I. König Ludewich an die Gräffin de Montesp

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: I. König Ludewich an die Gräffin de Montesp (1703)

1
Kan auch die schwache hand die feder tüchtig führen?
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Und können alle wort in rechter ordnung stehn?
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Wenn strahl und blitz das hertz/ ja selbst die seele rühren/
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Wenn gifft und mattigkeit durch blut und adern gehn.
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Allein der süsse trost/ den noch die hoffnung schencket/
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Hat so viel munterkeit dem krancken geist gebracht.
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Daß er auf artzeney zu seinen wunden dencket/
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Auf pflaster vor sein heil/ von deiner hand gemacht.
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Ein anblick deiner gunst kan meine schmertzen lindern/
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Und ein vergönter kuß hebt allen jammer auf.
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Ach ärtztin komme bald! Ach laß dich nichtes hindern!
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Ach eyle/ sonst vergeht mein kurtzer lebens-lauff.
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Was aber fängstu du an/ bedencke dein begehren/
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Verwegner Ludewig! Halt/ halt die feder ein.
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Wird dir denn ihre hand stracks artzeney gewähren?
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Da sie vielleicht wohl ehr dein hencker wünscht zu seyn.
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Ach nein/ das fürcht ich nicht/ die sanfftmuth-schwangern augen
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Zertheilen allen dunst/ den mir das zweifeln macht.
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Ließ sie daß erste mahl aus ihnen honig saugen/
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Wird sie wohl ietzund nicht auf galle seyn bedacht.
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Und daß dir nicht mein wunsch in dunckeln worten stecke/
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Dieweil sonst deinen geist ein irrthumb möchte quäln;
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Auch meine kranckheit sich der ärtztin recht entdecke/
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Muß ich den ursprung nur von meiner lieb erzehln;
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Die grossen fürsten/ die vor Franckreichs wohlfahrt sorgen/
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Auf deren klugen witz sich stützet reich und kron/
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Die stunden ingesammt am nechst verwichnen morgen/
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Versamlet auff mein wort/ vor meinem hohen thron.
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Ein ieder war bedacht den besten rath zu geben/
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Wie dieses grosse land noch weiter zu vermehrn.
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Wie Teutsch- und Niederland vor Franckreich möchte beben/
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Und wie die feinde seyn/ in freunde zu verkehrn.
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Des einen anschlag war mit Spanien zu brechen/
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Und eines andern rath gieng nach Meßina hin.
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Der rieht die grosse macht Jtaliens zu schwächen/
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Und einem anderen lag Africa im sinn.
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Viel wolten krieg und blut/ viel wolten ruh und frieden/
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Hingegen waren viel auf bündnisse bedacht.
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Mit kurtzem/ aus dem rath war keiner noch geschieden/
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Dieweil der schluß noch nicht durch mein gebot gemacht.
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Da trat ein d ener vor/ gebührlich anzumelden/
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Daß du begehretest ein gnädiges gehör.
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Ich sagte willig ja/ die andern grossen helden/
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Beliebten insgesamt zu hören dein begehr.
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Wie mir nun sey gewest/ als ich dich erst erblicket/
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Das weiß der himmel nnd kein: sterblicher sonst nicht.
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Mich hat dein schönes aug mit solchem glantz bestricket/
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Daß ich auch auf dem thron mich dir zum knecht verpflicht.
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Du kontest nicht so bald die zarten kniee beugen/
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Als in gedancken ich zu deinen füssen lag.
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Du woltest mir zwar wohl als könig ehr erzeigen/
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Da deine Majestät schon meinen hochmuth brach.
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Du flehetest um recht und batest dich zu schützen/
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Und mein geist lechzete nach deiner gütigkeit.
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Es solte deine noth auff meinen arm sich stützen/
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Und dieser gantze leib war dir schon eingeweiht.
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Ich willigt alles ein/ was du nur möchtest bitten/
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Weil du mit bitten auch kanst königen befehln.
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Hastu nun deine feind und widrigen bestritten/
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So laß auch mich doch nicht mehr marter-stunden zehln.
