Ubersetzung der achten Eclogä Virgili

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Ubersetzung der achten Eclogä Virgili (1703)

1
Alphesiböus und Damonis hirten-lieder/
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Die wilde luchs entzückt/ das vieh erstaunt gemacht/
3
Daßselbes weder graß noch weide hatgeacht/
4
Daß sich die fluth verkert/ und lief dem strom zuwieder/
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Berühmter hirten lied erzehlet jetzt mein kiel/
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Diß/ wo Timavusstein dich noch behalten wil/
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Und wo sclavonien zum schutz dich auserkoren/
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Wenn wird doch nur das licht/ das süsse licht geboren/
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Daß ich auch deinen ruhm der gantzen welt kan zeigen/
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Wie du dem Sopholes in hohen reden gleichst/
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Wie du den anfang mir zu hohen sachen zeigst/
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Ich hebe bey dir an/ und muß auch bey dir schweigen/
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Nimm diese reimen hin/ die du befohlen hast/
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Laß unter deinem ruhm auch einem frembden gast
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Das schlechte winter-grün mit lorbern sich vermälen/
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So wird man prächtiger die reichen siege zehlen.
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Die kalte finsternis/ die nacht war kaum verstrichen/
18
Als früh der morgenthau das vieh so hoch ergötzt/
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Und Damon hatte sich zum ölbaum hingesetzt/
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Da ihm den dieses lied von lipp und mund geschlichen/
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Erschein uns morgenstern/ und bring uns doch den tag.
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Daß ich von Nisens falsch und meineyd sagen mag/
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Wie ihre schnöde gunst mich jämmerlich betrogen/
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Ob ich die götter gleich zu zeugen angezogen.
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Ich ruffe sie auch noch in meiner sterbe-stunde/
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Ertöne pfeif ein lied/ wie das der Mänal singt/
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Der Mänal/ der viel bäum und grüne fichten bringt/
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Die reden ihre brunst noch mit erblastem munde
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Er hört ohn unterlaß der hirten lieb und glut/
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Wenn Pan von flammen brennt und mit gekräncktem muht
31
In seine pfeife bläft. Auf! singe diese reime/
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Die Mänal täglich hört und die verliebten bäume.
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Nun Mopsus Nisen krigt/ darf keiner nicht verzagen/
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Man spannt ietzt greif und pferd an einen wagen ein/
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Das reh wird mit dem hund in guter freundschafft seyn/
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Und klinfftig gleichen tranck aus einem brunnen tragen.
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Mops schneide fackeln zu/ die braut kommt in dein hauß/
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Und streu nun als ein mann die nüsse hurtig aus.
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Es wil der abendstern die örter selbst verlussen/
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Und meine pfeife sol ein volles lied verfassen.
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Du bist des mannes werth/ hast alle sonst verachtet/
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Du warest meiner zieg und meiner pfeife gram/
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Daß ich mir niemals nicht verschnitt die augenbram.
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Das sonst ein sterblich mensch die götter nicht betrachtet/
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Ich habe dich gesehn in unsern zäunen gehn/
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Die äpfel lesen auf/ der mutter gleiche stehn/
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Und war auch führer selbst; seit aber diß geschehen/
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Hab ich nach dreyzehn jahr erbärmlich leid gesehen.
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Ich konte schon die äst biß an die erde beugen/
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Als ich dich angesehn und auch zugleich entbrandt/
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Als mir ein falscher wahn diß lieben zugesandt.
52
Das meins pfeife nun kan nimmermehr verschweigen/
53
Nun weiß ich/ was es sey in lieb und flammen glühn/
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Es muß der Jsmarus der liebe kind erzihn.
55
Die Garamanten selbst die müssen es erzeigen/
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Aus unserm fleisch und blut kan dieses kind nicht steigen/
57
Die ungeheure welt hat mütter oft beweget/
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Daß mit der kinder blut sie ihre hand gefärbt/
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Und diefe grausamkeit hat auch der sohn geerbt/
60
Der sohn/ der feur und glut in unsre hertzen leget/
61
Wer tobt und raset mehr/ die mutter ist erhitzt/
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Der kleine knabe trägt die pfeile zugespitzt/
63
Es kan des sohnes grimm der mutter rasen gleichen/
64
Eh meine pfeife schweigt/ so will ich selbst verbleichen.
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So soll ein hungrig wolff vorm blöden schaff erschrecken/
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Jetzt trägt ein eichen-baum der äpfel schönstes gold/
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Narcissen werden nun der schlancken erle hold/
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Und ein veracht gesträuch wird nichts als agtstein hecken/
69
Die eule trotzt den schwan und Orpheus gesang
70
Verlacht der Tytirus/ des Orpheus/ dessen klang
71
Die wälder hat entzückt/ Arions die Delphinen/
72
Nur meine pfeife fort/ du must mir weiter dienen.
