Celadons klage-brief an Lenoren/ als er wider willen ihre Conversa- tion eine zeitlang meiden muste

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Celadons klage-brief an Lenoren/ als er wider willen ihre Conversa- tion eine zeitlang meiden muste (1703)

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Lenore/ dieses ist das allererste schreiben/
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Das dir/ vollkommnes kind/ dein treuer diener schickt/
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Seit dem er muß entfernt von deinem antlitz bleiben/
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Und umb und neben sich nichts als verdrus erblickt.
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Ach glaube/ wo du kanst die sinnen auf mich lencken/
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Und wo mein nahmen noch in deinen ohren klingt/
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Daß nichts/ als herbes leid und tausendfaches kräncken/
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In mein gequältes hertz mit vollem hauffen dringt.
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Ich stehe gantz betrübt/ die augen voller thränen/
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Das hertze bebet mir in der beklämmten brust/
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Die freude wandelt sich in ungemeines sehnen/
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Ich schmecke gall und gifft statt der gehossten lust.
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Ach ärmster/ sag’ ich oft/ wo bistu hingerathen/
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Wie wird es weiterhin um deine sachen stehn?
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Denn das verhängnis sucht/ (o unerhörte thaten!)
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Mit dir verstossenem recht grausam umzugehn.
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Ach schwacher/ magstu wol dem himmel widerstreben/
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Der donnerwetter läßt zu deiner quaal aufziehn?
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Wer kan mich aus der angst/ aus diesem kummer heben?
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Ach weh mir/ daß ich ietzt so gar verlassen bin?
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Diß sind/ galantes kind/ die traurigen gedancken/
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Mit denen sich mein geist fast unaufhörlich plagt;
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Doch darff ich gleichwol nicht mit meinem unstern zancken/
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Es wird mir aller trost von selbigem versagt.
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Gedenck’ ich nun zurück’ an diß/ was schon vergangen/
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Und sehe meinen stand mit nassen augen an/
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So werd’ ich/ glaub es nur/ mit todes- furcht umfangen/
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Weil niemand meinen schmertz vollkommen lindern kan.
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Allein was müh’ ich mich dir dieses zu entdecken?
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Die worte stillen doch die vielen plagen nicht/
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Und dieses schlechte blat wird dich vielleicht erschrecken/
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Indem es sonst von nichts/ als meinen seuffzern spricht.
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Ach schönste/ solt’ ich nur vor deinen knien liegen/
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Und mein gebeugter fus in deinem zimmer stehn/
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So würde deine gunst mein elend bald besiegen/
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Und die verdrießligkeit wie schnee und eiß vergehn.
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Ein angenehmer blick würd’ alle pein versüssen/
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Die mich bey solchem weh matt und entkräfftet macht/
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Und also würd’ ich denn vor dir gestehen müssen/
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Daß die vertrauligkeit mich zur genesung bracht.
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Ach! aber/ was sind das vor ungereimte grillen/
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Ach arm er Celadon/ was bildestu dir ein?
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Niemand wird dir den wunsch/ den du begehrst/ erfüllen/
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Und deine schöne selbst wil unempfindlich seyn.
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Diß bläst die einsamkeit mir täglich in die ohren/
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Und häuffet also stets den übergrossen schmertz/
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Es fehlt ein weniges/ so bin ich gantz verlohren/
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Ja die verzweiffelung bestürmet seel und hertz.
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Ach schönste/ wilstu nun die herbe pein vermindern/
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So gib mir zu verstehn/ daß du genädig seyst/
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Dein auge/ mund und hand kan alle plagen lindern/
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Ich lebe/ wo du mich mit diesem Ambra speist.
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Wo nicht/ so werd’ ich zwar in heisser angst verderben/
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Und das verhängnis raubt den seufzern ihren lohn/
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Doch bleib’ ich/ muß ich gleich gantz ohn verbrechen sterben/
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Auch in dem tode selbst dein treuer Celadon.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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