Als er seine flammen ihr deutlicher zu verstehen gab

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Als er seine flammen ihr deutlicher zu verstehen gab (1703)

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Mein engel/ scheu dich nicht diß blat hier zu berühren/
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Das nichts als feur und glut in seinen zeilen trägt/
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Du wirst den heissen brand im ersten angriff spühren/
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Der jetzt mein mattes hertz mit tausend funcken regt.
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Jedwede zeile raucht noch von erhitzten flammen/
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Ja selbst die dinte ist mein schwartz gebrandtes blut/
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Es will der himmel mich zu einem feur verdammen/
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Das ohne deine gunst verzehret geist und blut.
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Nicht frage was mich brennt/ dein aug’ hat mich enttzündet/
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Dein heisser strahl hat mich fast auß mir selbst gesetzt.
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Wenn glut und feuer sich mit deinem glantz verbindet/
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Wie kan es anders seyn? die seele wird verletzt.
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Ich sahe bein gesicht wie tausend sonnen blitzen/
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Als ich mein schwaches aug auf deinen himmel wandt/
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Ach aber auch ein blick kont meine brust erhitzen/
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Den du mir ohngefehr von weiten zugesand.
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Wer konte dazumahl des himmels macht entkommen?
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Denn/ als ich nur vermeint ein irrdisch aug zu schaun/
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Da bin ich ohnversehns von sonnen selbst entglommen/
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Die ietzt ihr sieges-hauß in meiner seelen baun.
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Wie sehr ich auch gesucht diß feuer zu verdecken/
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So bricht es endlich doch mit vollen flammen aus/
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Es läst die liebe nicht so leichtlich sich verstecken/
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Sie wirfft die funcken auch biß zu der sternen hauß.
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Ich bin kein Aetna nicht/ der seine glut verschliesset/
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Noch kein Vesuvius der sie mit schnee bestreut/
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Ich bin kein Heela nicht der sie mit eyß begiesset/
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Mein zunder-reiches blut ist selbst zum feur geweyht.
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Die liebe läßt mich nicht bey dieser zeit verfrieren/
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Ich mercke wie sie stets legt frische kohlen an/
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Und darff’ ich einen blick von deinen sonnen spüren/
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So fühl ich/ was ihr brand in meiner seelen kan.
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Verzeihe/ schönstes licht/ was meine feder schreibet/
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Die flamme/ die mich quält/ leid kein verstellen nicht.
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Die liebe ists allein/ die meine geister treibet
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Und mächt/ daß diese glut aus meiner seelen bricht.
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Ich sag es öffentlich: dein aug hat mich verletzet/
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Es hat mir eingeflöst den süssen liebes-gifft/
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Der meinen matten geist in heisse funcken setzet/
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Ja durch und durch mein blut in allen adern trifft.
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Wann glut und flammen nun des feuers ursprung zeigen/
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So lenckt man sein geschrey auff hülff und rettung hin/
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Wie kan ich armer dann dir meine noth verschweigen/
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Die ich zu hemmen selbst fürwahr nicht mächtig bin.
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Aus deinen augen quillt mein todt und auch mein leben/
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Du hast es beydes nun/ mein licht/ in deiner macht/
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Dein auge stürtzet mich/ es kan mich auch erheben/
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Es gibt mir freuden-schein und düstre schmertzens-nacht.
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Ergreiffe was du wilt/ ich nehm es an vor liebe/
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Erhalt ich deine gunst/ so bin ich höchst vergnügt/
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Rührt aber auch mein todt aus deines hertzens triebe/
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So hastu doch im grab auch über mich gesiegt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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