Die überwindende Wolfsburg/ und Mokkendorfische liebe

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Die überwindende Wolfsburg/ und Mokkendorfische liebe (1703)

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Nach schwartzer wolcken-flor/ nach rauhen donner-wettern/
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Nach stürmen/ deren grimm die stärcksten cedern bricht/
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Nach blitzen/ die mit macht die felsen selbst zerschmettern/
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Zeigt endlich sich vergnügt das goldne sonnen-licht.
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Wenn Jason lange zeit mit drachen hat gestritten/
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So trägt sein kühner arm das goldne vließ davon/
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Wer unverdrossen sucht/ wenn sturm und wellen wütten/
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Bekommt der perle glantz vor seine müh zu lohn.
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Die rose schätzt man erst/ wenn uns der dorn gestochen/
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Die nuß schmeckt angenehm/ so unsre hand geschwärtzt/
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Die traube bringet lust/ die man mit angst gebrochen/
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Der kuß ist engel-süß/ so nach den thränen schertzt.
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Was schweiß und mühe braucht/ das wird uns doppelt süsse/
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Wer wermut nicht versucht/ ist nicht des zuckers werth/
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Wer aber nichts geschmeckt als saurer äpffel bisse/
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Verdient es/ wann das glück granaten ihm beschert.
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Leander kan von lust bey seiner Hero sagen/
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Der sich in lebens-noth gewagt vor jeden kuß/
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Der Perseus wird mit fug den göttern zugeschlagen/
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Weil er Andromeden der höll entführen muß.
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Wie aber? kennt mein reim nur solche liebes-helden/
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Von denen viel gesagt/ und wenig wird geglaubt?
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Vergönne schönes paar/ mir was von dir zu melden/
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Du weist/ poeten ist ein freyes wort erlaubt/
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Ich weiß die die schöne gluth/ in welcher ihr gebrennet/
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Ich weiß auch eure noth/ in der ihr offt gesteckt/
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Doch diesen demant-schluß hat keine macht zertrennet/
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Kein elend/ keine qual hat euren geist geschreckt;
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Das gold/ wanns köstlich ist/ muß sieben proben dauren/
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Eur liebes-gold ist mehr als tausendmahl bewehrt/
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Jhr habet stets gegleicht den felsen-harten mauren/
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Die weder sturm noch blitz zu grund und drümmern kehrt.
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Gvarini mag hinfort vom Paster Fido schweigen/
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Noch Seuderi erhöhn der Almahide treu/
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Es ist erdachtes werck; ich kan zu Breßlau zeigen/
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Wer Pastor Fido und wer Almahide sey.
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Jhr habt nicht nachgeahmt den neuen flatter-geistern/
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Die Venus heute hier und morgen dort bekrigt/
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Auch habt ihr eure glut so wissen zu bemeistern/
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Daß tugend jederzeit die leidenschafft besigt.
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Drum hat des himmels hand sich eurer angenommen/
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Des himmels/ der nichts mehr als treue seelen libt/
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Der macht/ daß alles ist zu schönen ende kommen/
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Und eurer eltern mund euch selbst den seegen gibt.
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Die höchste lieb ist euch zu wahrer hülff erschienen/
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Und hat den heyraths-brieff mit eigner faust gemacht/
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Drum siht man Lilien um euer bette grünen/
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Weil zucker-süsse lust auf euren wangen lacht.
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Eur liebes wagen wird gefürt von reinen schwanen/
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Zumalen euch verknüpfft ein Gott-belibtes band.
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Euch muß den süssen weg zum hochzeit-bette bahnen
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Der kirche brand-altar und eines priesters hand.
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Wer wil/ hochwertes paar/ wol eurer liebe fluchen?
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Ein jeder muß glück zu mit vollem halse schreyn/
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Jhr solt in süsser lust geniessen ambra-kuchen/
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Und euer ehstand sol ein rechter himmel seyn.
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Geht nun mit freuden hin in die geschmückte kammer/
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Wo euer liebes-thron frisch aufgebettet steht/
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Verschlaft in stiller ruh den ersten liebes-jammer/
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Und dencket jetzt an nichts als euer lust-panquet.
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Nunmehr kan hertz und geist der liebes milch geniessen/
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Weil die vergnügung selbst vor euer glücke wacht;
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Jhr mögt euch ungescheut bey nacht und tage küssen/
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Weil/ was euch vor gequält/ sich längst davon gemacht.
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Mich dünckt/ ich seh im geist/ wie ihr die Marmeladen/
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Die euch die liebe kocht in höchster lust genißt;
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Wie alle glieder sich in süssem Nectar baden/
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Und der vergnügungs-thau aus eurem munde flüst.
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Doch still/ ich gehe ja nicht in verbotne schulen
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Und schreibe sonsten auch zu Breßlau nicht so frey/
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Zu dem so halt ich nichts von dem gedancken-bulen/
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Denn küssen im gehirn ist eitel narradey.
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Genug: ich wil euch nicht mit leeren schalen plagen/
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Mir fallen ohne diß nur lose possen ein;
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Die aber werdet ihr euch selbst am besten sagen/
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Wenn lieb und stille nacht wird schul und meister seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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