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Ach laß dein schönes aug mich nur einmahl anblicken/
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Und sey nicht abgeueigt dem der dich brünstig liebt.
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Ein freundlichs lächeln kan den nebel-dampff ersticken/
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Der dies sonst muntre hertz mit angst und furcht betrübt.
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Mein schatz/ mein trost/ mein licht/ ach sey mir doch gewogen/
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Du hast ja selbst geliebt und weist was lieben ist.
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Dich hat ja weder wolff/ noch leu/ noch bär erzogen/
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Du bist ja nicht ernehrt durch grimme tyger-brüst.
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Und wärstu gleich gebohrn aus felsen oder Eichen/
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Es hätt ein Leopard mit blute dich gestillt.
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Es müste dir der schnee auf Zemblens bergen weichen/
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Du wärest durch und durch mit Caspisch-eiß erfüllt;
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So würde doch mein schmertz die grausamkeit durchdringen
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Würd er ein eintzig mahl von dir nur recht betracht.
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Ich opffre dir mein blut/ dis wird dich ja bezwingen/
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Und wärestu durchaus von Diamant gemacht.
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Will dann dein zarter mund mir gleichwohl widersprechen/
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Mit fürwand/ daß du seyst am andern ort verpflicht.
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So wisse/ daß die welt ein solch gering verbrechen
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An keinem könig strafft. Was thut ein könig nicht?
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Zu dem was ist ein schatz/ den einer hält verschlossen?
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Was nützt ein heil-brunn wohl den nur ein krancker trinckt?
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Wenns monden silber thaut/ wird manche blum begossen,
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Von wie viel augen wird Diana wohl gewinckt?
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Die schönheit ist ein glaß mit Balsam angefüllet/
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Der seine wirckungen durch fleißig brauchen mehrt.
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Durch ihre perlen-milch wird vieler durst gestillet/
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Jhr starcker Ambra wird durch keine glut verzehrt.
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Laß dich durch kein geschwätz des albern pöbels schrecken/
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Cupido kehret nicht bey groben seelen ein.
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Ein blöder geist kan nicht der liebe krafft entdecken/
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Die eh und liebe muß ein ding bey ihnen seyn.
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Uns lässet die vernunfft viel besser dies ergründen/
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Weil wir mehr reine glut in unsern adern fühln.
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Wir nennen es mit recht nur lauter schöne sünden/
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Dieweil wir ja auf nichts als lieb und freundschafft ziehln.
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Wird mir dein purpur-mund gleich tausend küsse gönnen/
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So wird er ja darümb die rosen nicht verliern.
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Vergönne daß ich mag die nelcken brechen können/
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Die deiner wangen schnee mit ihrer anmuth ziern.
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Selbst Venus hat gepfllantz die liljen deiner brüste/
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Ach schönste laß mich doch auf ihren betten ruhn.
103
Die freyheit nennt sie zwar ihr sterb- und blut-gerüste/
104
Allein ein solcher todt kan ja nicht wehe thun.
105
Es hat dir die natur umsonst nicht solche gaben/
106
Und solche trefflichkeit verschwendrisch mitgetheilt.
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Was deiner augen blitz und pfeil verwundet haben/
108
Muß durch Granaten safft der lippen seyn geheilt.
109
Was deine schönheit hat mit flammen angestecket/
110
Das muß der warme schnee in deinem busen kühln.
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Hastu den seuftzer wind in dieser brust erwecket/
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So laß ihn/ schönste blum/ durch deine blätter spieln.
113
Nun weiter kan ich nicht die müde feder führen/
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Gedencke wer dich liebt/ huldreiche Montespan!
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Der Purpur wird dich ja nicht schimpffen/ sondern zieren/
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Und daß kein fürsten-blut das minste flecken kan.
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Ich wil indes die zeit mit hoffnung mir versüssen/
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Ach mache deine gunst durch wenig zeilen kundt.
119
Ich lebe zwar in furcht/ doch hoff ich noch zu küssen/
120
Wie jetzund meinen brieff/ so künfftig deinen mund.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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