Wehmüthiges leid bey dem grabe seiner schwester/ Frau Maria Mag- dalena Schultzin/ gebohr- nen Peuckerin

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Wehmüthiges leid bey dem grabe seiner schwester/ Frau Maria Mag- dalena Schultzin/ gebohr- nen Peuckerin (1703)

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Jhr/ die ihr viel verdruß/ ja viel gefahr und wunden
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Auff langen reisen euch zu wege habt gebracht/
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Sagt/ ob ihr iemahls wohl so schweren schmertz empfunden/
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Dergleichen neulich mir ein kurtzer weg gemacht?
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Ich hatte mir den Rhein zu sehen vorgenommen/
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Der einst mein thränen-saltz hat in die see geführt/
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Und wolte noch zuvor nach unserm Torgau kommen/
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Allwo mein fuß zuerst hat diese welt berührt;
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Hier solte meine brust sich mit der schwester letzen/
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Die von geschwistern mir GOTT gantz allein gegönnt/
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Hier wolt ich mich mit ihr und ihrem mann ergötzen/
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Den meine vater-stadt bey vielen würden kennt.
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Und freylich ward ich dort mit freudigkeit empfangen.
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Die schwester/ wie sie sonst bey ieden freundlich war/
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Empfieng uns allerseits mit sehnlichem verlangen/
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Man bot uns alle treu und alle dienste dar.
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Doch/ als die nacht erschien/ (o nacht voll angst und schrecken)
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O nacht/ an die ich nicht ohn thränen dencken kan!)
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Gieng meine schwester hin mein lager mir zu decken/
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Und macht’ ihr leider! selbst zur letzten ruh die bahn.
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Denn als sie von der höh zurücke sich gewendet/
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Bließ ihr ein starcker wind das licht in händen aus.
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Durch diesen sturm ward auch ihr lebens-licht geendet:
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Es brachte sie ein fall ins finstre todten-hauß.
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Der abend-stern/ der sie noch gantz gesund gesehen/
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Erblickte sie bereits am morgen auff der baar.
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Und wenn mein geist bedenckt/ wie damals mir geschehen/
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So starret mir das hertz/ so zittert haupt und haar.
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Es traf nur leider ein/ was zeichen/ fall und heulen/
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Und manche weheklag zuvor hat angedeut/
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Ja/ was sie selber offt zur nachricht wolt ertheilen/
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Wenn sie den nahen tod ihr mehrmahls prophezeyt.
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Ach schwester/ liebstes hertz! ach daß ich dich soll missen/
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Die du mir auff der welt so manche freud erweckt/
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Ach daß ich dich itzt soll mit sand bedecket wissen/
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Da vormals dich und mich ein mutter-hertz bedeckt!
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Was aber will ich thun? ich muß mich damit trösten/
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Daß du dich schon vorlängst zum sterben hast geschickt/
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Und daß du zu der zahl und menge der erlösten
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Bist ohne langen schmertz mit seel und geist gerückt.
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Der Höchste/ welcher dich hat ie und ie geliebet/
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Zog dich so schnell zu sich aus lauter gütigkeit.
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Drum alle/ die ihr euch umb ihren fall betrübet/
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Schaut diese grab-schrifft an/ die ihren ruhm bereit:
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Hier/ leser/ hat der tod ein frommes weib gerühret/
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Die in den himmel stieg/ als sie zur erden fiel.
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Denn wer den lebens-lauff in stetem glauben führet/
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Erlangt im fallen auch das vorgesteckte ziel.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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