crone
92
Sich auff der Venus Haupt in schönsten Schmucke weist.
93
Doch daß ich meinen Wunsch die Gräntzen möge setzen/
94
Und schön/ galant und reich mit auff einmahl vergnügt/
95
So gönne meiner Brust (diß wäre sein Ergetzen)
96
Daß sie die Helena aus deinen Leiptzig kriegt.