73
Der gantze ball der welt verwandelt sich in wellen/
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Jhr wälder gute nacht/ lebt in stets frischer zier.
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Ich stürtze mich herab von diesem felsen hier.
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Läß dir des sterbenden verwesnen leib zustellen/
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Und nimm ihn zum geschenck. Als Damon diß gesagt/
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Hat auch der ander hirt in antwort so geklagt:
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Jhr Musen sagt diß an: denn niemand ist vollkommen/
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Jedweder kan nicht das/ was alle vorgenommen.
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Bringt eilends wasser raus: die weichen opffer binden/
82
Gehören zum altar: Nim fettes eisen-kraut
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Und weyrauch/ den man gantz voll runder körner schaut/
84
Ich muß durch zauber-kunst den menschen überwinden/
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Jhm nehmen sinn und geist/ hier mangelt nur ein spruch;
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Daß Daphnis kommt zu hauß/ und ein gesegnet stuch
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Der kan den monden selbst vom hohen himmel führen/
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Wie? konte Circe nicht Ulysses volck berühren?
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Die kalte schlange wird vom zaubergifft zerspringen/
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Mein sorgen würckt so viel/ daß Daphnis wieder kümmt/
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Drey faden hab ich schon/ so dreymahl bunt/ bestimmt/
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Und selbe sollen dir/ ich wil das bildniß bringen/
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Und tragen ums altar/ GOtt liebt ungleiche zahl
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Ach Daphnis komme doch auf meine bitt einmahl.
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Knüpf Amarillis nur drey farben in drey knoten/
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Sprich: Venus knüpf ich diß/ die hat mirs auch geboten.
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Führt meinen Daphnis heim ihr zauberreichen stimmen/
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Schaut wie die liebe sich in heisses feur ausgeust.
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Wie dieser leim verdorrt/ wie dieses wachs zerfleust/
100
In flammen-reicher glut erhitzter liebe glimmen/
101
Streu diß gereichte mehl/ brenn auch den lorber an/
102
Und ob nicht Daphnis brennt/ so thu ich was ich kan.
103
Es wird im lorberstrauch zugleich der Daphnis brennen/
104
Schaft/ meine flüche schaft/ daß er muß zu mir rennen.
105
Ja eine solche lieb entzünde Daphnis hertze/
106
Wie wann ein junges rind durch tiefe felder schreyt/
107
Und seinen gatten sucht/ bald an des baches seit/
108
In mooskraut sich gestreckt/ und fleucht vor allem schertze/
109
Und weichet nicht der nacht. So eine lieb umbringt
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Den Daphnis/ welche mir die kunst der kräuter bringt.
111
Ein kind verließ er mir als seiner liebe zeichen/
112
Das will ich bey der schwell zur rach der erden reichen.
113
So eine gunst gebührt des Daphnis schnödem pfande/
114
Die kräuter/ diese gift/ so mir nechst Möris gab/
115
Die er am wilden meer mit fleiß gebrochen ab/
116
Denn viel desselben gifts wächst an desselben strande/
117
Die haben Möris oft zu einem wolf gemacht/
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Verstorbne seelen aus den tieffen gräbern bracht;
119
Das ausgesäte korn wo anders hin verleitet/
120
Daß Daphnis aus der stadt/ doch nicht nach hauße schreitet.
121
Trag/ Amaril/ die asch in flüssendes gewäßer/
122
Und wirf sie hinter dich/ doch siehe nicht zurück/
123
So greiff ich Daphnis an/ so weder Gott noch strick/
124
Noch liebe binden kan: kein seegen macht ihn besser/
125
Bemerckt/ indem ich mich in etwas nur versäumt/
126
Und so behende nicht die asche weggeräumt/
127
So fängt sie selbsten glut/ und bey den räuch-altaren
128
Seh ich ein krichend feur und helle flamm auffaren.
129
Wohl das sind meiner lieb erfreute gnaden-blicke/
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Ich weiß nicht was mir ist/ billt unser hylax nicht?
131
So dünckt mich für der thür/ wie oder weils geschicht/
132
Daß die verliebten leut auch nur ein traum erquicke/
133
Und daß sie ihnen selbst die ankunfft bilden ein.
134
Last alle zauberey und allen seegen seyn/
135
Jhr stimmen/ Daphnis/ kommt/ er kommt/ ihr stim̃en schweiget/
136
Der Daphnis hat nun gunst und brunst mir zugeneiget.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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