La Valiere an den könig Ludewich

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: La Valiere an den könig Ludewich (1703)

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Was mein großmächtgster wil/ in dem/ was er geschriben/
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Ist etwas so ich nicht erst heut beginnen kan/
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Sein gantzer brieff begehrt/ ich soll den König lieben/
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Und dessen kühne magd hats schon vorläugst gethan.
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Nunmehr verstreicht ein jahr/ das ich mich unterwunden/
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Die sonne Galliens vermessen anzusehn/
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Ach aber daß mein hertz hirmit zugleich empfunden/
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Wie sich kein schlechtes wachs zur sonne soll erhöhn.
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Mein auge dadurch ich von seinen bin entglommen/
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Weil es ein sonnen-licht und meins ein brennglaß war/
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Ist offt mit thränen-fluth der glut zu hülffe kommen/
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Sonst wär ich asche schon vermodert gantz und gar.
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Dann ich den lichten brand dazu verhölen müssen/
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Nachdem geweyhtes oel der Vesten ihn erweckt/
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Wer aber solchen gast im leibe wil verschliessen/
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Ist einer/ der da feur mit höltzern kappen deckt.
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Ich hielt mit brunst und kunst das heiligthum zusammen/
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Und dessen funcken hatt ich vom altar entwandt/
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Mein hertze brandte/ kurtz/ von Königlichen flammen/
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Wer hätte deun der welt dergleichen raub bekandt?
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Wenn aber sich mein herr beginnet zu vertrauen/
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Und Valieren selbst der Vesten feur vergönt;
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Läst sie sein grosses aug auch ihren tempel schauen/
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Wo alles was er siht/ ihm hat gebrannt und brennt/
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Die brust ist lamp und herd/ die flammt von liebes-oele/
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Und deren pristerin des Königs küne magd/
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Der abgott/ dessen bild/ das opffer meine seele/
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Nun Valiere hat zur gnüg/ mein fürst/ gesagt.
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Allein was wil der Printz von purpur sich entkleiden/
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Sein reich und land verschmähn/ um mich sich gleich zu sehn?
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Die Lilgen müssen nicht aus ihren feldern scheiden/
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Und unsre liebe kan durchs scepter nur bestehn.
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Die crone/ die er trägt ist sicherer zu küssen/
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Als legt ich meinen mund gemeinen lippen bey/
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Mich träte bald der hoff viel tausendmal mit füssen/
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Würd dieses nicht bekandt/ daß ich des Königs sey.
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Und hat mein leib als perl in muscheln nicht gelegen/
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Macht er als Diamant mich doch zum edelstein/
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Denn weil ein Phönix sich verbrennt/ um meinetwegen/
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Muß ich nach dessen brandt ja auch ein Phönix seyn.
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Wird thon nicht letzt zu ertzt/ wenn mans in gold eintauchet/
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Wenn mich mein Zevs vergüldt/ wie werd ich denn nicht gold?
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Es gilt ein jedes ding nachdem es einer brauchet/
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So bleib ich ja nicht schlecht/ wenn mir der könig hold.
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Doch schwer ich/ daß ich ihn nicht als den könig liebe/
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Mein auge siht auf ihn und seine crone nicht/
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Die anmuth/ die ihn regt/ ist hier des Adams ribe/
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Die mein verliebter geist aus seiner seiten bricht.
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Die welt rühmt fürsten wol nach ihren land und leuten/
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Nach dem ihr gräntzestein der reiche sich erstreckt/
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Und unsre ehrfurcht schaut ihr anmuth nur von weiten/
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Wenn auch der fürstenhut der grossen mängel deckt.
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Ich aber lasse mich von keinen Purpur blendem/
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Ich nehme die person/ nicht ihren thron/ in acht/
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Sein kleinod und sein reich setz ich aus seinen händen/
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So sind ich allererst was mich verliebt gemacht.
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Mein König/ wär es nicht die billigkeit erzürnen/
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Dem reiche zu entziehn/ was dessen würdig ist/
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So spräch ich: wär er doch gezeugt von einer dirnen/
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Denn mit bestande wird ein gleicher mund geküst.
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Urtheile nun/ mein printz/ wie weit ich mich verstigen/
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Und was die liebe nicht für frembde wunder stifft?
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Ein Zeifig macht sich auf dem Adler nachzusligen/
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Und es gelingt ihm auch daß er die sonne trifft.
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Ach möchte diese huld auf ewig mir verbleiben/
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Der himmel der sich regt/ bewegt uns auch mit sich/
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Wie leichte kan ein wind ein schiff zurücke treiben/
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Das erstlich durch die fluht mit vollem segel strich/
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Die schönheit die er rühmt an meinen blassen wangen/
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Ist nichts als sein betrib/ und wär sie gleich auch was/
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Ist dieser flüchtge Klee doch alsobald vergangen/
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Denn in dem liebes-May wächst und vergeht dis graß.
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Die rose selbst verbleicht/ wie röthliche Corallen/
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Und mit der zeit verlirt auch Bisam den geruch
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Wil der gemahlin aug ihm schon nicht mehr gefallen/
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Was wird mein spiegel seyn/ bekommt er einen bruch?
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Er hat princeßinnen mich gnädigst vorgezogen/
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Vielleicht bestreichet ihn die reue dieser wahl.
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Das wasser scheint Scarlat im fernen regenhogen/
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Und was mein printz erkiest/ ist nur ein leerer thal,
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Worauf des eckels gifft muß unausbleiblich toben/
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Wenn auch genoßne kost stinckt satte mäuler an.
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Der Adler/ dessen flug die Auster-schal erhoben/
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Zeigt/ daß er wiederum sie fallen lassen kan.
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Wiewohl man sicher darf dem grossen Ludwich trauen/
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Der grundstein Galliens bewegt sich nimmer nicht/
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Was er einmahl verspricht/ darauf ist fest zu bauen/
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Und dieses ists/ was mich zu seinem willen bricht.
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Dem alles zugehört/ darff ohne dem nichts kauffen/
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Was bittet unser Fürst/ der nur befehlen darff.
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Und mein gekürtzter fuß kan ihm auch nicht entlauffen/
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Er reichet viel zu weit/ und lief ich noch so scharf.
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Drum lieb ich meinen printz mit ungezwungnen hertzen/
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Hier schwilt die matte brust/ hier lechzt der durstge mund/
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Der wechsel seiner eh erweckt mir keine schmertzen/
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Gnug/ daß verbotne frucht geteilt mir wird vergunt.
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Der Königin/ der er alleine solte leben/
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Erlaub ich willig halb/ was ihr gantz zugehört;
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Zumal mein mächtigster das/ was er ihr muß geben/
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An Valieren stets verdoppelt und vermehrt.
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Der edle Zimmet-baum trägt desto bessern Zimmet/
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Je öffter man von ihm die kräfftge rinde schneidt/
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Hat nun mein Zevs mir offt zu regnen sich bestimmet/
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So weiß ich/ daß ihm lust auch offt die schaale beut.
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Also erschreck ich nicht vor sturm und ungewittern/
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Der mich beschützen kan/ fährt hier in hafen ein/
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Und warum solt ich auch für ungemach erschüttern/
108
Wer einen helden liebt/ muß selbst auch heldin seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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