Die verkürtzten winter-nächte bey der Güttner- und Knäbelischen Hochzeit

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die verkürtzten winter-nächte bey der Güttner- und Knäbelischen Hochzeit (1703)

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Numehro tritt bereits der winter auff die bahn/
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Das laub der bäume fällt/ der erden schooß gefrieret/
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Das wasser legt das eyß als einen harnisch an/
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Und in den lüften wird ein scharffer frost gespüret.
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Doch was die Jungfern-schaar bey dieser kalten zeit
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Am allermeisten kränckt/ das sind die langen nächte/
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Denn diese sind gewiß bey steter einsamkeit
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Ein alzuhartes joch vor ihr beliebt geschlechte.
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Dem übel/ welches sonst der winter mit sich bringt/
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Weiß ihr geübter geist gar leicht zu widerstehen/
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Denn wenn der kleinste frost auff ihre glieder dringt/
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Verschweren sie es gleich vom ofen weg zu gehen.
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Der kurtze tag läst sich durch eine schlittenfahrt/
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Durch spielen und geschwätz mit leichter müh vertreiben.
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Allein die nächte sind von einer andern art/
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Wy will das gute volck vor ihrer länge bleiben?
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Der frost benimmt alsdenn den augen ihre ruh/
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Die kammer ist zu kalt/ der wärmstein währt nicht lange/
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Und decket ohne dem nur wenig glieder zu:
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Die schwartze finsterniß macht ihnen gleichfals bange.
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Sie halten iede mauß vor einen polter-geist/
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Jhr hertz wird allzuleicht von schrecken eingenommen/
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Und weil kein guter freund hiebey gesellschafft leist/
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So seuftzen sie/ daß doch der morgen möge kommen.
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Indessen stärckt zwar offt sie ein verliebter traum/
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Sie fühlen tausend lust in einem süssen schlummer/
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Jedoch erwachen sie; so bringt der leere raum/
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Der sich im bette zeigt/ nur neue noth und kummer.
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Wiewohl hat sie demnach/ verlobte Braut/ gethan
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Daß ihr durch kluge wahl ein solcher stand beliebet/
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In welchem sie die macht des winters trotzen kan/
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Und wo es niemahls nicht zu lange nächte giebet.
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Der nacht-frost machet hier nicht die geringste pein.
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Der wärmstein/ welchen sie das glücke heist umbfassen/
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Wird durch die gantze nacht voll glut und hitze seyn/
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Und auch kein glied an ihr nicht unerwärmet lassen.
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Die furcht/ die sonst so leicht das Jungfern-volck besiegt/
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Wird nicht vermögend seyn im dunckeln sie zu schrecken.
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Sie wird denselbigen/ dem sie in armen liegt/
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Durch einen sanften kuß gleich wissen aufzuwecken.
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Wohlan/ beglücktes paar/ die nacht ist vor der thür/
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Die sterne haben schon den himmel eingenommen/
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Drum eile zu der ruh/ ich weiß/ es werde dir
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Der morgen ohne dem noch viel zu zeitlich kommen.
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Tritt schlaf und wachen stets mit lauter seegen an/
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Und laß uns künfftig auch bey langen tagen schauen/
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Daß man zur erndte-zeit doch früchte sammlen kan/
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Ob man das feld gleich muß in winter-nächten bauen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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