Die in nerlichen kriege der Jungfern/ bey der Br. und Fr. Hochzeit. Der Braut Bruder an seine verlobte Schwester

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die in nerlichen kriege der Jungfern/ bey der Br. und Fr. Hochzeit. Der Braut Bruder an seine verlobte Schwester (1703)

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Bekenn es/ liebstes kind/ ist in den Jungfern-hertzen
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(die schwester kan es ja dem bruder wohl gestehn/)
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Nicht lauter krieg und streit von viel verborgnen schmertzen/
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Wo die gedancken stets erhitzt zu felde gehn?
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Von aussen könnt ihr zwar als friedens-engel scheinen/
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Wie langsam rühret ihr mund/ auge/ fuß und hand?
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Nicht gerne regt ihr euch/ nur daß wir sollen meynen/
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Es sey nichts anders euch als fried und ruh bekannt.
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Jhr rühmet nur ein still und Gott-gelaßnes leben/
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Jhr sucht das paradieß in banger einsamkeit/
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Und wollt/ daß wir noch itzt den Römern beyfall geben/
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Der friede habe sich in Nymphen eingekleidt.
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Allein wir kennen auch die Pallas und Bellonen/
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Die man als weiber einst den kriegen vorgesetzt;
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Wir wissen/ wie vorhin die tapfern Amazonen
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So manch geruhig volck mit spieß und schwerdt verletzt.
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Euch zwar wird kein solch hertz itzt ferner zugetrauet/
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Denn wenn ihr offtmahls nur ein rostiges geschoß/
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Das ungeladen ist/ in einem zimmer schauet/
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So laufft ihr noch so weit/ aus furcht/ es gehe loß.
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Ein schatten weiß euch schon mit tausend furcht zu drücken/
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Das riesen dünckt euch offt ein feld-geschrey zu seyn.
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Jhr sprecht/ wenn etwas schallt: das war ein schuß aus stücken/
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Und wenn ein blat sich regt: itzt fällt der himmel ein.
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Vor mäusen flieht ihr ja gleich als vor wilden bären/
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Jhr könnt so wenig blitz als blancke degen sehn.
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Soldaten scheuet ihr als wenn es teufel wären/
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Erblickt ihr menschen-blut/ so ists umb euch geschehn.
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Jedoch so wenig ihr mit händen kriege führet/
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So häuffig habet ihr im hertzen kampff und streit/
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Indem euch innerlich die unruh heftig rühret/
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Ob ihr von aussen schon als Quietisten seyd.
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Ein liebes mannsbild darf euch nur vor augen kommen/
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So klopfft das hertze schon und schläget lärmen an/
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Die seuffzer blasen sturm/ die brust wird eingenommen/
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Und fühlet was der brand entzündter seelen kan.
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Hier streitet lieb und haß/ dort kämpffet furcht und hoffen:
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Die lust will einen kuß/ die scham läst keinen zu/
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Die zucht verschliest das hertz/ die liebe macht es offen/
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Jhr schlaft als wie zur zeit des krieges ohne ruh.
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Nun/ Schwester/ zeige mir/ daß ich hier nichts erdichte/
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Sprich: mir war selber so mit meinem Bräutigam/
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Als mir sein werther stand und schönheit ins gesichte/
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Und sein gelehrter witz in die gedancken kam.
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Ich ward in einen streit itzt hin itzt her gerissen.
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Bald sprach mein blöder mund zu seinem bitten: nein/
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Bald aber wieder: ja. Ich konte nichts entschlüssen/
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Und schien wol dazumal nicht Friedrichin zu seyn.
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Wohlan! bekenne nur/ ich lobe deine treue/
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Die Jungfern gehn ohndem dich künfftig nicht mehr an.
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Schreib statt der antwort mir/ daß dich mein reim erfreue/
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Weil ich dem Nymphen-volck damit ihr recht gethan.
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Indeß geneuß nunmehr die edlen friedens-früchte/
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Und nimm nach kampf und streit die sieges-eronen hin.
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Der tag der heute scheint mit angenehmen lichte
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Bringt vor dem hertzens-krieg die ruhe zum gewinn.
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Doch/ wo ihr diese nacht noch miteinander krieget/
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So sol (geht diesen schluß vor allen dingen ein/)
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Das überwundne theil/ das etwan untenlieget/
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Stets jährlichen tribut dem andern schuldig seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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